Demografischer Wandel und Rentenfinanzierung: Herausforderungen und Perspektiven
Fast 270.000 Menschen nutzten im vergangenen Jahr die Möglichkeit, als besonders langjährig Versicherte vorzeitig und abschlagsfrei in Rente zu gehen. Dies teilte Jens Dirk Wohlfeil, Co-Vorstandschef der Deutschen Rentenversicherung Bund, mit. Insgesamt bezogen 2024 rund 937.000 Versicherte erstmals eine Altersrente aus der gesetzlichen Rentenversicherung. Die Altersgrenze für die Rente nach 45 Versicherungsjahren wurde schrittweise erhöht und lag 2024 für 1960 Geborene bei 64 Jahren und 4 Monaten. Das Modell, ursprünglich als "Rente mit 63" bekannt, ist insbesondere wegen seiner finanziellen Auswirkungen umstritten. Die SPD setzt sich nachdrücklich für den Erhalt dieser Regelung ein.
Eine vom Institut der deutschen Wirtschaft veröffentlichte Studie zeigt, dass fast die Hälfte der geburtenstarken Babyboomer-Jahrgänge bisher frühzeitig in Rente gegangen ist. Die bevorstehende Rentenwelle dieser Generation wird als dringliche Herausforderung angesehen, da sie den Finanzbedarf der Rentenversicherung deutlich steigern könnte. Bereits 2023 erhielten etwa 279.000 Versicherte erstmals eine Rente für besonders langjährig Versicherte.
Im vergangenen Jahr erhielten rund 18,9 Millionen Menschen eine Altersrente, ein neuer Höchststand der Ausgaben, die sich auf 286 Milliarden Euro beliefen. Wohlfeil betonte die Dringlichkeit einer nachhaltigen und generationengerechten Finanzierung. Die schwarz-rote Koalition plant, in Kürze Maßnahmen zur Sicherung des Rentenniveaus zu diskutieren und eine neue Rentenkommission einzusetzen.
Die Rentenversicherung warnte vor einem Anstieg der Beiträge auf 21,4 Prozent bis 2038, falls keine neuen gesetzlichen Regelungen getroffen werden. Vergangenes Jahr war die Regelaltersrente mit rund 378.000 Neurentnern die am häufigsten bewilligte Form. Das Regelrenteneintrittsalter stieg dabei aufs 66. Lebensjahr.
Ein Viertel aller neuen Rentenbezüge war mit Abschlägen versehen. Betroffene traten durchschnittlich 32 Monate vor der Regelaltersgrenze in den Ruhestand, wobei die Abschläge 0,3 Prozent pro vorgezogenem Monat betrugen. Wohlfeil, der die Arbeitgeberseite im Vorstand des Selbstverwaltungsgremiums vertritt, sprach sich anlässlich einer Sitzung der Vertreterversammlung am Montag in Münster zu diesen Themen aus.

