Erdgaspreise steigen: Politische Spannungen und kalte Temperaturen treiben den Markt an
Die Preise für europäisches Erdgas haben einen beachtlichen Auftrieb erfahren, ausgelöst durch internationale Spannungen und Wettereinflüsse. Der maßgebliche Terminkontrakt TTF, der an der Amsterdamer Börse gehandelt wird, verzeichnete eine deutliche Aufwärtsentwicklung und erreichte den höchsten Stand seit November mit einem Wert von 32,40 Euro pro Megawattstunde. Binnen drei Tagen kletterte der Preis um 14 Prozent – ein solch markanter Anstieg fand zuletzt im März statt.
Hintergrund dieser dynamischen Entwicklung sind unter anderem Drohgebärden der USA, die Handelspartner des Irans mit hohen Strafzöllen belegen wollen. Durch diese Maßnahmen soll Druck auf das Regime in Teheran ausgeübt werden, das gegenwärtig Proteste im eigenen Land gewaltsam niederschlägt. Der Iran stellt einen essenziellen Gaslieferanten für die Türkei dar; ein möglicher Lieferstopp würde die Türkei dazu zwingen, mit europäischen Ländern um Gas zu konkurrieren, was den Preisdruck zusätzlich erhöhen könnte.
Zudem spielt China, als größter Flüssiggasverbraucher weltweit, eine gewichtige Rolle. Eine steigende Nachfrage wird hier prognostiziert, was die Konkurrenz um Gaslieferungen anheizen könnte. Zu diesen Faktoren gesellt sich das Wetter: Niedrige Temperaturen lassen die Heiz- und damit Gasnachfrage steigen. Auffällig ist, dass die europäischen Gasreserven derzeit nur zu 54 Prozent gefüllt sind, während der Fünfjahresdurchschnitt bei 70 Prozent liegt. Florence Schmit von der Rabobank kommentiert, dass der europäische Gasmarkt von einer Mischung aus erhöhter Anlagennutzung, vorübergehend erhöhter Nachfrage in Asien und Unsicherheiten in der Energieversorgung durch die Lage im Iran erschüttert wurde.

