Fortschritte beim Rückbau deutscher Atomkraftwerke: Eine Bestandsaufnahme
Der Rückbau von Atomkraftwerken in Deutschland schreitet voran, doch der Weg ist lange und kostspielig. Seit dem endgültigen Ausstieg aus der kommerziellen Nutzung der Kernenergie im April 2023 sind inzwischen sämtliche 33 stillgelegte Kernkraftwerke mit leistungsstarken Reaktoren im Rückbauprozess. Die meisten dieser Anlagen befinden sich im Westen des Landes und haben bereits die notwendigen Genehmigungen für Stilllegung und Abriss erhalten. Unterschiedliche Fortschritte sind bei den Abbauvorhaben zu verzeichnen, abhängig vom jeweiligen Rückbaubeginn.
Besondere Erwähnung verdient Hamm-Uentrop: Dort steht der Thorium-Hochtemperaturreaktor, der 1997 nach der Entfernung der Brennelemente im sogenannten "Sicheren Einschluss" versiegelt wurde. Der nukleare Abbau dieser einzigartigen Anlage ist erst ab 2030 geplant. Derweil wurden drei kleinere Reaktoreinheiten bereits vollständig abgebaut, darunter das Versuchs-Atomkraftwerk Kahl, das erste seiner Art in Deutschland, welches von 1960 bis 1985 in Betrieb war. Der langwierige Rückbau dieser Anlage wurde 2010 abgeschlossen.
Die Gründe für den bisher schleppenden Abriss weiterer Atomkraftwerke liegen in den Sicherheitsanforderungen, die den Abbau mit einer Dauer von zehn bis fünfzehn Jahren veranschlagen. Die Betreiber kommen laut Bundesumweltministerium den gesetzlichen Vorgaben für den unverzüglichen Rückbau jedoch ordnungsgemäß nach.
Aktuell sind einige Kraftwerke, darunter Würgassen und Stade, bereits weit fortgeschritten. Das Kraftwerk Stade beispielsweise befindet sich in der vierten Rückbauphase, in der noch kontaminierte Anlagenteile abgebaut werden, bevor der Nachweis der Kontaminationsfreiheit erbracht werden kann. Der konventionelle Abbruch soll bis Ende 2026 abgeschlossen sein.
Hinsichtlich der Finanzierung tragen die Betreiberunternehmen die Kosten für Stilllegung, Rückbau und Entsorgung des radioaktiven Materials. Darüber hinaus unterstützt der Bund bei Zwischen- und Endlagerung. Für den Rückbau eines einzelnen Reaktorblocks werden Kosten von rund einer Milliarde Euro erwartet, wiewohl auch höhere Summen möglich sind, wie beispielsweise die Rücklagen von RWE für das Kernkraftwerk Emsland mit 1,37 Milliarden Euro belegen.
Während die fünf großen Stromkonzerne RWE, Eon, Vattenfall, EnBW und Stadtwerke München Rücklagen von zusammen rund 19,3 Milliarden Euro bis Ende 2023 verzeichneten, erfolgt die Finanzierung in Ostdeutschland anders. Dort übernimmt der Bund die Kosten, da die Atomkraftwerke Greifswald und Rheinsberg noch aus DDR-Zeiten stammen.
Kritik an den Rückbauprozessen gibt es dennoch: Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) kritisiert das langsame Voranschreiten des Abrisses in Greifswald, der sich bis in die 2040er Jahre ziehen wird. Der Schutz von Mensch und Umwelt vor radioaktiver Strahlung muss höchste Priorität haben, fordert der Verband, der eine genaue Kontrolle und Freigabe von Materialien nur für nachweislich kontaminationsfreie Stoffe einfordert.

