Der Landwirtschaft auf der Suche nach einem Neustart: Grüne Woche im Zeichen der Bundestagswahl
Der Auftakt der Grünen Woche in Berlin steht der Landwirtschaft erneut im Zeichen des Wahlkampfs. Die aufgebrachten Bauern, die einst mit Traktoren durch die Republik fuhren, erinnern daran, dass ein Umdenken in der Landwirtschaftspolitik notwendig ist. Der Bauernpräsident Joachim Rukwied fordert einen 'echten Neustart' und verweist auf die herausfordernde Lage in der Landwirtschaft. Während der Milchsektor einen Lichtblick bietet, kämpfen andere Bereiche mit Schwierigkeiten. Der Markt für Getreide zeigt sich düster, und Rückgänge bei den Schweinefleischpreisen sind absehbar. Neue Belastungen für landwirtschaftliche Betriebe ergeben sich durch die Erhöhung des Mindestlohns, die arbeitsintensive Kulturen zusätzlich erschwert.
Die wirtschaftliche Lage spiegelt sich in den Ergebnissen der Landwirtschaft wider. Im Wirtschaftsjahr 2023/24 sind die Gewinne auf durchschnittlich 77.500 Euro pro Betrieb gesunken, ein Rückgang um 29 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Energiekosten, Pflanzenschutz und Dünger belasten die Betriebe weiterhin. Jedoch versprechen gute Startbedingungen auf den Feldern eine vielversprechende Ernte im Sommer.
Der politische Druck ist ebenso spürbar, besonders in Hinblick auf die bevorstehende Bundestagswahl. Die Erinnerungen an frühere Bauernproteste, ausgelöst durch die Abschaffung der Steuervergünstigungen beim Agrardiesel, sind noch frisch. Eine Korrektur dieser Entscheidungen steht auf der Wunschliste der Union, die nach der Wahl die 'Kardinalfehler' beheben will.
Die Grüne Woche präsentiert in Berlin über 1.500 Aussteller aus knapp 60 Ländern und bietet der Landwirtschaft eine Bühne, um sich den Verbrauchern zu zeigen. Dabei appelliert Rukwied an eine veränderte Verbrauchermentalität: Das Bekenntnis zu heimischen Produkten solle stärker werden, um höheren Preisen gerecht zu werden und die Wertschöpfungskette ausgewogener zu gestalten.
Auch die Bio-Lebensmittel stehen im Fokus, obwohl die Umstellung in der Landwirtschaft schleppend vorangeht. Das von der Regierung gesteckte Ziel, 30 Prozent der Agrarflächen bis 2030 auf biologischen Anbau umzustellen, bleibt in weiter Ferne. Der Marktanteil stieg nur geringfügig auf 11,4 Prozent. Entscheidender Wachstumstreiber bleibt die Nachfrage der Verbraucher.

