Investmentweek

Droht NVIDIA der Lieferinfarkt in China?

07. April 2025, 08:00 Uhr · Quelle: InvestmentWeek
Die Nachfrage nach NVIDIAs H20-Chip übertrifft in China alle Erwartungen – doch Hinweise auf mögliche Engpässe verdichten sich. Insider berichten von leeren Lagern, verzögerten Lieferplänen und einer Priorisierung nach Marge. Was ist dran – und was bedeutet das für den KI-Wettlauf?

Nachfrage-Boom trifft auf Schweigen aus Santa Clara

Chinesische Tech-Konzerne wie Tencent, ByteDance und Alibaba ordern H20-Chips im großen Stil – und stoßen offenbar an Grenzen. Laut interner Kommunikation des chinesischen Serverherstellers H3C, die Reuters vorliegt, ist die Lieferkette des beliebten KI-Chips von NVIDIA labil.

Es geht um einen der wichtigsten Prozessoren für KI-Anwendungen, der überhaupt noch in die Volksrepublik geliefert werden darf. Und um einen Markt, in dem künstliche Intelligenz längst zum geopolitischen Spielball geworden ist.

Dass NVIDIA sich zur Lage nicht äußert, passt ins Bild. Das Unternehmen reagierte auf Presseanfragen mit Nicht-Kommentar. Und H3C dementierte inzwischen die Existenz der internen Mitteilung, in der es ursprünglich selbst vor Engpässen gewarnt haben soll.

Eine klassische Kommunikationsstrategie, wenn es brenzlig wird – nicht nur technisch, sondern politisch.

Der H20: Der „legale“ KI-Chip für China

Seit dem US-Exportverbot für Hochleistungs-KI-Chips wie den A100 oder H100 hat NVIDIA eine eigens für den chinesischen Markt angepasste Version entwickelt: den H20-Chip.

Er bietet deutlich reduzierte Rechenleistung, erfüllt aber die Anforderungen chinesischer KI-Unternehmen – und ist damit zur strategischen Brückentechnologie geworden. Laut Branchenanalysten lieferte NVIDIA im Jahr 2024 rund eine Million H20-Chips nach China – Umsatz: über 12 Milliarden US-Dollar.

Seit dem US-Exportverbot für A100/H100-Chips ist China auf den H20 angewiesen – doch Engpässe gefährden jetzt die KI-Pläne ganzer Konzerne.

Trotz technischer Einschränkungen ist der H20 derzeit praktisch konkurrenzlos. Vor allem weil chinesische Alternativen wie Biren oder Cambricon noch Entwicklungsrückstände aufholen – und weil US-Firmen wie AMD und Intel komplett vom chinesischen KI-Hardwaremarkt ausgeschlossen sind.

Verfügbarkeit? Angeblich ja. Realität? Ein anderer Preis

Eine anonyme Quelle aus dem chinesischen Serverhandel schildert die Situation gegenüber Reuters drastisch: Man habe die Zusage für H20-Lieferungen erhalten, doch zum Zeitpunkt der Bestellung seien alle Chips bereits anderweitig verkauft worden – zu höheren Preisen.

Dieses Szenario erinnert an die Chip-Knappheit während der Corona-Pandemie: Zusagen verlieren ihren Wert, wenn andere Kunden bereit sind, mehr zu zahlen.

Noch heikler: Laut H3C sollen Chips künftig nicht mehr strikt nach Bestelleingang ausgeliefert werden, sondern nach dem Prinzip der Profitmaximierung. Wer höhere Margen bietet, bekommt den Zuschlag. Ein Spiel, das kleinere KI-Start-ups benachteiligt – und etablierte Großkunden bevorzugt.

Unsichere Versorgung, wachsende Spannungen

Offiziell schweigen die Beteiligten, inoffiziell verdichten sich die Hinweise: Die Lieferketten sind angespannt, teils instabil. Gründe gibt es genug – von geopolitischer Unsicherheit über Rohstoffverfügbarkeit bis zu Produktionsengpässen.

Hinzu kommt: NVIDIA produziert nicht selbst, sondern ist auf Partner wie TSMC angewiesen. Und TSMC steht unter zunehmendem Druck, den Spagat zwischen westlichen Exportauflagen und asiatischer Nachfrage zu halten.

Die Zeitpunkte, zu denen neue Lieferungen in China eintreffen sollen, verschieben sich laut H3C-Memo laufend. Die Rede ist von „Unsicherheiten über den 20. April hinaus“, was darauf hindeutet, dass auch NVIDIA selbst keine Planungssicherheit garantieren kann.

Für chinesische Kunden, die Milliarden in KI-Projekte stecken, ist das mehr als ein logistisches Problem – es ist ein Risikofaktor auf strategischer Ebene.

KI-Wettlauf mit begrenzter Hardware

Die Knappheit des H20 kommt in einem Moment, in dem Chinas KI-Start-up-Szene massiv expandiert. Besonders das Unternehmen DeepSeek treibt mit günstigen, skalierbaren KI-Modellen die Nachfrage nach Rechenleistung in die Höhe. Genau dafür ist der H20 ausgelegt – und genau dort droht jetzt der Flaschenhals.

Wenn der Engpass anhält, stehen Unternehmen vor schwierigen Entscheidungen: warten, zu überhöhten Preisen kaufen – oder technologisch zurückfallen. Für NVIDIA wiederum bedeutet die Nachfrage eine wirtschaftliche Chance, aber auch ein Risiko: Wenn Kunden ausbleiben oder nicht mehr zuverlässig beliefert werden, könnten sich chinesische Firmen schneller als gedacht Alternativen entwickeln.

Droht ein Rückschlag für Chinas KI-Offensive?

Chinas strategisches Ziel ist klar: Unabhängigkeit in Schlüsseltechnologien, insbesondere bei Halbleitern. Dass das Land aktuell beim Thema KI-Hardware noch stark von einem einzigen US-Anbieter abhängig ist, widerspricht diesem Ziel – und setzt die Regierung wie auch große Tech-Konzerne unter Druck.

Ein längerfristiger Lieferengpass beim H20 könnte genau das beschleunigen, was Washington eigentlich verhindern wollte: massive staatlich getriebene Investitionen in chinesische Chipalternativen.

Finanzen / KI
[InvestmentWeek] · 07.04.2025 · 08:00 Uhr
[0 Kommentare]
kostenloses stock foto zu aktienmarkt, bargeldlos, berlin
Die internationale Kryptowährungsbörse Toobit hat eine Kampagne im Wert von 200.000 USDT angekündigt, die sich auf ihre integrierten TradFi-Märkte konzentriert. Diese Initiative folgt auf eine kürzliche Erweiterung des TradFi-Angebots von Toobit, die den direkten Handel mit Vermögenswerten wie Gold und globalen Indizes innerhalb einer einheitlichen […] (00)
vor 44 Minuten
Neues Logo der Lufthansa Group
Frankfurt/Dubai (dpa) - Wegen des Iran-Kriegs fliegt der Lufthansa-Konzern weiterhin nicht zu bestimmten Zielen in der Region. Die verschiedenen Airlines der Gruppe setzen die Flüge nach Dammam, Dubai und Abu Dhabi bis einschließlich Sonntag (15. März) aus, wie das Unternehmen mitteilt. Die Verbindungen nach Tel Aviv bleiben bis einschließlich Grün- […] (00)
vor 19 Minuten
Joko und Klaas
(BANG) - Das Entertainer-Duo Joko Winterscheidt und Klaas Heufer-Umlauf stand einst tatsächlich als Moderations-Team für die Kultshow 'Wetten, dass..?' zur Debatte. Es klingt wie eine kleine Sensation aus der deutschen Fernsehgeschichte und fast wäre damit ein völlig neues Kapitel der größten europäischen Unterhaltungssendung aufgeschlagen worden. Als […] (00)
vor 1 Stunde
Geleakte 3D-CAD-Renderings sollen Design des iPhone Fold zeigen
Apples erstes faltbares Smartphone rückt offenbar näher. Neue Leaks im Netz heizen die Gerüchteküche um ein mögliches iPhone Fold weiter an, das Spekulationen zufolge noch in diesem Jahr erscheinen könnte. Kürzlich aufgetauchte 3D-CAD-Renderings sollen nun einen ersten detaillierten Blick auf […] (00)
vor 1 Stunde
BioShock 4 soll endlich das Spiel werden, das Infinite nie war
Es ist fast sieben Jahre her, dass mit BioShock Infinite ein vollwertiger neuer Teil erschienen ist. Seitdem ist wenig passiert, zumindest öffentlich. Intern war bei Cloud Chamber dagegen viel los, aber kaum davon war positiv: mehrere Reboots, Führungswechsel, Entlassungen. Umso größer ist das Interesse, wenn ein Insider plötzlich mit konkreten […] (00)
vor 59 Minuten
Michelle Randolph
(BANG) - Michelle Randolph fühlte sich geehrt, in der Eröffnungsszene von 'Scream 7' aufzutreten. Die 28-jährige Schauspielerin spielt Madison im neuen Slasher-Film und war begeistert, im allerersten Moment des Films aufzutreten – ähnlich wie Drew Barrymore im Originalfilm. Michelle sagte gegenüber 'The Hollywood Reporter': "Die Reihe wird so geliebt, […] (00)
vor 1 Stunde
Paralympics: Dritter Wettkampftag
Cortina d'Ampezzo (dpa) - Skirennfahrerin Warwara Worontschichina hat als erste Sportlerin aus Russland bei den Winter-Paralympics in Italien eine Goldmedaille gewonnen. Zwei Tage nach Rang drei in der Abfahrt siegte die 23-Jährige in Cortina d'Ampezzo im Super-G in der stehenden Klasse. Bei der Siegerehrung wurde erstmals seit 2014 in Sotschi bei […] (00)
vor 13 Minuten
Neuer Access Point mit Wi-Fi 6 für die industrielle Automatisierung
Blomberg, 09.03.2026 (PresseBox) - Phoenix Contact erweitert sein industrielles Wireless-Portfolio um neue Access Points der Baureihe WLAN 2300, die Wi-Fi 6-Funktionen gemäß IEEE 802.11ax unterstützen. Mit den Geräten lassen sich effiziente und leistungsfähige WLAN-Netzwerke mit bis zu 100 Teilnehmern je virtuellem Access Point-Interface realisieren. […] (00)
vor 1 Stunde
 
Öl-Schock nach Iran-Invasion: Droht der Weltwirtschaft jetzt der finale Todesstoß?
Der globale Energiemarkt erlebt derzeit seinen schwärzesten Moment seit Jahrzehnten. […] (00)
bitcoin, table, courses, finance, virtual, crypto, currency, money, coin, computer
Das Unternehmen Strategie, der weltweit größte Unternehmenshalter von Bitcoin, hat […] (00)
man, business, adult, suit, bitcoin, cryptocurrency, blockchain, crypto, formal, confident
Die On-Chain-Analysefirma Glassnode berichtete am 8. März, dass etwa 36,8 Milliarden […] (00)
Jens Spahn am 06.03.2026
Berlin - Die Generalstaatsanwaltschaft Berlin hat das Verfahren gegen […] (03)
Kena: Bridge of Spirits kommt endlich für die Nintendo Switch 2
Kena: Bridge of Spirits erschien im September 2021 zunächst exklusiv für PlayStation […] (00)
Heated Rivalry-Star Connor Storrie
(BANG) - 'Heated Rivalry' erobert aktuell die Welt im Sturm – doch beinahe hätte eine […] (00)
trading, investing, stocks, options, dow, nasdaq, downtown, profit, tesla, bitcoin
KuCoin hat laut dem neuesten jährlichen Exchange Leader Report von CryptoQuant die […] (00)
Angriff auf Mädchenschule im Iran
Teheran/New York (dpa) - Investigativjournalisten haben Zweifel an der Behauptung von […] (01)
 
 
Suchbegriff