Deutsche Bahn setzt Meilenstein mit grünem Stahl: Ein Impuls für die Zukunft der Stahlindustrie
Die Deutsche Bahn bricht mit Traditionen und schlägt mit einem Pilotprojekt ein neues Kapitel in ihrem Bestreben nach Nachhaltigkeit auf. Erstmals will der Konzern umweltfreundlich erzeugten Stahl in sein Schienennetz integrieren. Dafür wurde ein Liefervertrag über rund 1.000 Tonnen sogenanntem "grünen" Stahl mit Saarstahl geschlossen. Diese Schienen sollen in Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz und im Saarland verlegt werden, wie aus einer gemeinsamen Pressemitteilung hervorgeht.
Zeitlich passgenau zum bevorstehenden "Stahlgipfel" im Kanzleramt, soll das Vorhaben von DB InfraGO, einer Infrastrukturgesellschaft der Bahn, und dem saarländischen Stahlproduzenten die Richtung für eine nachhaltigere Zukunft weisen. Bei dem Gipfel diskutieren Vertreter der Bundespolitik mit der Industrie und den Länderchefs über Wege aus der augenblicklichen Krise der Stahlbranche. Im Zentrum des Projekts steht Stahl von Saarstahl Rail. Dieses Tochterunternehmen nutzt im französischen Werk Saarstahl Ascoval Elektrolichtbogenöfen, die Altmetall in frischen Stahl verwandeln, und reduziert so die Treibhausgas-Emissionen um bis zu 70 Prozent im Vergleich zu klassischen Hochofenmethoden.
Obwohl der finanzielle Umfang des Vertrags nicht beziffert wurde, signalisiert diese Kooperation den Willen zu nachhaltigen Lieferketten in der Bahnindustrie. Dennoch, das Projekt ist vor allem ein symbolträchtiger Einstieg: Die 1.000 Tonnen entsprechen lediglich 22 Kilometer Schienen – eine kleine Menge verglichen mit den 37,2 Millionen Tonnen Rohstahl, die in Deutschland im Jahr 2024 produziert werden.
Philipp Nagl, Chef der DB InfraGO, sieht den Ansatz als Beispiel für erfolgreiches Zusammenspiel von Klimafreundlichkeit und regionaler Wertschöpfung. Jonathan Weber von Saarstahl Rail lobt das Vorhaben als starkes Signal für nachhaltiges Bauen. Erst kürzlich hatte sein Unternehmen mit der französischen SNCF einen bedeutenden Vertrag für CO2-reduzierte Schienen abgeschlossen.
Die Transformation der Stahlindustrie in Richtung CO2-Reduzierung ist entscheidend für das Erreichen von Klimaschutzvorgaben. Gleichzeitig sind die höheren Kosten für „grünen“ Stahl eine Herausforderung. Diese Tatsache wird verdeutlicht durch das kürzliche Aus von ArcelorMittals Plänen zur Dekarbonisierung ihrer Werke in Bremen und Eisenhüttenstadt. Die Abhängigkeit von kriselnden Abnehmerbranchen, insbesondere der Automobilindustrie, sowie hohe Energiepreise und globale Handelsbedingungen belasten zusätzlich die Wettbewerbsfähigkeit der Branche.

