Erdogan will Syrien-Einsatz «bis zur irakischen Grenze»

26. Januar 2018, 17:12 Uhr · Quelle: dpa

Istanbul (dpa) - Trotz anhaltender US-Kritik will der türkische Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan die Militäroperation in Nordwestsyrien auf weitere kurdisch kontrollierte Gebiete ausweiten.

Nach der Region Afrin werde die Türkei die Region Manbidsch «von Terroristen säubern», sagte er am Freitag vor Bürgermeistern seiner islamisch-konservativen AKP in Ankara. «Und dann werden wir unseren Kampf so lange fortsetzen, bis bis zur irakischen Grenze kein einziger Terrorist übrig bleibt.» Die von kurdischen Milizen kontrollierte Stadt Manbidsch liegt östlich von Afrin in der Nähe der türkischen Grenze.

Die Türkei richtet ihre Offensive in der Region Afrin gegen die kurdischen Volksschutzeinheiten YPG, die mit den USA verbündet sind. Ankara sieht die YPG als syrischen Ableger der verbotenen kurdischen Arbeiterpartei PKK, die nicht nur in der Türkei, sondern auch in Europa und den USA auf der Terrorliste steht. Ein Vorgehen der Türkei gegen Manbidsch wäre vor allem heikel, weil die USA dort zuletzt Ausbilder stationiert hatte.

Im Laufe des Syrienkonflikts hatten die Kurden die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) in Nordsyrien bekämpft und kontrollieren seitdem fast auf der gesamten Länge der syrisch-türkischen Grenze große Gebiete. Die Türkei will eine langfristige kurdische Kontrolle der Grenzgebiete verhindern. Die YPG werden von den USA unterstützt, die Türkei ist zugleich aber auch Nato-Partner.

Erdogan kritisierte die USA erneut für ihre Unterstützung der YPG und sagte: «Unser größtes Bedauern ist, dass im Moment diese Terrororganisationen mit den Flaggen Amerikas in dieser Region frei herumlaufen. Womit sollen wir das erklären?»

Zudem bezeichnete Erdogan Mitglieder eines Ärzteverbands wegen ihrer Kritik an der türkischen Militäroffensive in Syrien als «Terroristenliebhaber». An die Türkische Ärztevereinigung gerichtet sagte Erdogan am Freitag, diese habe sich auch zuvor nie für den Frieden ausgesprochen. «Sie haben ohnehin nichts mit Frieden oder dergleichen zu tun.»

Die regierungskritische Türkische Ärztevereinigung hatte am Mittwoch eine Erklärung verbreitet, in der sie unter anderem vor «irreparablen Schäden» durch Krieg warnten. «Als Angehörige eines Berufes, der darauf schwört, Menschen am Leben zu erhalten, vergessen wir nicht, dass es unsere primäre Pflicht ist, das Leben zu verteidigen, und uns für eine Klima des Friedens einzusetzen.» Zum Schluss hieß es: «Nein zum Krieg. Frieden, jetzt sofort!»

Unterdessen gibt es unterschiedliche Angaben über zivile Opfer bei der türkischen Militäroffensive. Während Erdogan betonte, dass keine Zivilisten zu Schaden kämen, meldete die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte alleine am Freitag fünf getötete Zivilisten durch türkische Luftschläge. Es handele sich dabei um eine Familie, darunter zwei Kinder. Nach Angaben der in Großbritannien ansässigen Beobachtungsstelle soll es bislang 38 zivile Todesopfer geben.

Die türkischen Streitkräfte teilten mit, in der Nacht zum Freitag habe die Luftwaffe im Rahmen der Offensive «Olivenzweig» Verstecke und Waffenlager der kurdischen Volksschutzeinheiten YPG bombardiert. Dabei seien 23 Ziele zerstört worden. Seit Beginn der Offensive am vergangenen Samstag seien 343 gegnerische Kämpfer «neutralisiert» worden. Mit «neutralisiert» ist in der Regel getötet gemeint, der Begriff kann aber auch verletzt oder gefangen genommen bedeuten. Am Freitag schlug nach Angaben der Nachrichtenagentur DHA zudem erneut eine Rakete aus Syrien im türkischen Grenzort Reyhanli ein.

Nach Angaben des türkischen Gesundheitsministers Ahmet Demircan wurden bislang drei türkische Soldaten, sowie elf Kämpfer der von der Türkei unterstützten Freien Syrischen Armee (FSA) getötet. 130 FSA-Kämpfer wurden demnach verletzt.

Erdogan betonte, die türkische Armee habe «kein Blut von Frauen, kein Blut von Unschuldigen an den Händen, und das wird auch nie passieren». Das Volk und die Armee habe «definitiv kein Kinderblut an den Händen.» Erdogan sagte, die türkische Armee gehe mit Bedacht vor, um zivile Opfer zu vermeiden.

Die Sprecherin des US-Außenministeriums Heather Nauert hatte gesagt, Washington habe «enorme Sorge» über den Tod von Zivilisten und fordere die Türkei dazu auf, mehr zu tun, «um zu versuchen, zivile Opfer zu vermeiden.»

Konflikte / Türkei / Syrien / USA
26.01.2018 · 17:12 Uhr
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