Fast ein Drittel der regionalen Handwerksbetriebe sucht Nachfolger
Projekt „Next Generation Handwerk“ soll Übernehmer finden
Freiburg im Breisgau, 07.05.2026 (PresseBox) - Fast jeder dritte Betrieb im südbadischen Handwerk steht bis 2030 zur Übergabe an. Das geht aus einer Sonderumfrage der Handwerkskammer Freiburg zur Betriebsnachfolge im Handwerk hervor. Nachfolgerinnen und Nachfolger sind daher dringend gesucht. Das Projekt „Next Generation Handwerk“ der baden-württembergischen Handwerkskammern soll Übernehmer ermitteln und für eine Übernahme vorbereiten.
Das Durchschnittsalter der Betriebsinhaberinnen und -inhaber im regionalen Handwerk liegt bei etwa 53 Jahren. Ein Viertel ist bereits jetzt über 60, weitere 37 Prozent sind zwischen 51 und 60 Jahren alt. „Das bedeutet, eine hohe Zahl an Unternehmerinnen und Unternehmern wechselt in absehbarer Zeit in den wohlverdienten Ruhestand“, erläutert Christof Burger, Präsident der Handwerkskammer Freiburg. „Es bedeutet aber auch, dass in vielen Betrieben eine Nachfolgeregelung gefunden werden muss.“
Familieninterne Nachfolge wird favorisiert
Insgesamt 28 Prozent der Inhaberinnen und Inhaber haben vor, ihren Betrieb in den kommenden Jahren zu übergeben. In den meisten Fällen wird dabei eine familieninterne Lösung angestrebt: 44 Prozent der Übergeber beabsichtigen, ihren Betrieb einem Familienmitglied anzuvertrauen. In 10 Prozent der Fälle ist ein Mitarbeiter als Nachfolger angedacht, 7 Prozent wollen an einen Existenzgründer übergeben und 6 Prozent planen grundsätzlich mit einem externen Übernehmer. „Bei fast einem Drittel der potenziellen Übergeber ist damit die Nachfolge noch nicht entschieden“, gibt Burger zu bedenken. Hinzu komme, dass 14 Prozent der Betriebsinhaber in den kommenden Jahren eine Schließung ihres Betriebs planten. „Hier müssen und wollen wir als Handwerk gegensteuern“, sagt Burger. Mit Unterstützungsangeboten und Informationskampagnen werden sowohl potenzielle Übergeber als auch mögliche Nachfolger sensibilisiert und begleitet.
Betriebsübernahme als Chance sehen
Als größte Herausforderungen bei der Betriebsübergabe sehen die Übergeber die Suche nach einem geeigneten Nachfolger (42 Prozent), gefolgt von steuerlichen Aspekten (38 Prozent) und der Ermittlung des Unternehmenswertes (29 Prozent). „Alles Themen, bei denen wir als Handwerkskammer unterstützen können – und es auch schon tun“, so Burger. „Wir wollen vor allem auch jungen Handwerkerinnen und Handwerkern deutlich machen: Die Chancen, mit einer Betriebsübernahme erfolgreich in die Selbstständigkeit zu starten, waren noch nie größer.“ Wer mit dem Gedanken spiele, sich selbstständig zu machen, sollte sich auf jeden Fall das Thema „Nachfolge“ genauer ansehen.
Um Übergeber und potenzielle Übernehmer zusammenzubringen, haben die acht baden-württembergischen Handwerkskammern das Landesprojekt „Next Generation Handwerk“ ins Leben gerufen. Das Projekt wird im Rahmen der Kampagne „Nachfolge BW“ vom Ministerium für Wirtschaft, Arbeit und Tourismus Baden-Württemberg gefördert und soll die Nachfolgesituation im Handwerk nachhaltig verbessern. Die betriebswirtschaftlichen Berater der Handwerkskammern unterstützen Übergeber und potenzielle Übernehmer während des gesamten Prozesses individuell, neutral und kostenfrei. Ergänzend dazu bieten Netzwerkveranstaltungen Gelegenheit, Kontakte zu knüpfen und wichtige Tipps zu bekommen. Passgenau ausgearbeitete Weiterbildungsmodule bereiten Übernehmerinnen und Übernehmer außerdem auf die Übernahme eines Betriebs vor. Eine landesweite „Matching-Plattform“ soll Übergeber und Übernehmer zusammenbringen.
Weitere Informationen zu den Angeboten des Projekts „Next Generation Handwerk“ unter www.hwk-freiburg.de/next-generation-handwerk und www.nachfolge-im-handwerk.de


