Ex-Nintendo-Entwickler stellt klar: „Es gibt keinen echten Bedarf für neue Marken!“
Viele Fans fragen sich, warum Nintendo in den letzten Jahren nur wenige völlig neue Spielereihen auf den Markt gebracht hat. Während Titel wie Splatoon (2015) oder ARMS (2017) neue Marken etablierten, setzt Nintendo seitdem fast ausschließlich auf seine bekannten Figuren wie Super Mario, Donkey Kong, Link oder Kirby. Besonders mit Blick auf die Switch 2 fällt auf, dass die meisten angekündigten Spiele Fortsetzungen oder Spin-offs sind.
Jetzt hat ein ehemaliger Nintendo-Entwickler eine klare Antwort geliefert. In einem Interview mit Bloomberg (hinter einer Paywall) erklärte Ken Watanabe, dass neue Marken nur dann entstehen, wenn das Gameplay es unbedingt erfordert.
Nintendo’s Devise: Gameplay vor Markenaufbau
„Neue Franchises sind nicht erschienen, einfach weil es keinen echten Bedarf gibt“, sagte Watanabe im Gespräch. Bei Nintendo gehe es immer zuerst um die Spielmechanik. Erst wenn eine völlig neue Art des Spielens entwickelt werde, entstehe auch die Notwendigkeit für eine passende neue Welt oder Figuren.
Als Beispiel nannte er Splatoon. Ursprünglich sollte das Spiel mit bekannten Nintendo-Charakteren laufen. Doch im Laufe der Entwicklung wurde klar, dass die Mechaniken mit den „squidartigen Inklings“ viel besser zu erklären waren. So entstand eine neue Marke. Fast zufällig.
Klarheit für die Spieler
Diese Philosophie sei tief in der Firmenkultur verankert, ergänzt Shinichiro Tamaki, ein ehemaliger Hardware-Planer bei Nintendo. Für das Unternehmen müsse die Kommunikation mit Spielern allein durch das Spiel erfolgen, nicht durch Marketing oder aufgesetzte Markenbotschaften. Alles müsse selbsterklärend funktionieren.
Das bedeutet: Neue Marken werden nicht als Marketing-Strategie geboren, sondern nur, wenn Gameplay-Innovationen es notwendig machen. Deshalb gibt es weniger neue Reihen, während bestehende Marken wie Super Mario oder The Legend of Zelda flexibel genug sind, neue Ideen aufzunehmen.

Splatoon 3: Ein farbenfrohes Spektakel. Ursprünglich sollten sich hier Super Mario und seine Freunde tummeln. – Bildquelle: nintendo.at
Für viele Spieler ist dieser Ansatz zweischneidig. Einerseits freuen sie sich über den stetigen Nachschub an bekannten Helden, andererseits wünschen sie sich frische Welten, die an den Erfolg von Splatoon anknüpfen könnten. ARMS zeigt allerdings auch, dass nicht jede neue Idee zum Hit wird. Das Spiel war experimentell, erreichte aber nie die Popularität von Nintendos großen Klassikern.
Mit der Switch 2 setzt Nintendo wieder stark auf sichere Zugpferde. Ob es in der aktuellen Generation auch Platz für neue Marken geben wird, hängt also weniger von Marketing-Plänen ab, sondern einzig und allein von Gameplay-Innovationen.
Nintendo bleibt eben Nintendo
Die Aussagen der Ex-Entwickler machen deutlich: Nintendo sieht sich nicht unter Druck, ständig neue Marken zu schaffen. Stattdessen liegt der Fokus auf Spielmechaniken, die intuitiv funktionieren und Spaß machen. Neue Marken wie Splatoon sind Ausnahmen, die aus spielerischer Notwendigkeit entstanden sind, nicht aus strategischem Kalkül.
Für Fans bedeutet das: Wer auf frische Figuren hofft, muss warten, bis Nintendo eine Mechanik entwickelt, die sich nicht mit Super Mario, Link oder Kirby erklären lässt.

