Commerzbank: Auf Kurs für höhere Gewinne trotz italienischer Konkurrenz

Die Commerzbank hat ehrgeizige Pläne zur Gewinnsteigerung bis 2026 angekündigt, um sich gegen die Übernahmeversuche der Unicredit zu schützen. Der geplante Überschuss soll die bisherige Zielmarke von 3,2 Milliarden Euro übertreffen, obwohl Analysten mit noch höheren Zahlen gerechnet hatten. Bis 2028 plant die Bank eine Gewinnsteigerung auf 4,2 Milliarden Euro, bleibt jedoch auch hier hinter den Erwartungen der Experten zurück.
Aktuell reagiert der Finanzmarkt ernüchtert: Die Aktie der Commerzbank rutschte nach Börsenstart um zwei Prozent in den roten Bereich, nachdem ein Rückgang am Vortag bereits ein halbes Prozent ausgemacht hatte. Trotz dieser Herausforderungen bleibt die Vorstandsvorsitzende Bettina Orlopp zuversichtlich. Sie beabsichtigt, die Einnahmen zu steigern und gleichzeitig die Kosten zu reduzieren. Der Zinsüberschuss soll im laufenden Jahr von 8,2 Milliarden auf 8,5 Milliarden Euro anwachsen, während der Provisionsüberschuss um sieben Prozent gesteigert werden soll. Für 2028 wird angestrebt, den Kostenanteil der Erträge auf 50 Prozent zu senken, vorangetrieben durch den verstärkten Einsatz von künstlicher Intelligenz.
Das Jahr 2025 brachte der Commerzbank einen Überschuss von 2,6 Milliarden Euro, trotz hoher Kosten für betriebliche Umstrukturierungen, welche das Rekordergebnis von 2024 nur um zwei Prozent verfehlten. Ohne die Umstrukturierungskosten von 562 Millionen Euro hätte der Überschuss sogar 3 Milliarden Euro erreicht.
Ergebnisbelastend wirkten auch Abschreibungen von 117 Millionen Euro auf den Kundenstamm von Aquila Capital, bei dem die Commerzbank 2024 mehrheitlich eingestiegen war. Besonders betroffen sind Projekte im Bereich der erneuerbaren Energien, die sich in einem frühen Entwicklungsstadium befinden.
Dennoch zeigt sich die Commerzbank großzügig gegenüber ihren Aktionären: Die Dividende soll von 65 Cent auf 1,10 Euro pro Aktie steigen, und es sind Aktienrückkäufe im Wert von bis zu 540 Millionen Euro geplant. In Kombination mit einem bereits abgeschlossenen Rückkaufprogramm von 2025 gibt die Bank insgesamt 2,7 Milliarden Euro für Dividenden und Rückkäufe aus, mehr als ihren Jahresgewinn.
Diese Maßnahmen sollen die Aktionäre motivieren, ihre Anteile zu halten und nicht an Unicredit zu verkaufen, obwohl die Italiener mit 26 Prozent der größte Aktionär und durch Finanzinstrumente Zugriff auf weitere drei Prozent der Commerzbank-Anteile haben. Entsprechend den Richtlinien wäre Unicredit-Chef Andrea Orcel bei Überschreiten der 30-Prozent-Marke zu einem Übernahmeangebot verpflichtet. Doch der hohe Aktienkurs und die entschiedene Ablehnung seitens des Bundes, der Commerzbank-Führung und des Betriebsrats machen eine Übernahme derzeit unwahrscheinlich.

