EM in der Schweiz

Fußballerinnen machen sich Mut: «Jetzt erst recht»

18. Juli 2025, 12:19 Uhr · Quelle: dpa
Im EM-Viertelfinale stehen sich die deutschen Fußballerinnen und das starke französische Team gegenüber. Trainer Wück setzt auf Mut und Zusammenhalt, um den Titeltraum weiterleben zu lassen.

Basel (dpa) - Der Titeltraum lebt noch. Eine Woche lang hat Christian Wück nun die tiefen Risse in der Überzeugung und auch in der Abwehr kitten müssen. Die deutschen Fußballerinnen gehen als Außenseiter in das EM-Viertelfinale gegen Frankreichs bislang furios auftretendes Team. Kriegt der Bundestrainer bei seiner Turniertaufe mit den Frauen die Kurve?

«Wir haben die Französinnen gut analysiert und wissen, was uns erwartet. Ihre individuelle Klasse ist unbestritten», sagte Wück vor dem ersten K.-o.-Runden-Spiel am Samstag (21.00 Uhr/ZDF und DAZN) in Basel. «Wir wollen ein unangenehmer Gegner sein und unsere Qualität und Mentalität auf den Platz bringen.»

«Keiner schreibt Deutschland jemals ab» 

Nach dem 1:4 zum Vorrundenabschluss gegen Schweden musste sich der achtmalige Titelgewinner erst mal kräftig schütteln und neu sortieren. Vor allem in der dezimierten Defensive, deren Neuaufstellung Wücks schwierigste Aufgabe ist. 

«Keiner schreibt Deutschland jemals ab, vor allem nicht die internationalen Leute. Und dann sollten es die Deutschen auch selbst nicht tun», sagte UEFA-Frauenfußballchefin Nadine Kessler, die 2013 mit Deutschland den bislang letzten EM-Triumph feierte.

Frankreich mit «ganz schön schnellen Lokomotiven» 

«Es ist noch nichts verloren», betonte Ex-Kapitänin Alexandra Popp, warnte aber auch: «Bei den Franzosen kommen ganz schön schnelle Lokomotiven auf einen zu.» 

Die Vorbereitung auf die Partie ausgerechnet im Dreiländereck Schweiz/Frankreich/Deutschland hatte Wück mit einer lautstarken und gestenreichen Ansprache auf dem Rasenplatz in Zürich-Buchlern gestartet. So energisch hatte man den 52-Jährigen bei öffentlichen Trainingseinheiten noch nicht erlebt. 

Eher zaghaft fielen zunächst die Erklärungen zur Lage der einst großen Frauenfußball-Nation aus. «Wir wissen, dass der europäische Fußball sehr dicht beieinander ist. Das ist schon eine Auszeichnung, ins Viertelfinale einzuziehen», sagte DFB-Sportdirektorin Nia Künzer.

Frühes EM-Aus wäre herber Rückschlag

Ein Viertelfinal-Aus - wie bei der EM 2017 und der WM 2019 - wäre für den DFB und seine Bemühungen, mit der internationalen Spitze Schritt zu halten, ein herber Rückschlag. Das Vorrunden-Debakel bei der WM 2023 unter Martina Voss-Tecklenburg konnte das Team mit Olympia-Bronze unter Horst Hrubesch 2024 etwas übermalen. 

Mit einem EM-Erfolg, zumindest einem klaren sportlichen Fortschritt, soll Wück das Nationalteam in Richtung WM 2027 in Brasilien führen. Schließlich kam der Ex-Profi als Europa- und Weltmeister mit der männlichen U17-Auswahl. Der Anpassungsprozess läuft aber immer noch beim Bundestrainer, dessen Vertrag bis Ende 2026 fixiert ist. 

Wück weiß, «was er tut» 

Vor allem das mediale Echo bei den Frauen überrascht Wück immer wieder. So wie bei der Kritik von Spielerinnen an seiner Kommunikation vor der EM-Nominierung. Oder als er zuletzt ankündigte, dass er sich mit Ann-Katrin Berger an einen Tisch setzen werde nach ihren riskanten Aktionen im eigenen Strafraum («Sonst werde ich nicht alt»). Eine Torwartdebatte wollte er dann doch nicht führen. 

Wie sie den Bundestrainer dieser Tage erlebe? Er sei im Training mal kurz laut geworden, sagte die turniererfahrene Kathrin Hendrich, aber abgesehen davon, «ansonsten sehr sachlich, sehr kommunikativ, doch recht gelassen und zuversichtlich. Er weiß, was er tut. Er glaubt nach wie vor an die Mannschaft.» 

Das Stimmungstief nach dem Schweden-Debakel konnte Wück offensichtlich im Laufe der langen Woche bis zum Viertelfinale gegen die bislang titellosen Französinnen vertreiben. «Jetzt erst recht! Da gibt's eigentlich gar kein anderes Gefühl als Vorfreude», sagte Berger.

«Basteln» in der dezimierten Abwehr

Nach zuletzt massiven Abwehrproblemen und der immer wiederkehrenden Inkonstanz wissen aber alle das, was Co-Trainerin Maren Meinert aussprach: «Uns ist auch klar, dass, wenn wir nicht kompakt stehen gegen Frankreich, wir wenig Chancen haben.»

Die Neuaufstellung der Viererkette ist nun Wücks größte Herausforderung. Meinert sprach vom «Basteln»: «Wir müssen rotieren und machen das mit einem guten Gefühl.» Rechts fehlt nach der verletzten Spielführerin Giulia Gwinn nun auch deren Vertreterin Carlotta Wamser (Rotsperre). Dafür dürfte Hendrich in die Startelf rücken. 

Aber: Sitzt die zuletzt schwächelnde Innenverteidigerin Rebecca Knaak nur auf der Bank? Wechselt Sarai Linder von links nach rechts? Riskiert es Wück, die schnelle, aber unerfahrene Münchnerin Franziska Kett auf die Außenbahn zu stellen? 

Erinnerungen an das Halbfinale von England

«Wir haben viele erfahrene Spielerinnen dabei und können mit vielen Optionen umgehen. Da braucht ihr euch keine Sorgen machen», sagte die Ex-Wolfsburgerin Hendrich. Sie ist eine von fünf Spielerinnen, die im EM-Halbfinale 2022 gegen Frankreich spielten: Deutschland gewann nach zwei Popp-Toren und unter anderem mit Sara Däbritz, Sydney Lohmann, Jule Brand und Linda Dallmann mit 2:1. 

Bei einem Turnier haben Les Bleues noch nie die deutsche Elf besiegt. Das würde Wück nur zu gerne beibehalten. Sonst muss seine Premieren-EM mit den Frauen noch lange aufgearbeitet werden beim DFB.

Fußball / Nationalteam / Frauen / EM / Deutschland / Schweiz / Frankreich
18.07.2025 · 12:19 Uhr
[3 Kommentare]
Nationalmannschaft - Bekanntgabe WM-Kader Deutschland
Berlin (dpa) - Bundestrainer Julian Nagelsmann sieht im verletzungsbedingten Fehlen von Manuel Neuer beim DFB-Pokalfinale mit Blick auf die Fußball-WM «gar kein Problem». Der Kapitän des FC Bayern München setzt im Endspiel gegen den VfB Stuttgart heute (20.00 Uhr/ARD und Sky) wegen muskulärer Probleme in der linken Wade aus. Nagelsmann lobte die […] (00)
vor 10 Minuten
Patient mit Infusionsständer (Archiv)
Berlin - Die Finanzprobleme in der Pflege sind offenbar größer als bislang erwartet. Laut GKV-Spitzenverband hat die soziale Pflegesicherung im ersten Quartal 2026 ein Minus von 667 Millionen Euro eingefahren. Und das trotz eines Darlehens von 800 Millionen Euro. Für das Jahr erwartet GKV-Chef Oliver Blatt ein Minus von rund einer Milliarde Euro. Rechne […] (00)
vor 25 Minuten
Nicholas Galitzine hat zugegeben, dass er sich wie ein 'kompletter Betrüger' fühlte, als er zum ersten Mal sein He-Man-Kostüm anzog.
(BANG) - Nicholas Galitzine fühlte sich wie ein "kompletter Betrüger", als er zum ersten Mal sein He-Man-Kostüm anzog. Der 31-jährige Schauspieler verkörpert Prinz Adam und dessen Superhelden-Alter-Ego im neuen Film 'Masters of the Universe', und vor seiner dramatischen körperlichen Transformation für die Rolle gab er zu, dass er sich "unwürdig" fühlte, […] (00)
vor 15 Stunden
Teile aus dem 3D-Drucker für die Ukraine
Berlin/Kiew (dpa) - Die Ukraine hat eine Armee, die auch in Deutschland aktiv ist: Drukarmija (Druckarmee) heißt eine Freiwilligenorganisation, deren Aktivisten mit 3D-Druckern massenhaft kleine Plastikteile herstellen. Sie drucken fast alles, was Soldaten und Rettungskräfte der Ukraine bei der Abwehr der russischen Invasion brauchen: Drohnenzubehör, […] (00)
vor 4 Stunden
MSI gewinnt mehrere COMPUTEX 2026 Awards
MSI, ein weltweit führendes Unternehmen im Bereich Gaming und High-Performance Computing, hat auf der COMPUTEX 2026 vier Best Choice Awards gewonnen. Den Höhepunkt bildet der Gold Award für die Flaggschiff-Grafikkarte GeForce RTX 5090 32G LIGHTNING Z. Die Auszeichnungen in den Bereichen Kernkomponenten, smarte Peripheriegeräte und ein Jubiläums- […] (00)
vor 13 Stunden
«Rosen und Reis» fällt im Ersten gnadenlos durch
Die Hochzeitskomödie mit Anneke Kim Sarnau und Oliver Wnuk interessierte kaum jemanden. Selbst beim jungen Publikum blieb das Erste am Freitagabend nahezu unsichtbar. Mit der romantischen Komödie Rosen und Reis wollte Das Erste am Freitagabend eigentlich leichte Unterhaltung zur Primetime servieren. Doch das Publikum hatte offensichtlich andere Pläne: Lediglich 1,73 Millionen Menschen […] (00)
vor 1 Stunde
Rheinmetall-Wende: Citigroup schlägt Alarm – Kursziel 1.408 Euro trotz Kursabsturz
Monatelang kannte die Rheinmetall-Aktie nur eine Richtung: abwärts. Ein Minus von gut 26 Prozent seit Jahresbeginn drückte das Papier in der Vorwoche auf ein neues 52-Wochen-Tief bei 1.118 Euro. Nun sorgt die Citigroup für einen Stimmungswechsel: Die US-Bank stufte den DAX-Konzern am Montag von „Neutral" auf „Buy" hoch und sieht die Marktsorgen als […] (00)
vor 21 Minuten
Modellbau Utensilien professionell entfetten und reinigen
Mörfelden-Walldorf, 23.05.2026 (lifePR) - Modellbau Utensilien professionell entfetten und reinigen Jeder Modellbauer kennt das Problem: fettige Fingerabdrücke, Staub oder Schweiß auf empfindlichen Bauteilen. Gerade beim Kleben oder Lackieren ist eine absolut saubere Oberfläche entscheidend, damit die Arbeit gelingt und das Modell ein perfektes Finish […] (00)
vor 1 Stunde
 
Rot-Weiss Essen - SpVgg Greuther Fürth
Essen (dpa) - Rot-Weiss Essen hat sich in einem packenden Relegations-Hinspiel gegen […] (04)
Polizei stellt in Brasilien gefälschte WM-Sammelbilder sicher
Nova Iguaçu (dpa) - Knapp drei Wochen vor Beginn der Fußballweltmeisterschaft hat die Polizei […] (00)
Freibadsaison beginnt
Olpe (dpa) - Deutschlands Schwimmbädern fehlen zum Start der Freibadsaison weiterhin […] (00)
Menschen warten vor Bürgerbüro (Archiv)
Berlin - In Deutschland zeichnet sich ein neuer Einbürgerungsrekord ab. Im […] (00)
FRITZ! Labor – Fit für die Zukunft – die neuen Funktionen im FRITZ! Labor
FRITZ! startet ein neues FRITZ! Labor und lädt Anwender ein, das kommende FRITZ! OS […] (00)
Lukas Podolski
Zabrze (dpa) - Lukas Podolski beendet seine Karriere als Profifußballer. Der […] (02)
Kabel Eins beendet schwache «Spiegel TV - Reportage»-Phase
Ab Mitte Juni setzt der Sender wieder auf alte Folgen von «Navy CIS» – offenbar auch wegen […] (00)
Rumer Willis
(BANG) - Rumer Willis sagt, ihr Vater Bruce Willis habe im Zuge seiner […] (02)
 
 
Suchbegriff