Spionage-Vorwurf

Deutschland weist russischen Diplomaten wegen Spionage aus

22. Januar 2026, 16:12 Uhr · Quelle: dpa
Russische Botschaft
Foto: Christoph Soeder/dpa
Wadephul spricht von klaren Worten gegenüber dem Botschafter.
Die Bundesregierung zieht Konsequenzen aus dem jüngsten Spionagefall und erklärt den stellvertretenden Militärattaché zur unerwünschten Person. Eine Verdächtige sitzt in Untersuchungshaft.

Addis Abeba/Berlin (dpa) - Deutschland weist nach der Festnahme einer mutmaßlichen Spionin für Russland einen Diplomaten der russischen Botschaft in Berlin aus. Das teilte der deutsche Außenminister Johann Wadephul am Rande eines Besuches in der äthiopischen Hauptstadt Addis Abeba mit. Das Auswärtige Amt bestellte den russischen Botschafter ein. 

«Ihm wurde mitgeteilt, dass ein als Diplomat akkreditierter Mitarbeiter der Botschaft der Russischen Föderation, der in Deutschland Spionage betrieben hat, mit sofortiger Wirkung zur Persona non grata erklärt wurde», hieß es aus dem Auswärtigen Amt dazu. Nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur handelt es sich um den stellvertretenden russischen Militärattaché.

Aus dem Auswärtigen Amt hieß es, der Mitarbeiter der Botschafter müsse Deutschland «umgehend verlassen». Und: «Dem Botschafter wurde im Auftrag des Außenministers mit Nachdruck mitgeteilt, dass Spionageaktivitäten in Deutschland durch die Bundesrepublik Deutschland nicht toleriert werden und Konsequenzen haben.»

Mutmaßliche Spionin sitzt in Untersuchungshaft

Die förmliche Einbestellung eines Botschafters gilt als scharfes diplomatisches Mittel, mit dem die Regierung des Gastlandes eine deutliche Verstimmung signalisiert.

Die mutmaßliche Spionin für Russland sitzt nach ihrer Festnahme in Berlin in Untersuchungshaft. Wie die deutsche Bundesanwaltschaft mitteilte, setzte ein Ermittlungsrichter des Bundesgerichtshofs den Haftbefehl gegen die Deutsch-Ukrainerin in Vollzug.

Die Bundesanwaltschaft – Deutschlands oberste Anklagebehörde – wirft ihr vor, den russischen Geheimdienst mit Informationen versorgt zu haben. Die Beschuldigte soll mit einem Geheimdienstmitarbeiter in der russischen Botschaft in Kontakt gewesen sein und ihm Informationen mit Bezug zum Krieg in der Ukraine verschafft haben.

Minister: Beobachten Russland «sehr genau»

Wadephul sagte, man habe gegenüber dem russischen Botschafter «klargemacht, dass das ein feindseliger Akt ist und dass geheimdienstliche Tätigkeiten in unserem Land völlig inakzeptabel sind – insbesondere unter dem Deckmantel der Diplomatie». Das deutsche Vorgehen zeige: «Wir beobachten sehr genau, was Russland macht, und wir gehen dagegen vor. Russlands aggressives Handeln hat Konsequenzen.»

Die mutmaßliche Spionin soll sich unter anderem zu Standorten der Rüstungsindustrie und geplanten Drohnenlieferungen an die Ukraine erkundigt haben. Dabei habe sie sich auch an ehemalige Mitarbeiter aus dem Bereich des Verteidigungsministeriums gewandt, die sie persönlich kannte.

Durchsuchungen in Brandenburg, Rheinland-Pfalz und München

Zeitgleich zur Festnahme durchsuchte die Polizei am Mittwoch Räumlichkeiten der Frau sowie von zwei weiteren Beschuldigten im rheinland-pfälzischen Landkreis Ahrweiler, im Brandenburger Havelland und in München. Die beiden Mitbeschuldigten sind laut Bundesanwaltschaft auf freiem Fuß. Weitere Angaben machte die Strafverfolgungsbehörde nicht zu ihnen.

Nach dpa-Informationen richtete sich der Einsatz am Mittwoch auch gegen zwei ehemalige Angehörige der Bundeswehr. Es handele sich um einen erst kürzlich in Pension gegangenen Stabsoffizier und einen Beamten des höheren Dienstes, der die Bundeswehr vor mehr als 15 Jahren verlassen habe, hieß es aus Militärkreisen. Sie stünden im Verdacht, gegenüber einer Mittelsperson dienstliche Informationen preisgegeben zu haben.

Prorussische Netzwerkerin

Die festgenommene Deutsch-Ukrainerin lebt nach dpa-Informationen schon seit einigen Jahrzehnten in Deutschland. Zuletzt bot sie unter anderem Marketing-Dienstleistungen an. Als prorussische Netzwerkerin sei sie schon länger bekannt, heißt es aus Sicherheitskreisen. Im politischen Berlin war sie präsent und nahm an verschiedenen Veranstaltungen von Verbänden und Organisationen teil. 

Das Verfahren der Bundesanwaltschaft geht laut der obersten deutschen Strafverfolgungsbehörde auf Erkenntnisse des Bundesamts für Verfassungsschutz und des Bundesamts für den Militärischen Abschirmdienst zurück. Die polizeilichen Ermittlungen liegen beim Bundeskriminalamt.

Auch mutmaßliche Unterstützer prorussischer Milizen in U-Haft

Die Bundesanwaltschaft hatte am Mittwoch in Brandenburg außerdem zwei mutmaßliche Unterstützer der prorussischen sogenannten Volksrepubliken Donezk und Lugansk festnehmen lassen. Auch sie sind mittlerweile in Untersuchungshaft. Einen Zusammenhang zwischen diesem Verfahren und den Spionage-Ermittlungen soll es aber nicht geben.

Seit 2016 sollen die beiden mutmaßlichen Terrorunterstützer – ein Russe und ein Deutscher – in einem Verein bedeutende Rollen gespielt haben, der den Transport von Versorgungsgütern und Medizinprodukten, aber auch Drohnen in den ukrainischen Donbass zugunsten von prorussischen Milizionären der sogenannten Volksrepubliken Donezk und Lugansk organisierte. Die Bundesanwaltschaft stuft diese Gruppen als terroristische Vereinigungen ein.

Spionage / Diplomatie / Deutschland / Russland / Ukraine / Konflikte
22.01.2026 · 16:12 Uhr
[0 Kommentare]
Junge Liberale (Archiv)
Berlin - Vor der Neuwahl des FDP-Vorstands drängen die Jungen Liberalen darauf, die Partei möglichst breit aufzustellen. Es sei wichtig, "die Vielfalt liberaler Strömungen auszuhalten - statt eine zu opfern, um eine andere bei Laune zu halten", heißt es in einer Positionierung der FDP-Nachwuchsorganisation zum Bundesparteitag, über die die Zeitungen des […] (01)
vor 12 Minuten
Katie Price hat erklärt, dass sie ihren Ehemann Lee Andrews vermisst – neun Tage nach dessen Verschwinden.
(BANG) - Katie Price hat erklärt, dass sie ihren Ehemann Lee Andrews vermisst – neun Tage nach dessen Verschwinden. Das frühere Glamour-Model feierte seinen 48. Geburtstag am Freitag (22. Mai) allein und veröffentlichte in den sozialen Medien ein bewegendes Video mit Fotos von sich und Lee, der seit vergangener Woche nicht mehr gesehen wurde, als er […] (01)
vor 22 Stunden
KI
Stuttgart (dpa) - Künstliche Intelligenz ist in den Zukunftsplanungen der deutschen Wirtschaft fest verankert, doch auf dem Weg in den produktiven Arbeitsalltag in den Unternehmen verliert sie oft massiv an Schwung. Das ist das zentrale Ergebnis einer Studie des IT-Beratungsunternehmens Zoi. Für einen erfolgreichen KI-Einsatz mangle es weniger an Geld, sondern an der […] (00)
vor 3 Stunden
GTA 6: Der nächste Trailer könnte näher sein, als viele denken
GTA 6 ist wieder genau dort, wo Rockstar Games es offenbar am liebsten hat: mitten im Kopf der Fans. Kein Countdown. Keine große Ankündigung. Kein offizieller Trailer-Termin. Und trotzdem reicht ein einzelner Satz in einem Finanzbericht, damit die Spekulationen sofort wieder explodieren. Der neue Auslöser kommt aus dem aktuellen Jahresbericht von […] (00)
vor 52 Minuten
Eishockey kann nicht mit Fußball schritthalten - DTM ganz schwach
Obwohl der DFB schon sehr viel Aufmerksamkeit von Sport-Fans absorbierte, lief bei ProSieben parallel auch noch Eishockey. Zur Primetime gab es bei den Unterföhringern von ProSieben trotz Pokal-Finale das nächste Spiel der deutschen Männer bei der diesjährigen Eishockey WM zu sehen - sie spielten gegen Österreich. Nach ihrem kapitalen Fehlstart konnte die Mannschaft zuletzt im Match gegen […] (00)
vor 1 Stunde
Joao Fonseca
Paris (dpa) - Bei der Titeljagd im Tennis herrscht aktuell Langeweile. Jannik Sinner dominiert, und bei einer Rückkehr des aktuell verletzten Carlos Alcaraz läuft alles auf ein Duell der beiden Ausnahmekönner hinaus. Doch es gibt ein paar Jungstars, die sie herausfordern wollen. Das sind die Top-Talente bei den am Sonntag beginnenden French Open. Rafael […] (00)
vor 2 Stunden
Tragisches Unglück in der Kohlemine In der nördlichen Provinz Shanxi kam es am Freitagabend zu einer verheerenden Gasexplosion in einer Kohlemine, die die Zahl der Todesopfer zunächst auf 90 bezifferte, bevor sie auf 82 korrigiert wurde. Dies wurde von Guo Xiaofang, dem Leiter der Kreisregierung von Qinyuan, in einer Pressekonferenz bekanntgegeben. Die […] (00)
vor 35 Minuten
Modellbau Utensilien professionell entfetten und reinigen
Mörfelden-Walldorf, 23.05.2026 (lifePR) - Modellbau Utensilien professionell entfetten und reinigen Jeder Modellbauer kennt das Problem: fettige Fingerabdrücke, Staub oder Schweiß auf empfindlichen Bauteilen. Gerade beim Kleben oder Lackieren ist eine absolut saubere Oberfläche entscheidend, damit die Arbeit gelingt und das Modell ein perfektes Finish […] (00)
Gestern um 08:00
 
Joschka Fischer (Archiv)
Berlin - Der frühere Außenminister Joschka Fischer (Grüne) warnt die CDU vor einer […] (00)
Alexander Dobrindt (Archiv)
Berlin - Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU) warnt davor, Menschen mit […] (00)
Strom aus Wellen: In Spanien liefert eine riesige Boje Strom ans Netz
Der Ozean bewegt sich pausenlos. Seit Jahrzehnten versuchen Ingenieur: innen, diese […] (04)
weizenfeld, weizen, mais, field, landwirtschaft, sommer, getreidefeld, goldgelb, ahre, natur
Pfingstsonntag unter meist klarem Himmel Pfingstsonntag zeigt sich der Westen und […] (00)
Credit: The Ivors with Amazon Music 2026, Dave Benett Agency
(BANG) - Harry Styles gestand, dass er seine "Jungfräulichkeit verloren" habe, […] (02)
Finale von «The Late Show With Stephen Colbert» stellt Zuschauerrekord auf
Die Abschiedsausgabe der CBS-Show erreichte mehr Zuschauer als die eigentliche Premiere im Jahr […] (01)
10 Jahre DS-GVO: Datenschutz verankert, aber jedes Jahr aufwendiger
Zehn Jahre nach dem Start der der europäischen Datenschutz-Grundverordnung (DS-GVO) […] (00)
FC Bayern München - VfB Stuttgart
Berlin (dpa) - Vincent Kompany kam als Letzter mit dem DFB-Pokal aus der Bayern- […] (00)
 
 
Suchbegriff