Gedenkstunde: Holocaust-Überlebender drängt auf Ukraine-Hilfen

29. Januar 2025, 13:59 Uhr · Quelle: dts Nachrichtenagentur
Holocaust-Überlebender Roman Schwarzman forderte während der Gedenkstunde im Bundestag stärkere Hilfe für die Ukraine und warnte vor einer Vernichtung jüdischen Lebens durch Russland, ähnlich wie einst durch die Nationalsozialisten. Bundespräsident Steinmeier betonte die Bedeutung der Erinnerung und die Notwendigkeit, die Demokratie zu schützen.

Berlin - Mit der Gedenkstunde im Bundestag an die Opfer des Nationalsozialismus wurde in diesem Jahr insbesondere an die Opfer auf dem Gebiet der heutigen Ukraine erinnert.

Nach der Eröffnung durch Bundestagspräsidentin Bärbel Bas (SPD) und einer Rede von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier hat der Holocaust-Überlebende Roman Schwarzman vor einer Vernichtung des jüdischen Lebens in der Ukraine gewarnt und für eine stärkere Unterstützung seines Landes geworben. Schwarzman, der 1936 in Berschad bei Odessa geboren worden war, wurde von den Nationalsozialisten als Jude verfolgt und im Sommer 1941 in das Ghetto in Berschad deportiert, das schließlich 1944 durch die Rote Armee befreit wurde.

"Die Erinnerung an die Opfer des Nationalsozialismus muss für uns ein Leitgedanke sein und uns dazu verpflichten, eine Zukunft aufzubauen in der Menschlichkeit und Gerechtigkeit keine leeren Worte sind", sagte der heutige Vorsitzende des ukrainischen Verbandes für jüdische KZ- und Ghetto-Überlebende. Die Erinnerung an die Opfer des Holocaust zu bewahren, sei zu seiner Lebensaufgabe geworden, erklärte Schwarzman, der damals seinen 14-jährigen Bruder Josef, der von den Deutschen bei der Zwangsarbeit erschossen wurde, begraben musste.

Schwarzman hatte den Bau eines Denkmals in Odessa angeregt, doch dieser wurde durch den russischen Angriffskrieg unterbrochen. "Putin versucht uns als Nation zu vernichten, so wie Hitler es versucht hat, das jüdische Volk im Zweiten Weltkrieg vernichten", sagte er. "Damals wollte Hitler mich töten, weil ich Jude bin. Jetzt versucht Putin mich zu töten, weil ich Ukrainer bin."

Der Holocaust-Überlebende warnte vor einem ungerechten Frieden für die Ukraine. "Wer glaubt, dass Putin sich mit der Ukraine zufriedengeben wird, der täuscht sich", mahnte er. Daher brauche die Ukraine Unterstützung. "Die Ukraine wird alles tun, damit der Krieg nicht zu euch kommt."

Steinmeier versicherte dem Überlebenden, dass Deutschland an seiner Seite stehe. "Bei Ihrer wichtigen Erinnerungsarbeit, aber auch jetzt in diesem furchtbaren Krieg, den Putin gegen die Ukraine, ihre Freiheit und Unabhängigkeit, gegen die Menschen in der Ukraine führt", so der Bundespräsident.

Er warnte zudem vor einer Gewöhnung an die Bilder, die das Grauen der Shoah darstellen. "Die oft gesehenen Szenen, die bekannten Worte der Mahnung, die Routine der Erinnerung bergen die Gefahr einer falschen und damit trügerischen Gewissheit: Sie machen es uns leicht zu glauben, wir hätten vollends verstanden, was geschehen ist", so Steinmeier. "Und sie machen es uns leicht, so der Versuchung zu erliegen, all diese Bilder, Geschichten und Worte gedanklich in einer großen Kiste zu sammeln, auf deren Deckel steht: All dies ist so lange her." Die historische Wahrheit lasse sich jedoch nicht wegpacken. "Wir müssen uns dieser Wahrheit immer von Neuem stellen."

Steinmeier stimmte dem Publizisten und ehemaligen Vorsitzenden des Zentralrats der Juden, Michel Friedman, zu, der vor Kurzem gemahnt hatte, dass der Satz "Wehret den Anfängen" nicht mehr zutreffen sei, weil man "längst mittendrin" sei. Steinmeier schlug nun vor, stattdessen auf das mögliche Ende zu blicken. Es müsse längst "Bedenke das Ende" heißen, wenn Antisemitismus "Alltag ist in unserem Land, auf unseren Straßen und Plätzen, in Schulen und Hochschulen". Das dürfe man niemals zulassen.

Kurz vor der Abstimmung über die Abstimmung über Unions-Anträge, bei der eine mögliche Mehrheitsbildung mit der AfD von Beobachtern häufig als Einreißen der Brandmauer kritisiert wird, mahnte Steinmeier, die Feinde der Demokratie ernst zu nehmen. Wer heute "die Demokratie lächerlich macht, verachtet, angreift", der ebne auch den "Weg zu Hass, Gewalt und Menschenfeindlichkeit", so der Bundespräsident. "Deshalb hat uns doch vorgestern in Auschwitz der Überlebende Leon Weintraub - 99 Jahre ist er alt - eindringlich und fast verzweifelt gewarnt: Nehmt die Feinde der Demokratie ernst. Und ich wiederhole es hier im Deutschen Bundestag: Nehmt die Feinde der Demokratie ernst", sagte Steinmeier. "Wir haben es in der Hand, das Errungene zu bewahren und unsere Demokratie zu schützen. Gehen wir nicht zurück in eine dunkle Zeit. Wir wissen es besser. Machen wir es besser."

Die Gedenkstunde im Bundestag findet seit 1996 jährlich in den Tagen vor oder nach dem 27. Januar statt. Am 27. Januar 1945 hat die Rote Armee die verbliebenen Gefangenen des Vernichtungslagers Auschwitz-Birkenau befreit. Im Lagerkomplex Auschwitz wurden während des Nationalsozialismus mindestens 1,1 Millionen Menschen ermordet. Insgesamt ermordeten die Nationalsozialisten und ihre Kollaborateure sechs Millionen Juden.

Allein in der "Operation Reinhardt" wurden zwischen 1942 und 1943 rund 1,7 Millionen Juden aus dem sogenannten "Generalgouvernement", das sich auf dem Gebiet des heutigen Polens und Teilen der heutigen Ukraine befindet, durch Massenerschießungen und in den Vernichtungslagern Belzec, Sobibor und Treblinka umgebracht. Im Vernichtungslager Majdanek wurden rund 60.000 Juden erhängt, erschossen oder vergast. Die Zahl der jüdischen Opfer in Chelmno, dem ersten nationalsozialistischen Vernichtungslager, wird auf mindestens 152.000 beziffert.

Die Nationalsozialisten ermordeten darüber hinaus rund 3,3 Millionen sowjetische Kriegsgefangene, 1,8 Millionen nicht-jüdische Polen, zwischen 250.000 und 500.000 Sinti und Roma, über 310.000 serbische Zivilisten, zwischen 250.000 und 300.000 Menschen mit Behinderung, mehrere 10.000 deutsche politische Gegner, rund 1.700 Zeugen Jehovas, hunderte bis tausende als Homosexuelle verfolgte Männer, eine unbekannte Anzahl an Schwarzen und 35.000 Menschen, die zu als "Asoziale" verfolgten Gruppen gehörten, darunter beispielsweise Obdachlose, Arbeitslose und Prostituierte.

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29.01.2025 · 13:59 Uhr
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