Experten vermuten Waffenschmuggel auf «Arctic Sea»

19. August 2009, 16:11 Uhr · Quelle: dpa
Moskau/Tallinn (dpa) - In dem mysteriösen Fall des wochenlang verschwundenen Frachters «Arctic Sea» deutet nach Expertenansicht alles auf einen Fall von Waffenschmuggel hin.

Die «merkwürdige Geschichte» um das mit Holz beladene Schiff könne eigentlich nur mit illegalem Waffenhandel erklärt werden, sagte der estnische EU-Referent für Piraterie, Tarmo Kõuts, der in Tallinn erscheinenden Zeitung «Postimees» (Mittwoch). Auch der Leiter des russischen Zentrums für Militärplanungen, Anatoli Zyganok, hält einen Militärtransport für wahrscheinlich. «Ich denke, es geht um Rüstungsgüter», sagte der Oberst der Moskauer Zeitung «Gaseta».

Nach Darstellung des estnischen Admirals Kõuts eignen sich Holztransporte am besten für den Schmuggel von Waffen, da etwa Flügelraketen unter den Stämmen gut zu verstecken seien. Laut offiziellen russischen Angaben sollte die mit Holz beladene «Arctic Sea», die Entführer am 24. Juli in der Ostsee in ihre Gewalt gebracht hatten, am 4. August an der algerischen Küste anlegen. Algerien ist ein Großkunde für russische Waffenlieferungen. Der russische Verteidigungsminister Anatoli Serdjukow hatte mitgeteilt, dass die 15 russischen Seeleute aus der Gewalt von Ostsee-Piraten befreit und acht verdächtige Seeräuber festgenommen worden seien.

Das Verteidigungsministerium in Moskau bestätigte am Mittwoch erstmals eine Lösegeldforderung für den Frachter. Die Seeräuber hätten nach ihrem Überfall gedroht, das Schiff zu sprengen, sollte nicht Geld gezahlt werden. Am Vortag hatte die Versicherung der «Arctic Sea» mitgeteilt, dass die Piraten umgerechnet rund eine Million Euro gefordert hätten. Die Vernehmungen der gefassten Seeräuber und der befreiten Besatzung dauerten an, teilte Moskaus Verteidigungsministerium mit. Nach Angaben der Zeitung «Rossijskaja Gaseta» flog eine russische Regierungsmaschine mit Ermittlern zur kapverdischen Insel Sal. In der Nähe der Insel war die Besatzung in der Nacht zum Montag befreit worden. Die genaue Position des angeblichen Schiffes ist noch immer nicht bekanntgegeben.

Russland hatte mit Kriegsschiffen der Schwarzmeerflotte und laut Medien auch mit im Kampf gegen somalische Piraten erprobten Militärkräften die «Arctic Sea» befreien lassen. Dieser «ungeheure Aufwand der Russen» sei nur damit zu erklären, dass an Bord des Schiffs wohl Waffen geschmuggelt worden sind, sagte Kõuts. Die «heiße Ware» sei bei Kontrollen auf hoher See eigentlich nicht zu entdecken. «Dafür müsste man das Schiff in einen Hafen steuern und den Frachtraum komplett leeren», sagte der estnische Admiral.

Der russische Experte Zyganok führte aus, dass die Besatzung kaum darüber informiert gewesen sein dürfte, welche Fracht noch an Bord war. Angehörige der russischen Seeleute hatten beklagt, dass sie auch Tage nach der Befreiung der «Arctic Sea» noch keinen Kontakt zu ihren Verwandten gehabt hätten. Laut russischen Medien stehen die befreiten Seeleute noch immer unter der Kontrolle des russischen Geheimdienstes.

Ein schwedischer Experte für Seerecht sagte, ein möglicher Prozess gegen die Entführer müsse in Russland organisiert werden. «Das Gesetz spricht hier eine klare Sprache», sagte Hugo Tiberg am Mittwoch im schwedischen Radio. Zwar sei die «Arctic Sea» vermutlich in schwedischen Hoheitsgewässern gekapert worden. «Aber die Russen haben den Frachter dann in internationalen Gewässern (vor Westafrika) aufgebracht, daher liegt die Verantwortung bei ihnen», sagte der Professor an der Universität Stockholm. Die «Arctic Sea» fährt im Auftrag einer finnischen Reederei unter der Flagge von Malta.

Schifffahrt / Piraten / Russland
19.08.2009 · 16:11 Uhr
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