Finanzkrise bedroht UN-Palästinenserhilfswerk: Lazzarini warnt vor Zusammenbruch
Der Leiter des Palästinenserhilfswerks UNRWA, Philippe Lazzarini, hat eindringlich vor einer drohenden Implosion der Organisation gewarnt. Ihm zufolge klafft eine beträchtliche Finanzierungslücke von rund 200 Millionen US-Dollar, die bis Jahresende geschlossen werden muss. Alarmierend sei, dass die Hilfsarbeit nur noch für zwei Monate gesichert ist, da allein die Lohnkosten monatlich 60 Millionen Dollar betragen.
Blickt man in die Zukunft, verschwimmt der Horizont jenseits des Septembers. Mit dem Rückzug der USA als Hauptgeldgeber und der Mittelkürzung durch Schweden hat UNRWA schwer an finanzieller Unterstützung eingebüßt. Im Gazastreifen beschäftigt die Organisation rund 13.000 Mitarbeiter, die für ihre humanitäre Arbeit oft heftiger Kritik ausgesetzt sind.
Israel beschuldigt UNRWA, von der Hamas unterwandert zu sein, doch Lazzarini kontert mit dem Vorwurf einer Desinformationskampagne, die die Organisation als terroristisch brandmarken soll – ein Narrativ, das dem Image der Agentur gravierenden Schaden zugefügt hat. Das israelische Parlament erließ zudem ein Gesetz, das UNRWA jegliche Tätigkeit auf israelischem Boden untersagt, sowie ein weiteres, das israelischen Behörden den Kontakt mit der Organisation verbietet.
Gleichzeitig hat die von Israel und den USA unterstützte Gaza Humanitarian Foundation ihre Arbeit aufgenommen, um eine Alternative zur internationalen Hilfe zu bieten. Lazzarini betont, dass ein Ersatz von UNRWA keine adäquate Lösung biete, da keine andere Organisation deren umfassende Unterstützung im Gazastreifen leisten könne. Derzeit blockiert Israel jedoch sämtliche Lieferungen von Hilfsgütern, obwohl die internationale Gemeinschaft bereit ist, tonnenweise Waren auf 10.000 Lastwagen nach Gaza zu schicken.
UNRWA spielt eine essenzielle Rolle bei der Bereitstellung von Gesundheitsversorgung, Bildung und anderen lebenswichtigen Dienstleistungen in der Region. Besorgniserregend ist zudem die hohe Zahl an Todesopfern: Über 55.000 Menschen, darunter viele Frauen und Kinder, haben im Gazastreifen ihr Leben verloren. Zwei Millionen Menschen, das entspricht nahezu der gesamten Bevölkerung Gazas, sind von Nahrungsmangel betroffen, die Hälfte davon Kinder.
Mit über 320 getöteten Mitarbeitern hat auch UNRWA einen hohen Tribut gezahlt. Israel intensivierte seine Blockade, nachdem im März sämtliche Hilfslieferungen gestoppt und die Waffenruhe mit der Hamas beendet wurde, um den Druck auf die Freilassung von Geiseln zu erhöhen.

