Feuerpause ohne Wirkung: Spannungen zwischen Russland und der Ukraine bleiben
Die von Kremlchef Wladimir Putin angekündigte Feuerpause anlässlich des Gedenkens an den sowjetischen Sieg über Nazi-Deutschland im Zweiten Weltkrieg scheint beiderseits weitgehend ignoriert worden zu sein. Trotz der Ankündigung, ab Mitternacht die Waffen ruhen zu lassen, meldete die ukrainische Luftwaffe weiterhin russische Lenkbomben-Abwürfe über der Region Sumy. Umgekehrt kam es in der russischen Region Lipezk zu Drohnenalarmen und nächtlichen Angriffen, wie Gouverneur Igor Artamonow via Telegram mitteilte. Diese Berichte konnten bislang nicht unabhängig bestätigt werden.
Putins dreitägige Feuerpause war konzipiert, um die Feierlichkeiten zum 80. Jahrestag des Sieges über Nazi-Deutschland zu schützen. Der Höhepunkt ist eine große Militärparade in Moskau. Doch die Ukraine lehnte den Vorstoß entschieden ab, da sie die Sicherheit der Besucher nicht garantieren könne.
Aus Kiew, aber auch aus Washington, wurden Vorbehalte gegenüber einer ernsthaft gemeinten Friedensregelung laut. Ukrainischer Präsident Wolodymyr Selenskyj erneuerte das Angebot einer 30-tägigen Waffenruhe als Chance für die Diplomatie. Hingegen lahmte die ukrainische Armee den zivilen Flugverkehr um Moskau mit Drohnenangriffen. Zahlreiche Flugzeuge mussten ausweichen, und etwa 60.000 Passagiere waren betroffen. Auch der Flughafen von Nischni Nowgorod erlebte Einschränkungen.
Gleichzeitig verstärkte Russland seine Angriffe auf die Ukraine mit Raketen und Drohnen, wobei westliche Regionen wie Kiew, Donezk und Saporischschja betroffen waren. Die Lage an der Front blieb unklar, ebenso wie die Frage, ob die Kämpfe am Boden abnehmen.
Währenddessen laufen in Moskau die Vorbereitungen für die Militärparade. Wichtige Gespräche mit ausländischen Gästen, darunter Chinas Staatschef Xi Jinping, stehen auf Putins Agenda. Hierbei sollen strategische Projekte und geopolitische Themen, wie der Krieg in der Ukraine und russisch-amerikanische Gespräche, diskutiert werden.
Die USA hingegen äußerten ihre Unzufriedenheit über die Stagnation der Friedensbemühungen. Diskussionen über mögliche Schritte scheinen im Zentrum der Diplomatie zu stehen. Ein Vorschlag der Ukraine, eine entmilitarisierte Zone entlang der Front einzurichten, fand bislang keine Bestätigung aus Moskau.
In Kiew wird über ein Rohstoffabkommen mit den USA abgestimmt, während die EU an einem neuen Sanktionspaket gegen Russland arbeitet. Letzteres zielt darauf ab, die Umgehung bestehender Sanktionen weiter zu erschweren und russische sowie verbündete Unternehmen unter Druck zu setzen.

