Faktencheck „Schwarzwald Marie“ – Einordnung aktueller Medienberichte

29. Januar 2026, 16:45 Uhr · Quelle: LifePR
Schwarzwald Tourismus GmbH korrigiert Berichte zu ihrem KI-Projekt „Schwarzwald Marie“ und erläutert Fakten zu Entwicklung und Kosten.

Freiburg, 29.01.2026 (lifePR) - In einem Beitrag von SWR Aktuell vom 20./ 23. Januar 2026 sowie weiteren nachfolgenden Medienberichten wurde das KI-Projekt „Schwarzwald Marie“ kritisch dargestellt. Einige Aussagen zeichnen dabei ein Bild, das nach Auffassung der Schwarzwald Tourismus GmbH (STG) der tatsächlichen Faktenlage nicht gerecht wird. Die STG nimmt dies zum Anlass, zentrale Punkte einzuordnen und zu präzisieren.

Entwicklungsaufwand und Behauptung einer „Lösung in wenigen Stunden“

Behauptung: In der Berichterstattung entsteht unter anderem durch Aussagen eines externen Anbieters – der zugleich Entwickler eines eigenen KI-Systems für den Tourismus ist – der Eindruck, ein System wie „Schwarzwald Marie“ lasse sich mit generischen KI-Werkzeugen in wenigen Stunden oder Tagen erstellen.

Fakt ist: „Schwarzwald Marie“ ist das Ergebnis mehrerer ineinandergreifender Teilprojekte und monatelanger Entwicklungsarbeit. Die Entwicklung umfasst die Markenfigur, die visuelle Identität, die Persönlichkeit und Tonalität der Kommunikation, die Verankerung der Schwarzwald-Markenwerte sowie die technische Umsetzung als multimodale Markenbotschafterin und abschließend zum Gesamtprojekt ein weiterer, eher kleiner Baustein: ein KI-gestützter Chatbot.

Der Chatbot ist eine eigenständige KI-Anwendung – nicht von der „Stange". Er basiert nicht auf der touristischen Datenbank mein.toubiz selbst, sondern greift im Rahmen seiner Funktionsweise auf verschiedene angebundene Datenquellen zu, darunter auch mein.toubiz und regionale Datenquellen. Bei „mein.toubiz“ handelt es sich um eine landesweit etablierte, professionelle Dateninfrastruktur für touristische Inhalte, die auch von der Tourismus Marketing Baden-Württemberg eingesetzt wird. In „mein.toubiz“ werden geprüfte, strukturierte und kontinuierlich aktualisierte Informationen zu Unterkünften, Veranstaltungen, Sehenswürdigkeiten und Angeboten gebündelt. Diese qualitätsgesicherte Datenbasis ist die Voraussetzung dafür, dass KI-Anwendungen wie „Schwarzwald Marie“ verlässlich, regional fundiert und nachvollziehbar antworten können. Ziel ist es, regionale Inhalte strukturiert, visuell und dialogorientiert auszuspielen. Diese komplexe Architektur, einschließlich Schnittstellen, Datenmodellierung, Qualitätssicherung und laufender Optimierung, lässt sich nicht in wenigen Stunden nachbauen.

Kosten, Fördermittel und das Angebot eines „Updates“

Behauptung: Es wird der Eindruck erweckt, das Projekt sei im Verhältnis zu einer vermeintlich einfachen technischen Lösung überteuert (zugleich wird ein Angebot thematisiert, gegen Zahlung eines hohen Betrags ein „Update“ zu liefern, um mediale Kritik verstummen zu lassen).

Fakt ist: Für das Teilprojekt „Chatbot“ sind einmalige Kosten in Höhe von 111.000 Euro budgetiert. Bislang ist davon weniger als die Hälfte an Projektpartner ausgezahlt worden; das Projekt befindet sich im Rahmen des Förderzeitraums noch immer in der Umsetzung. Die Mittel dienen nicht nur der Programmierung eines Dialogfensters, sondern dem Aufbau einer langfristig nutzbaren technischen Infrastruktur, der Integration in die touristische Datenlandschaft und der Umsetzung einer digitalen Markenbotschafterin, die in verschiedenen Kanälen eingesetzt werden kann.

Nach den der STG im Rahmen einer unabhängigen Prüfung (siehe Meldung von Aufsichtsrat und Gesellschafterversammlung der STG vom 23. Januar: „Unabhängige Prüfung zu Vergabevorgängen bei der Schwarzwald Tourismus GmbH abgeschlossen“, https://kurzlinks.de/e1w4) der externen Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Deloitte aus München vorliegenden Unterlagen ging der Land in Sicht AG (Datenbankbetreiber von mein.toubiz) von einem externen Absender – derselben Person, die in der SWR-Berichterstattung maßgeblich mit kritischen Aussagen zum Projekt auftritt – das Angebot zu, gegen eine im Verhältnis zum Projektvolumen deutlich höhere Vergütung von insgesamt 360.000 Euro (monatlich 10.000 Euro über 36 Monate) ein „Update“ zu liefern und zugleich mediale Kritik zum Projekt zu entschärfen. Dieses Angebot wurde von der Land in Sicht AG nicht angenommen. Im direkten Vergleich liegt das einmalige Budget für „Schwarzwald Marie“ – selbst unter Berücksichtigung laufender Betriebskosten – deutlich unter dem über mehrere Jahre laufenden Modell dieses externen Angebots.

Rolle und Einordnung des externen Anbieters / der genannten „Stiftung“

Behauptung: In der Berichterstattung wird eine Organisation, die sich selbst als „Stiftung“ präsentiert, als zentrale fachliche Instanz dargestellt, die die Leistungsfähigkeit und Kosten des Projekts beurteilt.

Fakt ist: Die STG hat im Zuge der unabhängigen Prüfung von Deloitte auch ausgewertete Informationen zur rechtlichen und wirtschaftlichen Einordnung des externen Anbieters erhalten, der mit dem genannten „Update“-Angebot an die STG herangetreten ist. Die in der Berichterstattung genannte „Stiftung“ ist in den einschlägigen öffentlichen Registern nicht als rechtsfähige Organisation auffindbar.

Unabhängig davon ist es legitim, dass externe Akteure touristische Projekte kommentieren. Maßgeblich für die STG sind jedoch die Einschätzungen der beauftragten Fachpartner sowie die Bewertungen der unabhängigen Wirtschaftsprüfungsgesellschaft.

Datenbasis als Schlüssel – bei „Schwarzwald Marie“ wie bei anderen KI-Projekten

Behauptung: Kritik an Antwortqualität und Trefferquote der KI wird teilweise so dargestellt, als sei dies in erster Linie eine Frage der „richtigen“ oder „falschen“ technischen Plattform.

Fakt ist: Bei allen vergleichbaren KI-Anwendungen im Tourismus – unabhängig vom Anbieter – steht und fällt die Qualität der Antworten mit der hinterlegten Datenbasis: Umfang, Aktualität, Strukturierung und Pflege der Inhalte sind entscheidend. Dies wird auch in der Berichterstattung zu anderen KI-Projekten im Tourismus deutlich, etwa im Remstal, wo die dort eingesetzten Avatare in Medienberichten ausdrücklich danach bewertet werden, wie gut die hinterlegten Daten sind und an welchen Stellen Informationen fehlen oder veraltet sind.

Für „Schwarzwald Marie“ gilt dasselbe Prinzip: Die technische Plattform ist so ausgelegt, dass sie auf strukturierte touristische Daten zugreifen kann. Die inhaltliche Tiefe und Aktualität der Antworten hängen davon ab, wie konsequent Daten eingepflegt, aktualisiert und gepflegt werden. Genau daran arbeitet die STG gemeinsam mit ihren Partnern kontinuierlich weiter.

Fehlerprotokoll und Zuverlässigkeit des Systems

Behauptung: Unter Bezugnahme auf ein Fehlerprotokoll vom August 2025 wird der Eindruck erweckt, das System sei grundsätzlich unzuverlässig.

Fakt ist: Bei dem zitierten Protokoll handelt es sich um eine Momentaufnahme aus einem laufenden Entwicklungs- und Testprozess. „Schwarzwald Marie“ ist – wie jedes komplexe KI-System – eine lernende Anwendung, die schrittweise verbessert wird. Fehleranalysen, Testprotokolle und Bug-Reports sind in solchen Projekten notwendiger Bestandteil der Qualitätssicherung und gerade kein Hinweis auf ein gescheitertes System.

Natürlich kann man darüber diskutieren, ob es sinnvoll war, mit einem KI-Tool an den Start zu gehen, dessen Weiterentwicklung noch nicht vollständig abgeschlossen war. Die STG nimmt diese Kritik ernst und lässt Erfahrungen aus der Praxis gezielt in die weitere Optimierung einfließen.

Seit August 2025 sind weitere Entwicklungs- und Optimierungsschritte erfolgt. Die Weiterentwicklung des KI-Tools, der technischen Umsetzung der Markenpersönlichkeit und der datengetriebenen visuellen Ausspielung ist ein dynamischer Prozess, an dem mehrere Partner mitwirken. Einzelne Protokollausschnitte aus einer Zwischenphase erlauben daher keine belastbare Aussage über den heutigen Stand und die grundsätzliche Funktionsfähigkeit des Systems.

Hintergrund zum Projekt „Schwarzwald Marie“

„Schwarzwald Marie“ ist als digitale Markenbotschafterin konzipiert, die den Schwarzwald und seine Markenwerte – Natur, Authentizität, Regionalität und Genuss – zeitgemäß und erlebbar macht. Sie verbindet eine emotionale Markenfigur mit einem KI-gestützten Dialogsystem, das auf die touristische Datenbasis der Region zugreift. Ziel ist es, Gästen und Einheimischen gleichermaßen Inspiration, konkrete Informationen und digitale Services aus einer Hand anzubieten.

„Schwarzwald Marie“ ist kein kurzfristiges Kampagneninstrument, sondern Teil einer langfristigen Strategie, die Sichtbarkeit und digitale Leistungsfähigkeit der Destination Schwarzwald zu stärken. Kritik an Planung und Umsetzung öffentlicher Projekte ist legitim und wichtig. Ebenso wichtig ist es, dass diese Diskussion auf einer sachlich zutreffenden Faktenbasis geführt wird.

Reisen & Urlaub / KI-Projekt / Schwarzwald Marie / Tourismus / Digitalisierung / Faktencheck
[lifepr.de] · 29.01.2026 · 16:45 Uhr
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