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Das Märchen von den armen Bauer: Finanzlage und Frust einer unterschätzten Branche

11. Januar 2024, 08:00 Uhr · Quelle: InvestmentWeek
Die Bauern legen das Land lahm. Auch deshalb, weil sie die drohenden Mehrbelastungen für nicht verkraftbar halten. Doch was verdient ein Landwirt? Wie viel ist das im Vergleich zu anderen Branchen?
Der genaue Blick in die Einkommensdaten liefert überraschend eindeutige Zahlen.

Die Straßen füllen sich mit protestierenden Bauern, ihre Traktoren sind das laute Symbol des Unmuts. Doch rein finanziell betrachtet stehen die aktuellen Proteste in keinem Verhältnis zur wirtschaftlichen Lage der Branche – die ist nämlich so gut wie selten.

Eine Bauernfamilie mit drei aktiven Familienmitgliedern konnte im letzten Wirtschaftsjahr stolze 250.000 Euro Bruttoeinkommen verbuchen. Auf jeden selbstständigen Bauern entfielen dabei rechnerisch knapp 82.000 Euro Vorsteuer-Gewinn.

Das entspricht dem Einkommen eines Berufsanfängers in der Medizin oder eines erfahrenen Oberstleutnants.

Das stolze Bild als Ernährer des Volkes kollidiert dabei mit einem anhaltenden Strukturwandel und sich stetig ändernden Vorschriften.

Diese finanziellen Fakten stehen im klaren Kontrast zur öffentlichen Wahrnehmung der Branche. Trotz der Kritik an der Streichung von Dieselsteuervorteilen, die das Kabinett beschlossen hat, ist es nicht die aktuelle finanzielle Lage, die die Landwirte zu den Protesten treibt.

Die Branche fühlt sich vielmehr von Politik und Gesellschaft nicht ausreichend wertgeschätzt.

Finanziell profitieren die Landwirte von gestiegenen Lebensmittelpreisen, die sich nach den Weltmarktpreisen richten. Durch den Ukraine-Konflikt sind diese in den letzten Jahren extrem angestiegen.

Obwohl anfangs auch Kosten für Dünger, Futter und Energie zunahmen, sind diese Verwerfungen mittlerweile weitgehend überwunden. Aktuell verzeichnen sogar Schweinehalter, die sich vor einem Jahr in einer schwachen Position sahen, ein Allzeithoch an Einkommen.

Im langfristigen Durchschnitt liegen die Einkommen zwischen dem aktuellen Hoch und den Tiefständen von vor zwei Jahren.

Trotz dieser positiven Entwicklung sind die Einkommen starken Schwankungen unterworfen. Vor zwei Jahren verdienten die Bauern weniger als die Hälfte des aktuellen Standes, und der Bauernverband warnt bereits vor einem leichten Rückgang der Gewinne im laufenden Wirtschaftsjahr.

Rinderhalter und Weinbauern verdienen im Vergleich unterdurchschnittlich, ebenso wie Biobetriebe, deren Gewinne aufgrund der Inflation leiden, da Verbraucher bei Bio-Ware sparen.

Doch die geplanten Mehrbelastungen der Regierung sind wirtschaftlich verkraftbar. Eine 100-Hektar-Farm verliert durch den schrittweisen Wegfall von Agrardiesel-Erstattungen nur etwa fünf Prozent der Subventionen.

Deutsche Landwirte profitieren von vergünstigten Sozialversicherungen, ähnlich wie Künstler, da der Bund die gesetzliche Alters- und Krankenversicherung stark bezuschusst.

Ein schwaches Argument der Bauern gegen diesen Abbau ist der Wettbewerb in Europa. Während in einigen EU-Ländern niedrige Dieselsteuern gelten, ist die Situation in Ländern wie Frankreich und Polen umgekehrt. Doch insgesamt sind die Dieselsteuern nicht der entscheidende Faktor im Wettbewerb.

Die entscheidenden Subventionen für den Erfolg der Höfe sind ohnehin europäische Angelegenheiten und daher weitgehend gleich. Etwa 42.000 Euro pro Haupterwerbsbetrieb kommen aus Brüssel, was etwa ein Zehntel des Umsatzes ausmacht. Damit sind die Bauern zur Hälfte bereits Staatsdiener – zumindest, wenn es um ihr Einkommen geht.

Die Bauern verteidigen die hohen Subventionen mit dem Argument, dass ein Teil davon Gegenleistungen für Umweltschutzmaßnahmen sind. Tatsächlich fließen 12.600 Euro davon in Umweltmaßnahmen und Grünflächen.

Der EU-Agrarhaushalt von knapp 169 Milliarden Euro übertrifft deutlich den deutschen Haushalt von Landwirtschaftsminister Cem Özdemir (Grüne), der lediglich 6,8 Milliarden Euro umfasst. Ein Großteil davon sind Beiträge zur Sozialversicherung der Landwirte.

Cem Özdemir, deutscher Politiker und Bundesminister für Ernährung und Landwirtschaft.

Die Förderprogramme des Bundes sind im Vergleich zu den EU-Geldern klein, dennoch richten die Landwirte ihren Unmut aktuell gegen die Bundesregierung und nicht gegen die EU-Kommission.

Die nationale Politik bietet Anlass zum Verdruss, besonders hinsichtlich Versuchen, das Tierwohl zu verbessern. Die Hängepartie führt zu rückläufigen Investitionen in Ställe und Bauten, insbesondere bei Schweinehaltern.

Im Schnitt geben jährlich zehn Prozent der Betriebe auf.

Die Landwirtschaft ist im Wandel, und der Strukturwandel trifft besonders Höfe in Regionen mit kleineren Betrieben. In Bayern und Baden-Württemberg, wo viele kleinere Betriebe angesiedelt sind, sind die Gewinne entsprechend niedriger.

Im Süden des Landes arbeiten viele Bauern daher im Nebenerwerb, ein schleichender Abschied von der traditionellen Landwirtschaft.

Die Langzeitperspektive zeigt, dass effizient geführte Großbetriebe, besonders in den östlichen Bundesländern, die Zukunft der globalisierten Landwirtschaft dominieren könnten.

Viele Landwirte befürchten eine Entfremdung durch die Bürokratie, da sie detaillierte Nachweise über den Einsatz von Dünger, Pflanzenschutzmitteln und Krankheiten der Tiere erbringen müssen.

Auch der Mindestlohn trifft die Betriebe, und die Landwirte fühlen sich durch neue Vorschriften in ihrer über Jahre praktizierten Wirtschaftsweise zunehmend kritisiert.

Die Bauernproteste werden zusätzlich durch die alarmistische Kommunikation der Verbände genährt. Die Bauernlobbyisten schlagen bei niedrigen Preisen Alarm, sind jedoch zurückhaltend, wenn es

Politik
[InvestmentWeek] · 11.01.2024 · 08:00 Uhr
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