Deutsche Schifffahrt trotzt Iran-Krieg: Versicherungsbedingungen im Wandel
Versicherbarkeit von deutschen Schiffen in der Golfregion
Trotz der anhaltenden Konflikte im Iran bleibt die Möglichkeit bestehen, deutsche Schiffe in der Golfregion zu versichern. Der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) hat dies bestätigt und betont, dass die Versicherer zwar ihre Konditionen und Preise anpassen, jedoch nicht aus dem Markt austreten. Jörg Asmussen, Hauptgeschäftsführer des GDV, erklärte: "Versicherer passen Konditionen und Preise an, ziehen sich aber nicht zurück."
Kriegsrisiken-Versicherungen weiterhin verfügbar
Laut dem Verband Deutscher Reeder (VDR) ist es für Reedereien üblich, Kriegsrisiken-Versicherungen für Fahrten durch als riskant geltende Gebiete abzuschließen. Der VDR vertritt auch Schifffahrtsunternehmen, deren Schiffe im Persischen Golf festsitzen, während der Verkehr in der strategisch wichtigen Straße von Hormus stark eingeschränkt ist. Aktuellen Berichten zufolge sind mindestens 50 Schiffe deutscher Reeder in dieser Region blockiert.
Kündigungsrechte und steigende Kosten
Nach dem Ausbruch des Iran-Kriegs Ende Februar nutzten viele Schiffsversicherer ihre Kündigungsrechte bei bestehenden Kriegsrisiken-Versicherungen. Der VDR berichtete, dass die Versicherer daraufhin Deckungen zu deutlich höheren Preisen anboten. Diese Preisanpassungen sind eine gängige Praxis, wenn sich die Risikolage kurzfristig verändert. Hohe Zusatzkosten sind die Folge, wobei Reedereien für große Handelsschiffe Summen im sechs- bis siebenstelligen Bereich aufbringen müssen, um diese gegen Kriegsschäden abzusichern.
Vervielfachung der Versicherungsprämien
Laut Raik Becker, einem Versicherungsmakler bei Marsh Risk, haben sich die Preise für Kriegsrisiken-Versicherungen seit dem Kriegsausbruch vervielfacht. Diese Prämien liegen erfahrungsgemäß im Schnitt fünf- bis sechsmal höher als zuvor. Für eine versicherte Fahrt durch Hochrisikogebiete wie den Golf müssen Reedereien zwischen drei und sieben Prozent des Schiffswertes als Prämie einplanen.
Auswirkungen auf den Öl- und Gashandel
Die Straße von Hormus, eine der wichtigsten Handelsrouten für Öl und Gas, ist durch die Bedrohungen des Iran stark gefährdet, was zu einem weitgehenden Stillstand des Schiffsverkehrs führt. Die USA haben in Reaktion darauf eine Seeblockade eingerichtet, was die geopolitischen Spannungen weiter anheizt. Für Investoren und Aktionäre stellt sich die Frage, wie sich diese Entwicklungen auf die Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Schifffahrt und die Attraktivität des Standorts auswirken werden. Wachstum und Innovation könnten durch die steigenden Kosten und die Bürokratie in Mitleidenschaft gezogen werden, was langfristig den Shareholder Value beeinträchtigen könnte.

