Frauen in Führungsetagen: Fortschritt kommt ins Stocken
Der aktuelle Bericht des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) offenbart eine besorgniserregende Stagnation des Frauenanteils in den Vorstandsetagen der führenden deutschen Unternehmen. Trotz jahrzehntelangem Aufwärtstrend zeigt das Managerinnen-Barometer, dass nur 18,6 Prozent der Vorstandsposten in den 200 umsatzstärksten Unternehmen Deutschlands – abgesehen vom Finanzsektor – weiblich besetzt sind. Dieser Rückgang um 0,5 Prozentpunkte zum Vorjahr wirft Fragen über die nachhaltige Förderung von Frauen in Spitzenpositionen auf.
Bemerkenswerterweise konnte der Finanzsektor von dieser allgemeinen Entwicklung abweichen. Bei den 100 größten Banken Deutschlands stieg der Frauenanteil in den Vorständen auf knapp 22 Prozent und die 60 führenden Versicherungen verzeichneten einen ähnlichen Anstieg auf über 21 Prozent. Diese Sektoren zeigen, dass Verbesserungen möglich sind, doch insgesamt bleibt die Dynamik hinter den Erwartungen zurück.
Ein weiteres Indiz für die Verlangsamung ist die stagnierende Quote bei den Vorstandsvorsitzen der 200 größten Unternehmen, die weiterhin bei lediglich 7,3 Prozent verharrt. Dies wirft die Frage auf, ob der Rückgang eine vorübergehende Erscheinung oder Beginn eines anhaltenden Trends ist. Katharina Wrohlich, Leiterin der DIW-Forschungsgruppe Gender Economics, betont, dass die jüngsten Entwicklungen deutlich machen, dass Fortschritte in der Gleichstellung keine Selbstverständlichkeit sind.
Ein Blick auf die größten deutschen Börsenunternehmen im Dax zeigt ein ähnliches Bild. Eine Studie der Initiative Frauen in die Aufsichtsräte (Fidar) für den 1. Januar 2026 belegt, dass der Frauenanteil in Aufsichtsräten und Vorständen nahezu unverändert blieb. Besonders auffällig ist, dass von den 40 Dax-Konzernen nur vier von Frauen geführt werden. Die unzureichende Bewegung bei der Besetzung von Führungspositionen verdeutlicht Fidar-Gründungspräsidentin Monika Schulz-Strelow und warnt, dass stillstehen keine Option ist. Der Ruf nach gesetzgeberischer Nachbesserung zur Förderung qualifizierter Frauen wird immer lauter.

