Emerging Markets: Regionale Indizes schlagen globale Benchmarks – Osteuropa und Lateinamerika setzen Akzente
Mit einem Plus von 45 % bei osteuropäischen Aktien und 25 % in Lateinamerika erleben regionale Schwellenländerindizes derzeit ihre stärkste Phase seit Jahren – weit vor dem globalen MSCI Emerging Markets Index, der bislang 2025 nur um rund 14 % zulegen konnte. Während asiatische Märkte, insbesondere China, unter den US-Zöllen leiden, erzielen Fonds mit Länderschwerpunkt oder regionalem Fokus deutliche Mehrrenditen.
Auffällig ist die massive Übergewichtung Asiens im MSCI EM Index: Rund 80 % der Gewichtung entfallen auf asiatische Unternehmen, wobei allein China über ein Viertel ausmacht. Im Gegensatz dazu liegt der Anteil osteuropäischer Aktien bei gerade einmal 1,5 %. Anleger in globalen EM-Benchmarks haben damit kaum an der Rallye in Ländern wie Polen, Slowenien oder Tschechien partizipiert, wo die Aktienkurse seit Jahresbeginn in Dollar gerechnet um bis zu 55 % gestiegen sind.
Dass sich eine Differenzierung lohnt, zeigen Fonds wie der Osteuropa-Fonds von Barings oder der Lateinamerika-Fonds von Schroders, die von Währungsgewinnen und einem schwächeren US-Dollar profitieren konnten. „Wir sehen aktuell, wie stark länderspezifische Faktoren die Entwicklung beeinflussen“, sagt Anna Mulholland von Pictet Asset Management. In Brasilien stützen Zinssenkungserwartungen die Kurse, in Mexiko hilft ein bevorstehendes Handelsabkommen mit den USA.
Selbst in Asien sind neue Marktführer im Entstehen: Der Tel Aviv 125-Index hat seine historische Bewertungsdifferenz zum MSCI EM nahezu vollständig aufgeholt, und in Südkorea ist der Abschlag um 18 Prozentpunkte zurückgegangen. Dort treiben staatliche Investitionen in Technologie die Dynamik.
Regionale Diskrepanzen werden bestehen bleiben, meinen Marktbeobachter – nicht zuletzt wegen fortgesetzter Zollkonflikte, technologischer Entkopplung und geopolitischer Risiken. „Der Begriff Schwellenländer muss neu gedacht werden“, sagt Robert Holmes von North of South Capital. „Was einst ein einheitlicher Block war, hat sich längst in disparate Märkte mit eigenen Impulsen verwandelt.“

