Prozess

Deutscher in Spanien wegen Mordes schuldig gesprochen

04. Februar 2022, 17:09 Uhr · Quelle: dpa
Vor knapp drei Jahren wurden eine Deutsche und ihr Sohn auf Teneriffa erschlagen, der kleinere Bruder konnte fliehen. Jetzt ist der Mann der Frau und Vater der Kinder wegen Mordes schuldig gesprochen worden.

Santa Cruz de Tenerife (dpa) - Der 46-Jährige zeigte keine Regung, als die Geschworenen ihn am Freitag vor Gericht in Santa Cruz de Tenerife des zweifachen Mordes und des versuchten Mordes in einem Fall für schuldig befanden.

Nur manchmal beugte sich der Mann aus Sachsen-Anhalt zu seiner Übersetzerin, während ein Sprecher der neun Geschworenen am siebten Verhandlungstag das vernichtende Urteil über ihn verlas. Das Strafmaß muss nun der Richter aufgrund der Entscheidung der Geschworenen festlegen.

Dem Deutschen drohen eine lebenslange Freiheitsstrafe, die erst nach 25 Jahren überprüfbar wäre. Die Verteidigung monierte Verfahrensfehler und kündigte an, sie werde Berufung einlegen.

Einstimmiges Urteil

Das Urteil der Geschworenen war einstimmig. Sie seien zu der Überzeugung gelangt, dass der Angeklagte am 23. April 2019 seine von ihm getrennt in Halle lebende Frau und den damals zehnjährigen gemeinsamen Sohn während einer Wanderung vor und in einer Höhle im Süden der Ferieninsel mit einem schweren Stein erschlagen habe, sagte der Sprecher der Jury. Zudem habe er den Tod des damals siebenjährigen kleineren Bruders, der gerade noch rechtzeitig fliehen konnte, in der Wildnis in Kauf genommen. Die Taten seien besonders grausam, gegen Familienmitglieder und mit Heimtücke begangen worden und die Mordmerkmale nach spanischem Recht deshalb gegeben.

Der Argumentation der Verteidigung, der Angeklagte sei zum Tatzeitpunkt wegen Einnahme starker Medikamente nicht im Vollbesitz seiner geistigen Fähigkeiten und damit nicht voll schuldfähig gewesen, folgten die Geschworenen nicht. Dagegen hätten Aussagen von Polizisten und auch von Sachverständigen gesprochen, die während des Prozesses gehört worden waren.

Prozessauftakt war Dienstag

Zum Prozessauftakt am Dienstag vergangener Woche hatte der Angeklagte gesagt, er sei seit 2017 wegen des angenehmeren Klimas immer während der Wintermonate auf Teneriffa gewesen. Gegen Schmerzen und Depressionen habe er Medikamente genommen, auch Morphium. «Bei einer Operation wurden Fehler gemacht» - daher sei er wegen einer schweren Behinderung zum Frührentner erklärt worden.

In der Ehe habe es nie Gewalt gegeben, auch im Trennungsjahr nicht, versicherte der Angeklagte. In der Höhle sei aber alles ganz anders gewesen: Seine Frau habe sich am Kopf verletzt, stark geblutet und dann die Nerven verloren, weil er wegen fehlenden Handynetzes keine Hilfe habe herbeirufen können. «Sie hat rumgeschrien, ich würde sie verbluten lassen (...), und dann hat sie begonnen, um sich zu schlagen.» Er sei umgefallen. «Ich lag am Boden, da war plötzlich alles ganz komisch, ich hatte ein Rauschen und Pfeifen im Ohr.»

Plötzlich seien viele Steine auf ihn geworfen worden. «Ich war total in Panik, hatte so eine Todesangst, da habe ich die Steine gegriffen und sie zurückgeworfen.» Dann sei er seinen jüngeren Sohn suchen gegangen. Bei der Rückkehr in der Höhle habe er die blutüberströmten Körper der Frau und des älteren Sohnes (10) in der Höhle gefunden. Seine Frau habe noch gelebt, sei kurz aufgestanden und dann endgültig umgefallen.

Die Verteidigung argumentierte, der Angeklagte sei nicht im Vollbesitz seiner geistigen Kräfte gewesen. Die Frau habe sich scheiden lassen wollen. «Er ist ein sehr gequälter Mensch, der viel gelitten hat», sagte sein spanischer Anwalt Alberto Suárez Bruno der Deutschen Presse-Agentur kurz vor dem Prozess. «Es war ein Drama, aber er ist auch ein Opfer.»

Nur ein Augenzeuge

Einziger Augenzeuge der Tat ist der damals siebenjährige Sohn. Er floh nicht zum Auto der Familie, sondern nahm einen anderen Weg und irrte stundenlang in der Gegend herum, bis er zwei Jugendlichen über den Weg lief, die ihn zu einer Niederländerin brachten, die Deutsch sprach. Sie nahm sich des geschockten und weinenden Kindes an und alarmierte die Polizei. Der Junge, der seither wieder in Deutschland lebt, wurde damals auf Teneriffa von Psychologen befragt und belastete seinen Vater schwer. Später wurden die Leichen in der Höhle gefunden. Sie waren derart entstellt, dass sie nur aufgrund von DNA-Untersuchungen identifiziert werden konnten.

Noch am Abend der Tat nahmen Beamte den Frührentner, der getrennt von seiner Frau auf Teneriffa lebte, in dessen Wohnung in Adeje gut zehn Kilometer vom Tatort entfernt fest. Nach Angaben der Anklage hatte er sich nach der Tat gewaschen, umgezogen und sich der blutbefleckten Kleidung entledigt, die in einer Plastiktüte in einem Müllcontainer in der Nähe seiner Wohnung gefunden worden sei.

Neben der Haftstrafe beantragte die Anklage auch, den Deutschen zur Zahlung von 300 000 Euro an den überlebenden Sohn sowie 200 000 Euro an die Eltern der getöteten Frau zu verurteilen. Zudem solle ein Kontaktverbot zu dem Sohn für zehn Jahre nach der Verbüßung der Strafe ausgesprochen und dem Vater das Sorgerecht entzogen werden.

Kriminalität / Prozesse / Justiz / Spanien / Deutschland / Sachsen-Anhalt
04.02.2022 · 17:09 Uhr
[1 Kommentar]
Schuldenuhr am Haus Reinhardtstraße 52
Berlin - In der Debatte um eine Reform der Schuldenbremse warnt die CDU vor einer Aufweichung der geltenden Regelung. "Ich will nicht in eine Endlosschleife des Schuldenmachens mit explodierenden Zinskosten und nicht mehr beherrschbaren Staatsfinanzen geraten", sagte der haushaltspolitische Sprecher der Unionsfraktion, Christian Haase (CDU), der […] (00)
vor 12 Minuten
Liza Minnelli
(BANG) - Liza Minnelli hat Details über ihre turbulente Beziehung mit dem Filmemacher Martin Scorsese enthüllt. Die US-Schauspielerin beschreibt in ihren neuen Memoiren ihre Affäre mit dem Regisseur, die während der Dreharbeiten zum Musicalfilm 'New York, New York' im Jahr 1977 stattgefunden haben soll. Laut Minnelli war es eine geheime Beziehung, die […] (00)
vor 1 Stunde
Laifen Wave Pro – Eine neue Dimension des Zähneputzens
Laifen, das innovative Lifestyle-Tech-Unternehmen, spezialisiert auf leistungsstarke Geräte für die Körperpflege, läutet die nächste Stufe der Zahnpflege ein: Mit der brandneuen elektrischen Zahnbürste  Wave Pro  erweitert Laifen sein Portfolio um ein innovatives Premiumprodukt, das modernste Technologie, hochwertige Verarbeitung und nutzerorientierte […] (00)
vor 2 Stunden
EVERSPACE bekommt Nachfolger: ROCKFISH Games erhält Rekordförderung von 8 Millionen Euro
Für Fans der EVERSPACE-Reihe war es bislang nur eine leise Hoffnung – nun ist es offiziell. Das Hamburger Studio ROCKFISH Games hat eine Förderung erhalten, die nicht nur die Zukunft des Studios auf solide Beine stellt, sondern auch ein klares Signal für die gesamte deutsche Spielebranche sendet. Und das nächste große Weltraumabenteuer rückt damit […] (00)
vor 15 Minuten
Mit Staffelstart: «In aller Freundschaft» führt Gebärdensprache ein
Damit ist die Produktion laut MDR eine der ersten fiktionalen Serien im deutschen Fernsehen, die vollständig barrierefrei angeboten wird. Der MDR möchte ein Zeichen für mehr Inklusion setzen: Mit dem Start der 29. Staffel bietet der Mitteldeutscher Rundfunk (MDR) In aller Freundschaft erstmals zusätzlich zur bisherigen Version auch mit Deutscher Gebärdensprache (DGS) an. Die neue Serienstaffel […] (00)
vor 1 Stunde
Iran-Krieg - Irans Fußballerinnen
Sydney/Kuala Lumpur (dpa) - Einige weinten, andere umarmten sich lange, bevor sie ihre Plätze im Flugzeug einnahmen: Die Abreise der iranischen Frauen-Fußballnationalmannschaft aus Australien verlief Augenzeugen zufolge äußerst emotional. Für viele Spielerinnen dürfte damit die Chance auf Asyl in Down Under endgültig vorbei sein. Sieben Teammitglieder hatten sich […] (01)
vor 3 Stunden
bitcoin, blockchain, currency, coin, gold, money, finance, digital, crypto, payment
Der PI-Token von Pi Network verzeichnete kürzlich einen Kursanstieg, was auf die kürzlich implementierten und bevorstehenden Updates zurückzuführen ist. Der Token gehört zu den wenigen Altcoins, die derzeit im Plus sind. Die Pi Network-Community erwartet neben dem Abschluss des Protokoll-Updates v20.2 am morgigen Tag auch den Pi Day am 14. März. […] (00)
vor 1 Stunde
LkSG in Deutschland, VSoR in der Schweiz: Validato hilft bei der Supply Chain Compliance
Zürich / Wien / München, 11.03.2026 (PresseBox) - Mit dem Lieferkettensorgfaltspflichtengesetz (LkSG) in Deutschland und dem Gegenvorschlag zur Konzernverantwortungsinitiative (VSoR) in der Schweiz ist die Compliance in der Lieferkette zum Board-Thema geworden. Unternehmen haften zunehmend für Missstände bei ihren Zulieferern. Der Fokus liegt meist auf […] (00)
vor 1 Stunde
 
Julia Klöckner (Archiv)
Berlin - Bundestagspräsidentin Julia Klöckner (CDU) ist am Mittwochmorgen zu einem […] (01)
Hotel (Archiv)
Wiesbaden - Im Januar 2026 haben die Beherbergungsbetriebe in Deutschland 25,5 […] (00)
Kamelmilch-Eis
Rottenburg am Neckar/Las Vegas (dpa) - Beim Eismachen ist Thomas Micolino […] (00)
15 Jahre nach der Reaktorkatastrophe von Fukushima in Japan
Fukushima (dpa) - Mit Gebeten, Blumen und Kerzen haben Menschen in Japan der […] (02)
Amazon verkauft «G20» an das ZDF
Der Actionthriller «G20», ursprünglich exklusiv bei Prime Video gestartet, feiert im ZDF seine […] (00)
Franz Ferdinand
(BANG) - Franz Ferdinand haben die Israelischen Verteidigungsstreitkräfte (IDF) […] (02)
Bilanz-Kosmetik bei Dürr: Spartenverkauf rettet das Konzernergebnis
Auf den ersten Blick lesen sich die Zahlen von Dürr wie eine Erfolgsgeschichte: Ein satter […] (00)
ATP-Tour - Indian Wells
Indian Wells (dpa) - Tennis-Profi Alexander Zverev steht beim Masters in Indian Wells im […] (02)
 
 
Suchbegriff