Europas Suche nach Eigenständigkeit in der Ära Trump
Die Wahrnehmung der USA als Bedrohung für den Weltfrieden ist unter den Deutschen nach einem Jahr der Trump-Administration dramatisch gestiegen. Das Vertrauen in den einstigen Verbündeten hat stark gelitten, denn 65 Prozent der deutschen Bevölkerung sehen die Vereinigten Staaten inzwischen kritisch. Anders als im Fall des alten Rivalen Russland, dessen Feindbild sich im kollektiven Gedächtnis über sieben Jahrzehnte verfestigt hat, wirkt dieser Stimmungsumschwung im Hinblick auf die USA unerwartet.
Doch auch unter früheren Präsidenten wie Bush oder Obama trübten Schatten die transatlantischen Beziehungen. Obamas Abhörskandal um das Handy von Angela Merkel oder Bushs wenig schmeichelhafte Einstufung Deutschlands als Teil des 'alten Europa' zeugen von einer komplizierten Geschichte. Selbst der derzeitige Präsident Joe Biden hat mit seiner scharfen Haltung gegenüber Nord Stream 2 weiteren Unmut erzeugt.
Gleichwohl bleibt die Politik auf beiden Seiten des Atlantiks dennoch ähnlich unbeständig wie die öffentliche Meinung. Emmanuel Macron betont mit Nachdruck, dass Europa mehr Eigenständigkeit entwickeln muss, um seine Interessen zu wahren. Dafür ist jedoch ein langer Atem erforderlich, um auf lange Sicht eine eigenständige europäische Position zu etablieren.

