Die Hongkong-Konvention: Neue Standards für nachhaltiges Schiffsrecycling
Der weltweite Schiffsrecycling-Sektor erlebt einen Wandel, da künftig internationale Regeln den Schutz von Mensch und Umwelt gewährleisten sollen. Mit der lang ersehnten Inkraftsetzung der Hongkong-Konvention wird ein wichtiger erster Schritt markiert, betont die Doktorandin Anja Binkofski vom Deutschen Schifffahrtsmuseum in Bremerhaven. Anlässlich dieser bedeutenden Entwicklung versammeln sich Akteurinnen und Akteure der maritimen Wirtschaft und Wissenschaft zu einem feierlichen nationalen Festakt.
Die Hongkong-Konvention, bereits 2009 von der Internationalen Seeschifffahrts-Organisation (IMO) verabschiedet, verlangte viele Jahre, um die notwendige Anzahl an Unterzeichnungen zu erreichen und tritt nun, 16 Jahre später, in Kraft. Zukünftig sollen alle Schiffe einen Gefahrenstoffpass führen, in dem kritische Materialien erfasst werden, um die Recyclingprozesse sicher und transparent zu gestalten, so Binkofski. Zudem müssen Werften zertifiziert werden, um einen festgelegten Standard an Arbeits- und Umweltschutz zu gewährleisten.
In der EU sind vergleichbare Vorschriften bereits in Kraft, doch auf globaler Ebene bedeutet die neue Konvention eine Angleichung der Standards. Bislang werden etwa 90 Prozent der auszumusternden Seeschiffe in Südasien demontiert, häufig unter äußerst prekären Bedingungen, die sowohl Mensch als auch Umwelt gefährden. Der Großteil dieser Abwrackarbeiten erfolgte an Stränden, was für die Arbeiter lebensgefährlich sein kann. Explosionsgefahren und unzureichender Schutz führten im letzten Jahr zu Todesfällen und Verletzungen, wie die NGO 'Shipbreaking Platform' berichtet.
Über Umweltauswirkungen hinaus sei es dringend notwendig, die 2009 beschlossenen Regeln weiterzuentwickeln, fordert Binkofski. Die Methode des Strandabbruchs müsse untersagt werden, auch wenn der Bau von Trockendocks mit erheblichen Kosten verbunden sei. Es liege an der Branche selbst, den notwendigen Druck auszuüben, um Verbesserungen zu erreichen.
In Norddeutschland sieht Binkofski Potenzial für eine wirtschaftliche Chance durch den Wandel im Schiffsrecycling. Emden und andere deutsche Standorte könnten von kleineren Projekten beginnen und später auch größere Containerschiffe recyceln. Der Stahl, den man gewinne, sei von großem Interesse für die maritime Industrie und darüber hinaus.
Die globale Schiffsalterung führt zu einem wachsenden Bedarf an Recycling-Kapazitäten. Die kommenden Jahre versprechen eine Vielzahl an Projekten für spezialisierte europäische Werften, während gleichzeitig die Bedingungen in Südasien verbessert werden müssen – eine Herausforderung und Chance zugleich.

