Gekenterter Luxusliner: Zwei weitere Leichen gefunden

23. Januar 2012, 17:00 Uhr · Quelle: dpa

Giglio (dpa) - Zehn Tage nach der Havarie der «Costa Concordia» haben Taucher zwei weitere Leichen in dem gekenterten Kreuzfahrtschiff gefunden.

Es handle sich bei den Toten um Frauen, teilten die Einsatzkräfte auf der toskanischen Insel Giglio mit. Unterdessen erteilten die italienischen Behörden die Erlaubnis, um mit der Bergung der rund 2300 Tonnen Treibstoff zu beginnen. Die vorbereitenden Arbeiten sollen am Dienstag aufgenommen werden, wie die niederländische Bergungsfirma Smit mitteilte.

Mit den beiden Leichen sind nunmehr 15 Opfer geborgen, acht wurden identifiziert. Die Frauen seien auf Deck 4 des havarierten Schiffes gefunden worden, teilte Krisenstabsleiter Franco Gabrielli mit. Die Rettungstaucher werden sich bei der Suche weiter auf das Deck konzentrieren, wie die Feuerwehr mitteilte. Noch immer werden mehr als 20 Menschen vermisst.

Unter den bereits identifizierten Opfern sind nach den Angaben ein Deutscher, vier Franzosen - darunter ein Ehepaar - und je ein Mann aus Italien, Spanien und Ungarn.

Es wird vermutet, dass mehrere blinde Passagiere an Bord gewesen sein könnten. Zu viele Unbefugte habe es in der kritischen Zeit auf der Kommandobrücke gegeben, zitierten italienische Zeitungen aus den Verhörprotokollen der Offiziere. «Der Kapitän wurde von dem Gerede abgelenkt», soll die Offizierin Silvia Coronika den Ermittlern gesagt haben. Die Personen seien mit dem Kapitän auf die Brücke gekommen und hätten dann beim Manövrieren «gestört».

Feuerwehrhauptmann Ennio Aquilino sagte, die Bergungsarbeiten im Inneren des Schiffes würden immer beschwerlicher, die Zustände immer chaotischer. «Stellen Sie sich vor, Sie fahren in den Urlaub und im Kühlschrank fällt der Strom aus», sagte Aquilino.

Nach eingehenden Untersuchungen «steht dem Abpumpen nichts mehr im Weg», teilte Gabrielli mit. Die niederländische Firma Smit wird bereits am Dienstagmorgen mit den Vorbereitungen beginnen. Innerhalb dieser Woche dürfte das Abpumpen beginnen, sagte ein Verantwortlicher. In den Tanks des Schiffes befindet sich überwiegend Schweröl. Dieses muss erwärmt werden, bevor es abgepumpt werden kann. Es gilt als weitaus umweltschädlicher als Diesel. Die Aktion dürfte einige Wochen dauern.

Gabrielli erklärte, der vor knapp eineinhalb Wochen gekenterte Luxusliner sei stabil. «Die Gefahr besteht nicht mehr, dass er absinkt», sagt er. Dies hätten umfangreiche Messungen in den vergangenen Tagen ergeben. Zuletzt hatten minimale Bewegungen der «Concordia» die Suche nach Vermissten zeitweise unterbrochen und den Start der Öl-Bergungsarbeiten durch Smit verzögert. Das Schiff war in der Nacht zum Sonntag erneut etwas abgerutscht.

Gesucht werden solle solange, bis das Schiff voll inspiziert werden könne, erklärte Gabrielli. Denn Opfer, die möglicherweise zwischen Rumpf und Meeresboden eingeklemmt worden seien, könnten erst dann geborgen werden, wenn das 290 Meter lange Schiff wieder aufgerichtet worden sei. Die Reederei Costa Crociere sei aufgefordert, einen Bergungsplan für das Kreuzfahrtschiff vorzulegen, sagte er.

Taucher sprengten sich am Montag auf dem Wrack der «Costa Concordia» den Weg zu unzugänglichen Bereichen frei. Die Einsatzkräfte der italienischen Marine öffneten sich so zwischen dem vierten und fünften Deck einen leichteren Zugang zu den Restaurants, um dort nach Vermissten suchen zu können, teilte die Küstenwache mit.

Um die Gefahren einer Ölpest vor der toskanischen Küste einzudämmen, ist das niederländische Spezialunternehmen Smit von den Behörden zu zusätzlichen Vorsichtsmaßnahmen aufgefordert worden, teilte Smit mit. So solle die bisher geplante schwimmende Barriere gegen auslaufendes Öl verdoppelt werden.

An der Unglücksstelle wurde am Montag das mit Spezialinstrumenten ausgestattete ozeanographische Marineschiff «Galatea» erwartet. Es soll mit einem Echolot den Meeresgrund südlich des Wracks nach Vermissten und Trümmern aus dem havarierten Schiff absuchen.

Gesucht werde von der Polizei noch ein Laptop, den der Kapitän Francesco Schettino von Bord gebracht haben soll. Der Computer sei nicht zu finden, möglicherweise habe Schettino ihn nach der Havarie auf Giglio an eine blonde Frau weitergegeben, berichtete der Mailänder «Corriere della Sera».

Schettino steht weiter unter Hausarrest. Ihm werden mehrfache fahrlässige Tötung, Havarie und Verlassen seines Schiffes während der Evakuierung vorgeworfen. Ihm drohen bei einer Verurteilung bis zu 15 Jahre Haft.

Der Kapitän hatte die Reederei Costa Crociere für sein riskantes und misslungenes Manöver verantwortlich gemacht. Sein Anwalt Bruno Leporatti sagte, die Ermittlungen seien noch im vollen Gange, sie könnten sich auch noch gegen andere richten. Die Staatsanwaltschaft hatte bisher betont, nur Schettino im Visier zu haben.

Die Vernehmungsprotokolle der Offiziere auf der Kommandobrücke zeigen Medienberichten zufolge, dass es für Schettino wie für die Reederei Costa Crociere öfter Praxis gewesen sei, die «Verbeugung» genannte Route dichter an der Insel Giglio vorbei zu wählen.

Schifffahrt / Unfälle / Italien
23.01.2012 · 17:00 Uhr
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