Das Kräftemessen der Konsolen: Port-Gigant enthüllt, wie nah die Switch 2 der Xbox Series S wirklich kommt
Im unaufhörlichen Wettrüsten der Konsolenhersteller sind es oft nicht die reinen Teraflop-Zahlen, die über Sieg oder Niederlage entscheiden, sondern die cleveren Kniffe unter der Haube und die Einschätzung derer, die tagtäglich an der digitalen Front arbeiten. Nun hat sich mit Virtuos, einem der weltweit größten und renommiertesten Studios für Spiele-Portierungen, ein echter Schwergewichtler zu Wort gemeldet. In einem aufschlussreichen Interview gewährte Eoin O’Grady, der technische Direktor der Virtuos-Tochter Black Shamrock, tiefe Einblicke in die Leistungsfähigkeit der neuen Nintendo Switch 2 und verglich sie mit ihrem direkten Konkurrenten im Einsteigersegment: der Xbox Series S. Das Urteil ist eine faszinierende Mischung aus technischer Nüchternheit und optimistischer Prophezeiung.
Ein ungleiches Duell mit einem Ass im Ärmel
Auf dem Papier, so O’Grady, zieht die Switch 2 im direkten Kräftemessen zunächst den Kürzeren. Die Grafikleistung (GPU) liege „geringfügig unter“ der von Microsofts Konsole, während sie auf der Prozessorseite (CPU) sogar „eindeutig schwächer“ sei. Eine Einschätzung, die auf den ersten Blick enttäuschen mag. Doch Nintendo hat ein technologisches Ass im Ärmel, das dieses Ungleichgewicht aufzuwiegen vermag: die Unterstützung für NVIDIAs bahnbrechende DLSS-Technologie. Diese KI-gestützte Upscaling-Methode ermöglicht es, Spiele in einer niedrigeren Auflösung zu rendern und intelligent auf eine höhere Auflösung hochzurechnen, was massiv Leistung freisetzt – ein Feature, das der Xbox Series S gänzlich fehlt und den leichten GPU-Nachteil mehr als kompensieren könnte.
Die goldene Brücke für Third-Party-Entwickler
Diese technische Konstellation hat weitreichende und äußerst positive Folgen für die Zukunft der Spiele-Ports. O’Grady erklärt, dass die meisten modernen Spiele ohnehin durch die Grafikleistung und nicht durch den Prozessor limitiert sind (GPU-bound). Die relative CPU-Schwäche der Switch 2 fällt also weniger ins Gewicht. Seine Prognose ist eine klare Ansage an die Branche: „Jedes Spiel, das auf der Series S mit 60 Bildern pro Sekunde läuft, sollte sich problemlos auf die Switch 2 portieren lassen.“ Aber auch für grafisch anspruchsvollere Titel, die auf der Microsoft-Konsole stabile 30 Bilder pro Sekunde erreichen und nicht am CPU-Limit kratzen, sei eine Umsetzung auf Nintendos neuen Hybriden „relativ unkompliziert“. Sogar für Hardware-beschleunigtes Ray Tracing sieht der Experte Potenzial, etwa für realistischere Schatten und Reflexionen bei „vernünftigen“ Auflösungen.
Der Flaschenhals der Verfügbarkeit
Trotz dieser vielversprechenden technischen Grundlage gibt es einen Dämpfer für die Hoffnung auf eine sofortige Flut an Third-Party-Blockbustern. Der eigentliche limitierende Faktor ist nicht die Hardware, sondern die Logistik. Nur eine sehr kleine, ausgewählte Gruppe an Entwicklern erhielt vor dem Launch im Juni 2025 Zugang zu den Entwicklerkonsolen (Dev Kits). Das bedeutet, dass die Arbeit an den meisten Portierungen erst vor Kurzem begonnen hat. Die technische Brücke zur Xbox Series S ist also gebaut – jetzt müssen die Entwickler nur noch die Zeit bekommen, sie auch zu überqueren.

