Deutsche Braubranche im Konsumkater: Historischer Absatzrückgang trifft Hersteller
Ein historischer Rückgang im Bierabsatz lässt die deutsche Braubranche erzittern. Laut der Brauerei Veltins sank der Verkauf von alkoholhaltigem Bier in den ersten fünf Monaten um markante 6,8 Prozent gegenüber dem Vorjahr – eine Entwicklung, die der Veltins-Vertriebschef Rainer Emig als die gravierendste seit der Wiedervereinigung bezeichnet. Der Verlust von rund 2,3 Millionen Hektolitern markiert das doppelte des sonst üblichen Rückgangs im schwindenden Markt, wobei allein der Verlust in Nordrhein-Westfalen bei mehr als 400.000 Hektolitern liegt, und das trotz eines zunächst günstigen Klimas im ersten Halbjahr.
Erstaunlicherweise konnte die Branche selbst in den restriktiven Pandemiezeiten des Jahres 2021 mehr Bier verkaufen als in den ersten Monaten dieses Jahres. Die Erwartungen, den heftigen Einbruch noch im laufenden Jahr wettmachen zu können, sind gering. Der Brauereichef Volker Kuhl beschrieb, dass das sonnige Wetter keine durchschlagende Wirkung auf das Konsumverhalten hatte, da Konsumenten lieber feste bei ihrem Budget blieben. Der Weg zur Normalisierung wird frühestens 2026 erwartet, da eine deutliche Besserung des Konsumklimas erst dann in Sicht sei.
Trotz dieser widrigen Umstände meldete Veltins ein leichtes Verkaufsplus von 2,3 Prozent und erreichte im ersten Halbjahr 2025 einen Absatz von 1,78 Millionen Hektolitern. Wachstumsträger sind offenbar neue Produkte, während das traditionsreiche Veltins Pilsener um 1,3 Prozent zulegte und der Fassbierumsatz etwa fünf Prozent einbüßte. Derweil wird alkoholfreien Bieren ein harter Wettbewerb attestiert, mit dem ernüchternden Resümee, dass sie bestenfalls eine marginale Linderungswirkung in der Krise haben. Für Volker Kuhl sind sie jedoch kein Allheilmittel, denn im Handel können alkoholfreie Varianten lediglich ein Drittel des Rückgangs bei alkoholhaltigem Bier abfedern.
Die Situation bleibt angespannt: Kuhl prognostiziert, dass mancherorts Brauereien ihre Pforten für immer schließen oder veräußert werden müssen, da nicht jede es schafft, unter den aktuellen Bedingungen weiter zu operieren.

