French Open

Episches Finale: Alcaraz ringt Sinner in Paris nieder

08. Juni 2025, 21:31 Uhr · Quelle: dpa
Carlos Alcaraz hatte das Finale von Paris eigentlich schon verloren. Doch dann nahm das Endspiel eine ungeahnte Wendung - und der Spanier verteidigte seinen Titel doch noch.

Paris (dpa) - Nach seiner Titelverteidigung im bislang längsten Finale der French-Open-Geschichte ließ sich Carlos Alcaraz völlig entkräftet auf die rote Asche fallen. Danach umarmte er den geschlagenen Jannik Sinner und lief zu seinem Team auf der Tribüne. 

Spaniens Tennisstar rang in einem hochklassigen und dramatischen Endspiel den Weltranglisten-Ersten Jannik Sinner aus Italien mit 4:6, 6:7 (4:7), 6:4, 7:6 (7:3), 7:6 (10:2) nieder und feierte den bereits fünften Grand-Slam-Titel seiner Karriere. Im vergangenen Jahr hatte sich Alcaraz in Paris im Finale in fünf Sätzen gegen Alexander Zverev durchgesetzt. In diesem Jahr war Zverev bereits im Viertelfinale ausgeschieden.

Sinner musste sich nach seinen Triumphen bei den US Open in New York und den Australian Open in Melbourne erstmals in einem Grand-Slam-Finale geschlagen geben. Alcaraz verwandelte im Stade Roland Garros nach 5:29 Stunden seinen ersten Matchball. Im vierten Satz hatte er bereits drei Matchbälle von Sinner abgewehrt.

Tennis-Welt begeistert

«Es ist eine Ehre, mich mit dir messen zu dürfen», sagte Alcaraz an Sinner gerichtet, nachdem er den Coupe des Mousquetaires aus den Händen von Tennis-Legende Andre Agassi in Empfang genommen hatte. «Es war ein unglaubliches Finale. Danke an alle», sagte Alcaraz. «Ich werde heute Nacht nicht besonders gut schlafen, aber es ist ok», sagte Sinner enttäuscht. «Du hast diesen Titel verdient, Carlos.»

Auch die Tennis-Welt war begeistert von dem unglaublichen Finale. «Was für ein unglaubliches Finale bei @rolandgarros!», schrieb der 14-malige Paris-Champion Rafael Nadal, der zu Beginn des Turniers mit einer emotionalen Ehrung gewürdigt worden war, bei X. «Was für ein Match, was für ein Drama, was für ein Niveau! Es ist nicht mit Worten zu erklären und zu begreifen», sagte Boris Becker als Experte bei Eurosport.

Alcaraz ist erst der sechste Spieler, der in Paris nach einem 0:2-Satzrückstand im Finale noch den Titel gewinnt. Sinner, für den es nach seiner dreimonatigen Doping-Sperre erst das zweite Turnier war, hatte bis zum Finale in Paris keinen einzigen Satz verloren. Er hat weiterhin noch kein Spiel gewonnen, das mehr als vier Stunden dauerte.

Spektakuläres Finale

Sinner und Alcaraz zeigten in einem spektakulären Finale vom ersten Ballwechsel an, warum sie aktuell die beiden besten Tennisspieler der Welt sind. «Tennis braucht wie jeder Sport besondere Rivalitäten. Ich denke, die zwischen Carlos und mir könnte so eine sein», hatte der Italiener vor dem Endspiel gesagt.

In der Tat sind Sinner und Alcaraz dem Rest gerade etwas enteilt. Alexander Zverev als Nummer drei der Welt wirkt derzeit ein ganzes Stück weit hinter dem neuen Spitzenduo der Tennisszene. Die beiden schicken sich an, die Nachfolge der großen Drei um die inzwischen zurückgetretenen Roger Federer und Rafael Nadal sowie den noch spielenden Novak Djokovic anzutreten.

Auf dem mit 15.000 Zuschauern ausverkauften Court Philippe-Chatrier schenkten sich Sinner und Alcaraz von Anfang an nichts, zeigten Weltklasse-Schläge im Minutentakt. Schon das erste Aufschlagspiel des Südtirolers dauerte zwölf Minuten, dann ging Sinner nach Abwehr von drei Breakbällen 1:0 in Führung.

Behandlung bringt Alcaraz aus dem Rhythmus

Eine Weile später setzte Alcaraz aber doch das erste Zeichen und nahm Sinner zum 3:2 das Service ab. Doch Sinner blieb cool und schaffte sofort das Re-Break. Wenig später musste sich Alcaraz kurz behandeln lassen, weil er etwas ins Auge bekommen hatte. Die Partie war beim Stand von 5:4 für Sinner kurz unterbrochen, der Spanier geriet aus dem Rhythmus - und plötzlich hatte der Italiener den ersten Satz nach 62 Minuten mit 6:4 gewonnen.

Alcaraz wirkte nach dem plötzlichen Verlust des ersten Satzes etwas ratlos. Der Weltranglisten-Zweite verlor im zweiten Durchgang sofort wieder sein Aufschlagspiel, lief dem Rückstand fortan verzweifelt hinterher. Die Zuschauer versuchten den Spanier mit «Carlos, Carlos»-Sprechchören zu unterstützen und hatten damit Erfolg. Beim Stand von 5:3 servierte Sinner zum Satzgewinn, doch Alcaraz schlug noch einmal zurück und schaffte das Break.

Erster Satzverlust für Sinner

Auf einmal war der Spanier wieder voll da. Alcaraz ballte die Faust, nahm das Publikum mit und erreichte den Tiebreak. Doch Sinner blieb ruhig und holte sich nach 2:11 Stunden auch den zweiten Satz. Als Sinner den dritten Durchgang dann wieder mit einem Break eröffnete, schien das mit so großer Spannung erwartete Endspiel frühzeitig entschieden.

Mit dem Mute der Verzweiflung stemmte sich Alcaraz jedoch gegen die Niederlage. Dem Spanier gelang prompt das Re-Break, mit der Hand am Ohr forderte er das Publikum zu mehr Unterstützung auf. Und die Zuschauer hatten Lust auf mehr Tennis und pushten Alcaraz nach vorn.

Sinner leistete sich nun seine erste Schwächephase der Partie, Alcaraz zog auf 5:2 davon und holte sich Satz Nummer drei. Es war sein erster Satzverlust bei einem Grand-Slam-Turnier seit dem Achtelfinale gegen Holger Rune bei den Australian Open. Danach hatte Sinner 31 Sätze in Serie in Melbourne und Paris gewonnen.

Alcaraz dreht die Partie

Alcaraz witterte nun seine Chance. Doch Sinner ging wieder in Führung und hatte beim Stand von 5:3 bei Aufschlag Alcaraz drei Matchbälle. Doch der Spanier wehrte alle drei ab, nahm Sinner danach auch noch das Service ab und entschied dann den Tiebreak klar für sich.

Spätestens jetzt waren die Zuschauer nicht mehr zu halten, tanzten völlig losgelöst zum Song «Sweet Caroline» von Neil Diamond auf den Tribünen. Satz fünf musste in diesem epischen Finale die Entscheidung bringen. Und da hatte Alcaraz die größeren Kraftreserven. 

Sinner wirkte nun etwas müde, die fehlende Matchpraxis wegen seiner Doping-Sperre machte sich bemerkbar. Doch der Italiener holte alles aus sich raus und kam noch einmal zurück. Im Tiebreak spielte Alcaraz dann aber noch besser als zuvor - eigentlich unmöglich, aber wahr.

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08.06.2025 · 21:31 Uhr
[7 Kommentare]
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