Evonik senkt Dividende – Strategische Neuausrichtung im Fokus
Im aktuellen schwierigen wirtschaftlichen Umfeld ergreift der Spezialchemiekonzern Evonik finanzpolitische Maßnahmen und reduziert die Dividende. Laut CEO Christian Kullmann handelt es sich hierbei um einen entscheidenden Balanceakt zwischen einer angemessenen Aktionärsbeteiligung und Investitionen in innovative Zukunftsprojekte. Zudem soll diese Maßnahme dazu beitragen, die Konzernverschuldung abzubauen. Analysten wie Chris Counihan von Jefferies applaudieren dieser Entscheidung als weitsichtiger Schritt, was der Aktie einen kleinen Aufschwung verlieh.
Für das Geschäftsjahr 2025 ist eine Dividendenkürzung von 1,17 auf 1,00 Euro je Aktie vorgesehen, was einer Rendite von etwa sieben Prozent entspricht. Langfristig plant der Konzern, 40 bis 60 Prozent des um Sondereffekte bereinigten Jahresüberschusses an die Aktionäre auszuschütten. Würde diese Regelung bereits angewandt, läge die Dividende deutlich unter einem Euro. Besonders betroffen von dieser Neuerung ist die RAG-Stiftung, welche immer noch 45 Prozent der Anteile hält und auf stabile finanzielle Zuflüsse angewiesen ist.
Die Branche insgesamt leidet weiterhin an konjunktureller Schwäche, wachsender Konkurrenz aus China und hohen Energiepreisen in Deutschland. Der Umsatz von Evonik fiel 2025 um sieben Prozent auf 14,1 Milliarden Euro. Das bereinigte operative Ergebnis verringerte sich um neun Prozent auf 1,87 Milliarden Euro. Auch der bereinigte Überschuss schrumpfte um etwa 20 Prozent auf 634 Millionen Euro. Dennoch gibt es laut Jefferies-Experten Grund zur kurzfristigen Zuversicht für Anleger.
Für 2026 strebt Kullmann ein operatives Ergebnis zwischen 1,7 und 2,0 Milliarden Euro an, während Analysten ein Ergebnis von rund 1,8 Milliarden Euro prognostizieren. Dieses Ziel sei angesichts der aktuellen Weltlage durchaus ambitioniert, so Kullmann. Auch mittelfristig erwartet der Konzern keine signifikante Verbesserung der Lage.
Die Aktie zeigte sich am Donnerstag mit einem Kursgewinn von über zwei Prozent bemerkenswert erholt, nachdem sie bereits am Tag zuvor von potenziellen EU-Plänen zur verlängerten Ausgabe kostenloser CO2-Zertifikate profitieren konnte. Eine solche Regelung könnte energieintensive Branchen entlasten. Eine mögliche Reform der CO2-Gebühren könnte zudem einen Verkauf des C4-Verbunds zu besseren Bedingungen ermöglichen. Jedoch bleibt der Verkaufspreis gegenwärtig aufgrund des schwachen Wirtschaftszyklus unattraktiv.

