EZB behält Ruhe trotz politischer Spannungen
Die Europäische Zentralbank (EZB) hält inmitten politischer Unsicherheiten im Euroraum an ihrer Zinspolitik fest. So belässt sie den Einlagenzins bei unveränderten 2,0 Prozent. Bereits im Juli blieb die Zinssituation stabil, da EZB-Präsidentin Christine Lagarde damals aufgrund des 'außergewöhnlich unsicheren Umfelds' im Handelsstreit mit den USA Vorsicht walten ließ. Derzeit belastet eine Regierungskrise in Frankreich den Kontinent – die Ängste vor einer unkontrollierten Verschuldung der zweitgrößten Volkswirtschaft der Eurozone wachsen.
Nach einer Reihe von Zinssenkungen befindet sich die EZB nun in einer abwartenden Haltung und beobachtet die Entwicklungen. Binnen eines Jahres wurden die Leitzinsen insgesamt achtmal gesenkt, während im Frühjahr 2024 der Einlagenzins noch bei 4,0 Prozent lag. Prognosen von Ökonomen hoffen auf gleichbleibende Zinsen bis Jahresende, angesichts der stabilen Inflation und einer weiterhin robusten Wirtschaft trotz höherer US-Zölle. Die EZB scheint gewillt, sich alle Optionen offen zu halten.
Die Gefahr eines eskalierenden Handelsstreits mit den USA scheint vorerst gebannt, auch wenn Donald Trump unvorhersehbar bleibt. Einige Notenbanker, besonders aus Südeuropa, hatten sich noch im Frühjahr für weitere Zinssenkungen ausgesprochen, als die konjunkturellen Sorgen gravierender waren. Niedrigzinsen fördern die Wirtschaft, da sie günstigere Kredite für Unternehmen und Verbraucher ermöglichen, während Sparer darunter leiden. Jedoch meldet Verivox einen Anstieg der Durchschnittszinsen für Tagesgeld seit Februar 2024 auf 1,28 Prozent, ebenfalls stiegen die Zinsen für Festgeld.
Während die Inflation unter Kontrolle ist, sorgt Frankreichs Schuldenlage für neue Besorgnis. Die Risikoaufschläge für französische Anleihen haben deutlich zugenommen, mit Renditen, die die von griechischen Papieren übertreffen. Das Haushaltsdefizit Frankreichs, welches bei 5,8 Prozent liegt, könnte die EZB zu Anleihenkäufen bewegen, obwohl solche Maßnahmen im Rahmen des TPI-Programms hohe Anforderungen erfüllen müssen.

