GEA-Aktie schießt nach oben: Vorstand Olsen tritt zurück - Neuer Chef kündigt Konzernumbau an

Die Führung des Geschäftsbereichs Solutions übernehme jetzt der Vorstandsvorsitzende Stefan Klebert zusätzlich zu seinen anderen Aufgaben, wie die GEA Group AG mitteilte.

Olsen war seit 1991 in verschiedenen Managementpositionen bei GEA tätig, bis er Anfang 2016 in den Vorstand des Technologiekonzerns bestellt wurde. GEA leidet derzeit unter einer schwachen Geschäftsentwicklung und steigenden Kosten. Erst Anfang Februar hatte das Unternehmen seine Mittelfristziele gekappt.

Klebert ist erst seit knapp einem Monat im Amt als Vorstandschef und baut nun offenbar als erstes das Führungsgremium um. Auch einen neuen Finanzvorstand bekommt das Unternehmen: Klöckner-Finanzchef Marcus A. Ketter stößt Mitte Mai zu den Düsseldorfern, wie GEA bereits vor einem Monat angekündigt hat.

Neuer GEA-Chef kündigt Konzernumbau an

Der neue GEA-Chef Stefan Klebert will nach einem miserablen Jahr unter seinem Vorgänger den Anlagenbauer wieder in bessere Zeiten führen. Der Ausblick auf 2019 bleibt zwar - von kosmetischen Änderungen abgesehen - fast unverändert. Erste Sofortmaßnahmen und eine neue Organisationsstruktur sollen aber die Wende bringen, wie die GEA Group mitteilte. Symbolisch dafür steht eine Dividende für 2018, die trotz des Gewinneinbruchs um die Hälfte mit 85 Cent je Aktie unverändert bleiben soll.

"GEA hat kein Nachfrage-, sondern ein Ergebnisproblem. Aber das ist lösbar", sagte Klebert, der seit einem Monat die Verantwortung bei GEA hat. "Die Nachfrage ist stabil, wir sind grundsätzlich in den richtigen Märkten unterwegs." Das Unternehmen habe nun Probleme und Ineffizienzen erkannt und werde die entsprechenden Themen angehen.

Die derzeitige Aufteilung des Geschäfts in die beiden Business Areas Equipment und Solutions soll durch eine divisionale Struktur ersetzt werden. Ziel sei eine größere Transparenz und eine erleichterte Steuerung einzelner Geschäfte. Zudem soll die unternehmerische Verantwortung der Führungskräfte gestärkt werden. Bislang sei die Verantwortung unterhalb des Vorstandes nicht ausreichend gewesen. Die kundennahe Bündelung der Aktivitäten in Landesorganisationen will GEA aber beibehalten. Erste personelle Konsequenzen hatte der Umbau schon: GEA teilte bereits in der Nacht zum Donnerstag mit, dass der bislang für Solutions verantwortliche Vorstand Niels Erik Olsen das Führungsgremium mit sofortiger Wirkung verlässt.

Einen weiteren Hebel zur Ergebnisverbesserung sieht Klebert im Einkauf. Durch die stärkere Zusammenfassung der derzeit drei Einkaufsorganisationen und die Reduzierung der Anzahl an Lieferanten sollen Skaleneffekte realisiert werden. Mögliche Einsparziele sollen auf Basis einer Analyse zu einem Kapitalmarkttag im September bekanntgegeben werden.

Anders als bisher will GEA auch die zwei auf die Geschäftsbereiche ausgerichteten Produktionsorganisationen zusammenfassen. Das Produktionsnetz sei aktuell sehr europalastig und teils kleinteilig. Mittel- und langfristig soll eine größere Nähe zwischen Produktionsstandorten und Absatzmärkten hergestellt werden.

Bis zum Kaptalmarkttag will GEA auch herausfiltern, welche Aktivitäten möglicherweise nicht zum Kerngeschäft gehören. Bis dahin soll auf weitere Zukäufe verzichtet werden.

Einen Verbesserungsbedarf sieht GEA auch in den Konzernfunktionen in den Bereichen IT, Personal und Finanzen. Um die einzelnen operativen Geschäftsbereiche besser zu unterstützen, werden 50 neue IT-Mitarbeiter eingestellt.

Um das Vertrauen der Investoren zurückzugewinnen, will GEA auch mehr Transparenz bei den Geschäftszahlen herstellen. Das Unternehmen wird ab sofort das EBITDA nur noch um Restrukturierungskosten bereinigen. Bisher hatte der Konzern das EBITDA auch um sogenannte strategische Kosten bereinigt, die sich zuletzt im mittleren zweistelligen Millionenbereich bewegten.

Die bereits im Februar genannte Prognose für 2019 passt GEA entsprechend an. Das EBITDA vor Restrukturierungsaufwand soll nun 450 bis 490 Millionen Euro erreichen. Die 10 Millionen Euro Differenz bei der erwarteten Ergebnisspanne ergibt sich aus einer Bilanzierungsänderung (plus 59 Millionen) und durch die Einbeziehung bisher nicht berücksichtigter strategischer Projekte (minus 49 Millionen Euro).

Der Anlagenbauer steigerte - wie bekannt - im vergangenen Jahr seinen Umsatz um 4,9 Prozent auf 4,8 Milliarden Euro. Das operative EBITDA fiel aber um 8 Prozent auf 518 Millionen Euro. GEA reichte nun auch das Konzernergebnis nach, das um über die Hälfte auf 113,5 Millionen Euro einbrach.

GEA-Papiere waren am Donnerstag weit nach oben gesprungen. Zur Schlussglocke legten die Papiere noch 10,99 Prozent auf 23,73 Euro zu.

Mit den endgültigen Geschäftszahlen sei GEA von den Anfang Februar veröffentlichten Eckdaten nicht größer abgewichen, erklärte UBS-Experte Sven Weier. Der Ausblick für das operative Ergebnis liege nur wegen der Anwendung der neuen Bilanzierungsregeln nach IFRS 16 etwas über den ersten Signalen.

Die Anleger hofften aber auf einen Neubeginn, so Weier. Keine neuen schlechten Nachrichten seien daher gute.

FRANKFURT (Dow Jones) / dpa-AFX

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[finanzen.net] · 14.03.2019 · 17:54 Uhr
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