Europäische Unternehmen setzen weiterhin auf China trotz Risiken

Europäische Unternehmen und die China-Abhängigkeit
Die EU-Handelskammer in Peking hat kürzlich betont, dass europäische Firmen trotz der zunehmenden Forderungen nach Risikominderung weiterhin stark auf China setzen. Kammerpräsident Jens Eskelund stellte fest: "Trotz aller Diskussionen sehen wir nicht wirklich, dass Europa weniger abhängig von China wird." Diese Einschätzung wird durch eine Umfrage untermauert, die zeigt, dass im vergangenen Jahr 26 Prozent der Unternehmen angaben, ihre Lieferketten nach China verlagern zu wollen — doppelt so viele wie jene, die erwogen, diese zu diversifizieren oder in andere Länder zu verlagern.
Der Überlebensmechanismus der Unternehmen
Laut Eskelund setzen viele Unternehmen auf China, nicht aus Überzeugung, sondern aus einem "Überlebensmechanismus" heraus. In einem wettbewerbsintensiven Markt, in dem europäische Firmen häufig mindestens einem chinesischen Konkurrenten gegenüberstehen, ist die Nutzung chinesischer Lieferketten oft der einzige Weg, um wettbewerbsfähige Preise und Produkte anzubieten. "Wer im Markt gewinnen wolle, brauche das bessere Produkt zum niedrigeren Preis," so Eskelund.
Exportkontrollen als Risikofaktor
Die Abhängigkeit von China bringt jedoch auch erhebliche Risiken mit sich, insbesondere durch die Exportkontrollen, die Peking im vergangenen Jahr auf sieben seltene Erden und die daraus gefertigten Magnete eingeführt hat. Diese Rohstoffe sind entscheidend für zahlreiche Technologien, von Motoren bis hin zu Smartphones. Im Kontext des internationalen Handels könnte die Ankündigung Pekings, Exportkontrollen auf weitere seltene Erden einzuführen, gravierende Folgen für die europäische Industrie haben, was die Wettbewerbsfähigkeit und Innovationskraft gefährdet.
Warnungen der Handelskammer
Überraschend war für die Handelskammer, dass fast ein Drittel ihrer Mitglieder in einer Umfrage angaben, von den Exportkontrollen betroffen zu sein. Die Kammer stellte fest, dass die Menge an betroffenen Produkten angesichts der wenigen kontrollierten Stoffe "unglaublich" sei. Eskelund äußerte besorgt: "Ich glaube nicht, dass irgendjemand wirklich weiß, ob Europa ohne China überhaupt Zahnpasta herstellen könnte."
Abhängigkeit und ihre Konsequenzen
Ein aktueller Bericht der Handelskammer warnt, dass einige Unternehmen befürchten, dass China durch die Exportlizenzanträge ihre Abhängigkeiten offenlegen könnte. "Die Abhängigkeit der EU von China ist groß genug, dass das Land - durch sein Exportkontrollsystem - der europäischen Wirtschaft nun beispiellosen Schaden zufügen könnte, sollte es sich dazu entschließen," so die besorgte Einschätzung der Kammer. Diese Entwicklungen verdeutlichen die Dringlichkeit, die Abhängigkeit von China zu überdenken und alternative Strategien zur Risikominderung zu entwickeln, um den Shareholder Value langfristig zu sichern.

