Europäische Aktienmärkte setzen Korrektur fort: Zölleschock aus den USA belastet
Die europäischen Aktienmärkte haben sich am Dienstag weiter abgeschwächt, allerdings mit etwas geringerem Tempo. Unterstützung kam hierbei aus den USA, wo die Börsen nach einem verlängerten Wochenende zwar schwach starteten, sich dann aber leicht erholten. Die jüngste Rekordrally der Indizes wie dem EuroStoxx 50 endete abrupt, hauptsächlich wegen wieder aufgeflammter Zollsorgen. Gewinne, die seit Januar erzielt wurden, sind nahezu verpufft. Der EuroStoxx 50 schloss letztlich um 0,57 Prozent schwächer bei 5.892,08 Punkten. Auch der britische FTSE 100 verlor 0,67 Prozent und schloss mit 10.126,78 Punkten, während der schweizerische SMI um 0,81 Prozent auf 13.169,96 Punkte fiel.
Die Ursache für die schlechte Stimmung unter den Investoren war US-Präsident Donald Trumps Ankündigung von Strafzöllen, die ab Februar steigen sollen, falls kein Übereinkommen zum Kauf Grönlands erzielt wird. Diese Zölle betreffen Länder wie Deutschland, Frankreich und Großbritannien.
In einem Kommentar schrieb Aktienmarktstrategin Beata Manthey von Citigroup, dass diese Entwicklungen einen Schatten über die erwartete Gewinnbelebung europäischer Unternehmen geworfen haben. Manthey bewertete europäische Aktien daraufhin im weltweiten Maßstab nur noch neutral, ein Novum seit über einem Jahr.
Jedoch gibt es auch positive Stimmen: Marina Zavolock von Morgan Stanley sieht die Eskalation als Ansporn für Europa, mehr Eigenverantwortung zu übernehmen, was langfristig sogar eine Chance darstellen könnte. Die Rückgänge an den europäischen Märkten werden teilweise als Korrektur nach der vorangegangenen Rally interpretiert. Laut Jörg Scherer von HSBC handelt es sich um eine "gesunde Verschnaufpause".
Luxusaktien stehen unter zusätzlichem Druck durch Trumps Aussagen zu potenziellen Zöllen auf französische Wein- und Champagnerprodukte. Dies traf insbesondere die Aktie von LVMH, die um 2,2 Prozent nachgab, gefolgt von Kursverlusten bei Kering, Hermes und Burberry.
Anders stellte sich die Situation für Totalenergies dar: Trotz rückläufiger Ölpreise konnte das Unternehmen einen Anstieg um 1,4 Prozent verzeichnen, dank starker Raffinerieergebnisse und stabiler Barmittelzuflüsse im vierten Quartal, so die Einschätzung von RBC. Ein unerwartet großer Kursverlust von 8,6 Prozent war bei DocMorris an der Schweizer Börse zu verzeichnen. Die Online-Apotheke wuchs zwar deutlich und traf ihre Umsatzziele, doch die Marktteilnehmer hatten offenbar mehr erwartet, kommentierte Analyst Volker Bosse.

