Europäische Unabhängigkeit und Selbstbewusstsein im Fokus beim Karlspreis
EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen nutzte die Verleihung des Internationalen Karlspreises, um für ein selbstbewusstes und unabhängiges Europa zu werben. Sie hob hervor, dass die Unabhängigkeit Europas essentiell für unsere Freiheit sei, auch wenn dies zunächst unheimlich klingen mag.
Im Aachener Rathaus, wo ihr die Auszeichnung überreicht wurde, betonte sie, dass die Welt von neuen geopolitischen Herausforderungen durch imperiale Mächte geprägt sei, die bereit seien, auch unlautere Mittel zu nutzen, um ihre Interessen durchzusetzen. Von der Leyen unterstrich, dass Europa sich in dieser Dekade einer neuen internationalen Ordnung stellen müsse, die es aktiv gestalten sollte.
Besonders erwähnte sie die Dringlichkeit einer verstärkten Investition in die europäische Sicherheit angesichts der Bedrohung durch undemokratische Regimes, wie etwa der kriegerischen Auseinandersetzung in der Ukraine. Die Zusammenarbeit mit den USA soll, laut von der Leyen, gestärkt werden, um die wirtschaftlichen Partnerschaften auf eine solidere Basis zu stellen.
Bundeskanzler Friedrich Merz bekräftigte die Unterstützung Deutschlands zur Stärkung und Verteidigung Europas. Er sprach von Europas Erfolgen als Friedensprojekt und der Verantwortung, diesen Erfolg auch nach außen zu tragen. Deutschland sei bereit, mit Entschlossenheit und in enger Zusammenarbeit mit europäischen Partnern diese Ziele zu verfolgen.
Der spanische König Felipe VI. unterstrich in seiner Rede die Notwendigkeit einer stärkeren europäischen Integration und warnte vor den Gefahren, die von Stimmen ausgehen, die eine Auflösung der Europäischen Union fordern. Er argumentierte, dass eine solche Entwicklung die europäischen Nationen den globalen Herausforderungen schutzlos ausliefern würde.
Im Zuge der Preisverleihung, bei der auch mehrere Hundert Demonstranten gegen Aufrüstungspläne protestierten, wurde bekannt, dass das erstmals verliehene Preisgeld von einer Million Euro für Projekte zur Unterstützung ukrainischer Kinder eingesetzt werden soll. Von der Leyen und das Karlspreis-Direktorium werden gemeinsam über die Vergabe entscheiden.
Der Preis wurde gestiftet von einem Aachener Unternehmer-Ehepaar. Jacques Delors, der 1992 als letzter Kommissionschef ausgezeichnet wurde, gilt als wichtiger Architekt des europäischen Binnenmarkts und Wegbereiter des Euro. Der Internationale Karlspreis zu Aachen bleibt eine der bedeutendsten Ehrungen für Verdienste um die europäische Integration.

