Justiz

Deutsch-Iraner in Teheran zum Tode verurteilt

21. Februar 2023, 16:49 Uhr · Quelle: dpa
Nach einem monatelangen Prozess wurde ein Deutsch-Iraner im Iran zum Tode verurteilt. Menschenrechtler kritisieren das Verfahren als politisch motiviert. Außenministerin Baerbock droht mit Konsequenzen.

Teheran (dpa) - Der Deutsch-Iraner Djamshid Sharmahd ist im Iran in einem umstrittenen Prozess zum Tode verurteilt worden. Ein Revolutionsgericht in Teheran macht den 67-Jährigen unter anderem für einen Terroranschlag verantwortlich, wie das Justizportal Misan am Dienstag bekanntgab. Gegen das Urteil könne vor dem Obersten Gerichtshof Berufung eingelegt werden, hieß es weiter.

Die Justiz macht Sharmahd für die Planung mehrerer Terroranschläge verantwortlich. Außerdem legte das Gericht ihm die Kooperation mit ausländischen Geheimdiensten zur Last. Überprüfen lassen sich die Vorwürfe nicht. Gemäß islamischer Rechtsauffassung im Iran wurde der 67-Jährige wegen «Korruption auf Erden» angeklagt.

Außenministerin Annalena Baerbock (Grüne) kritisierte das Urteil als «absolut inakzeptabel» und drohte mit Konsequenzen. «In einem Verfahren, was kein rechtsstaatliches Verfahren ist, ein Todesurteil auszusprechen, das widerspricht jeglichem internationalen Recht», sagte Baerbock in Pazarcik in der Türkei. Die Nachricht aus dem Iran sei «schockierend». Baerbock kritisierte auch den fehlenden konsularischen Zugang zu Sharmahd.

Seit Sommer 2020 im Iran inhaftiert

Sharmahd wurde im Sommer 2020 Berichten zufolge vom iranischen Geheimdienst in Dubai festgenommen und in den Iran gebracht. Seitdem ist er in Teheran inhaftiert. Zuvor lebte Sharmahd jahrelang in den USA. Seine Familie und Menschenrechtsgruppen wiesen die Vorwürfe gegen ihn in der Vergangenheit zurück.

Sharmahd engagierte sich in den USA in der Exil-Oppositionsgruppe «Tondar» (Donner), die sich für eine Rückkehr der Monarchie einsetzt. Irans Justiz macht die Organisation für einen Anschlag im Jahr 2008 in einer Moschee der Stadt Shiras mit mehreren Toten verantwortlich. Drei Männer wurden deswegen bereits hingerichtet.

Sharmahd beteiligte sich als Ingenieur und IT-Experte auch an einem Radioprogramm der Exilgruppe. Auf der Webseite der Gruppe, die inzwischen zwar gelöscht ist, sich aber archiviert abrufen lässt, hieß es 2019, die Radioshow sende Inhalte zu Politik, Geschichte, aber auch Anleitungen zum Widerstand. Tondar prangerte dort die Verfolgung seiner Mitglieder durch die Islamische Republik an.

Unklar ist, ob Scharmahd konsularischen Beistand von der deutschen Botschaft in Teheran erhalten kann. Der Iran behandelt Doppelstaatsbürger juristisch wie Iraner.

Amnesty: Öffentlicher Druck statt «stille Diplomatie»

Amnesty International forderte Deutschland zu entschlossenem Handeln auf. Es brauche nun öffentlichen Druck statt «stiller Diplomatie», sagte Katja Müller-Fahlbusch, Expertin für den Nahen Osten bei Amnesty International, laut einer Mitteilung. Bereits in der Vergangenheit hatte Amnesty das Verfahren als Schauprozess bezeichnet.

Scharfe Kritik am Verfahren übte auch die Vorsitzende des Menschenrechtsausschusses im Bundestag, Renata Alt (FDP). «Die Verurteilung zum Tod von Djamshid Sharmahd zeigt wieder einmal, wie grob und unmenschlich die iranische Justiz agiert. Sharmahd ist unschuldig und muss sofort freigesprochen werden», sagte Alt. «Diese inhumane Politik des Mullah-Regimes zeigt, wie dringend notwendig weitere, härtere Sanktionen gegen den Iran sind».

CDU-Chef Friedrich Merz hatte Anfang Januar angekündigt, Sharmahds politische Patenschaft zu übernehmen. «Mit meiner Patenschaft will ich ein Zeichen setzen für alle Männer und Frauen, die im Iran für ein freies, selbstbestimmtes Leben kämpfen», hieß es auf Merz' Twitter-Account. «Die Welt schaut zu, was im Iran passiert.»

Derzeit sind mehrere europäische Staatsbürger im Iran inhaftiert, viele von ihnen besitzen auch die iranische Nationalität. Kritiker werfen dem Iran vor, ausländische Staatsbürger als politische Geiseln festzusetzen. Teheran weist die Vorwürfe zurück und begründet die Festnahmen üblicherweise mit dem Vorwurf der Spionage.

Politik / Justiz / Djamshid Sharmahd / Iran / Deutschland
21.02.2023 · 16:49 Uhr
[2 Kommentare]
blume, lila, purple, garten, natur, close up, flower, blumenbeet, blüte, sommer
Sonne im Südwesten, Schauer und Gewitter im Norden und Osten Sonntag zeigt sich vor allem im Südwesten Sonne, während dichte Wolken vorherrschen und im Norden sowie Osten Schauer und einzelne Gewitter auftreten. Dort weht zudem ein windiges Wetter. Die Temperaturen erreichen 15 bis 27 Grad. In der Nacht zum Sonntag wechseln sich im Norden dichte […] (00)
vor 7 Minuten
Let's Dance
(BANG) - Gustav Schäfer verrät, wie viel Gewicht er während seiner 'Let’s Dance'-Teilnahme verloren hat. Der Tokio-Hotel-Drummer trainierte rund drei Monate lang für die RTL-Tanzshow. Letztendlich erreichte er mit seiner Tanzpartnerin Anastasia Maruster den sechsten Platz. Im Interview mit 'Bunte.de' enthüllte der 37-Jährige nun, wie sehr sich das […] (00)
vor 19 Stunden
Icon Composer 2 und SF Symbols 8: Neue Betas für Entwickler und Designer
Alle Entwickler und Designer können ab sofort die neuesten Betaversionen des Icon Composer 2 sowie von SF Symbols 8 nutzen. Während der Icon Composer die Erstellung von beeindruckenden Liquid-Glass-App-Symbolen ermöglicht, bringt SF Symbols als Apples aktualisierte Symbolbibliothek zahlreiche Neuerungen mit sich. Quelle: Christin Hume, Unsplash […] (00)
vor 16 Stunden
Gears of War: E-Day Entwicklungskosten sollen bei über 400 Millionen Dollar liegen
Die Kosten moderner AAA-Spiele steigen seit Jahren kontinuierlich an. Doch ein aktueller Bericht rund um Gears of War: E-Day sorgt selbst in einer Branche voller Mega-Budgets für Aufsehen. Demnach sollen die Gears of War E-Day Entwicklungskosten bei über 400 Millionen US-Dollar liegen. Sollte sich diese Zahl bestätigen, würde das neue Gears of War […] (00)
vor 14 Stunden
Netflix beleuchtet 250 Jahre amerikanische Demokratie
Zum 250. Geburtstag der Vereinigten Staaten startet Netflix Ende Juni die neue Dokumentationsreihe «The American Experiment». Der Streamingdienst Netflix hat den Trailer zur neuen fünfteiligen Dokumentationsserie The American Experiment veröffentlicht. Die Produktion wird ab dem 24. Juni 2026 weltweit beim Streamingdienst verfügbar sein und widmet sich der Entstehungsgeschichte der Vereinigten […] (00)
vor 1 Stunde
WM 2026 - Brasilien - Marokko
New Jersey (dpa) - Der Fußball-Rekordweltmeister kann zumindest eine Auftaktniederlage bei der WM in den USA, Kanada und Mexiko abwenden. Brasilien startete mit einem 1: 1 gegen Marokko und damit den vermeintlich schwersten Gegner der Gruppe C in die Fußball-WM.  Nach der Führung des WM-Vierten von 2022 durch Ismael Saibari (21.), mit dem der FC Bayern […] (00)
vor 30 Minuten
Vernichtungsschlag gegen BlackRock: Vanguard erobert den ETF-Thron
Der Übernahme von BlackRock durch Vanguard als Branchenprimus ging ein schleichender Prozess voraus, der nun in einem Paukenschlag gipfelt. Mit einem verwalteten Vermögen von rund 4,39 Billionen US-Dollar in seinen 116 in den USA gelisteten ETFs hat Vanguard den langjährigen Marktführer BlackRock, der seit 2003 die Spitzenposition innehatte, nun […] (00)
vor 28 Minuten
Autismus – Mehr als eine Diagnose
Höchst im Odenwald, 13.06.2026 (lifePR) - Autismus-Spektrum-Störungen (ASS) betreffen weltweit Millionen von Menschen und deren Familien. Charakteristisch sind Unterschiede in der sozialen Interaktion, Kommunikation sowie sensorischen Verarbeitung und wiederholten Verhaltensmustern. Viele Betroffene und Angehörige suchen nach ganzheitlichen Ansätzen, […] (00)
vor 23 Stunden
 
Polizist in Göttingen angeschossen
Göttingen (dpa) - Bei einer Auseinandersetzung zwischen zwei Gruppen ist ein Polizist im […] (01)
Schwimmende Wasserstoff-Ladestation für Schiffe besteht Praxistests
Wer einen Hafenliegeplatz mit Landstrom nachrüsten will, wartet in der Regel drei bis […] (01)
Möchten Jungs jetzt zum Anbeißen riechen?
Düsseldorf (dpa) - «Dark Chocolate», «Coconut und Vanilla», «Cinnamon Vanilla» oder […] (02)
Iran-Krieg
Islamabad/Washington/Teheran (dpa) - Im zähen Ringen zwischen den USA und dem Iran um […] (00)
Eine neue Ära für Value-Investments In einem Jahr, das von Volatilität geprägt ist, […] (00)
Dreharbeiten zur zweiten Staffel von «Marshals» gestartet
Der erfolgreiche «Yellowstone»-Ableger mit Luke Grimes kehrt bereits im Herbst mit neuen Folgen […] (00)
Donald Trump
Washington (dpa) - US-Präsident Donald Trump wird heute 80 Jahre alt und will an […] (01)
Graham Coxon
(BANG) - Graham Coxon empfand es als "harte Arbeit", seine Fähigkeiten als Songwriter […] (00)
 
 
Suchbegriff