Diplomatie im Schneckentempo: Verhandlungen um Hamas-Geiseln stocken
Inmitten lautstarker Demonstrationen von Tausenden Israelis, die das Ende des Gaza-Konflikts und die Freilassung von Geiseln fordern, stehen die indirekten Verhandlungen zwischen der israelischen Regierung und der Hamas weiterhin auf wackeligen Beinen. Diese Demonstrationen, die jeden Samstagabend die Großstädte Israels erhellen, haben das Ziel, Druck auf Premierminister Benjamin Netanjahu auszuüben, einen Deal mit den Entführern zu schließen. Die Familien der Verschleppten hegen die Hoffnung, dass eine Vereinbarung den 15-monatigen Krieg im Gazastreifen beenden und die Heimkehr der Geiseln ermöglichen könnte.
Der israelische Fernsehsender Channel 12 berichtet von schleppenden Gesprächen und keinem Durchbruch in Sicht. Die Verhandlungen in Doha, bei denen Katar, Ägypten und die USA als Vermittler fungieren, verlaufen zäh, da in vielen Punkten große Meinungsverschiedenheiten bestehen. Besonders die Frage, welche Geiseln gegen welche palästinensischen Gefangenen ausgetauscht werden sollen, bleibt umstritten. Die teilnehmenden Familien der vermissten Personen drängen auf eine zügige Lösung, um das Leid ihrer Angehörigen zu beenden.
Mit Spannung wurde auch ein weiteres Geisel-Video beobachtet, das die Hamas kürzlich veröffentlichte. Israels Regierung sieht solche Videos als psychologische Kriegsführung an, die in die Verhandlungen einfließen sollen. Die Familie der im Video gezeigten Liri Albag fordert eindringlich die Rückkehr der jungen Soldatin. Premierminister Netanjahu versicherte, dass die Regierung unermüdlich an der Freilassung aller Geiseln arbeite. Gleichzeitig sieht sich Netanjahu kritischen Stimmen ausgesetzt, die ihm vorwerfen, den Konflikt zu verlängern, um persönliche politische Vorteile zu sichern. Solche Vorwürfe bestreitet er, während er sich zugleich gegen innerparteilichen Druck und Korruptionsvorwürfe verteidigen muss.
Am Rande des Gaza-Konflikts war es zu einem Zwischenfall mit einer Rakete aus dem Jemen gekommen. Eine von der Huthi-Miliz abgefeuerte Rakete wurde von der israelischen Luftabwehr abgefangen, bevor sie die Grenze Israels überqueren konnte. Dieser Angriff steht im Kontext einer sich verschärfenden Lage in der Region, die durch Raketenangriffe auf Israel und Schiffe im Roten Meer geprägt ist.
Derweil verteidigte US-Außenminister Antony Blinken die umfangreichen Waffenlieferungen an Israel, da das Land von vielen Seiten bedroht sei. Ungeachtet der Schwierigkeiten mit der Hamas plant die scheidende US-Regierung Waffenverkäufe im Umfang von acht Milliarden Dollar an Israel. Diese sollen dazu dienen, das Land in seiner Verteidigung zu stärken und weiteren größeren Konflikten vorzubeugen.

