China kontert Trumps Zölle entschlossen – aber der Preis ist hoch
34 Prozent – so hoch sind die Strafzölle, die sowohl die USA als auch China innerhalb weniger Tage gegeneinander verhängt haben. Zwei Tage nach Donald Trumps Ankündigung reagierte Peking mit spiegelbildlichen Maßnahmen: Zölle auf US-Produkte, Exportkontrollen für seltene Erden, zusätzlich Maßnahmen gegen amerikanische Unternehmen auf chinesischem Boden. Die Botschaft: China wird nicht zurückweichen.
Der Ton ist scharf, die Strategie bekannt. Peking setzt auf das Prinzip Reziprozität – Auge um Auge, Zahn um Zahn. Doch hinter der entschlossenen Reaktion steht mehr als nur Trotz. Für China geht es um nichts Geringeres als wirtschaftliche Souveränität in einem zunehmend fragmentierten globalen Handelssystem. Gleichzeitig steckt in der Härte auch Berechnung. Es ist ein Druckaufbau – für mögliche Verhandlungen mit Trump, der im Präsidentschaftswahlkampf auf maximale Eskalation setzt.
Die wirtschaftliche Asymmetrie bleibt gravierend: 2024 lag das bilaterale Handelsvolumen bei über 582 Milliarden Dollar. Davon entfielen lediglich 143,5 Milliarden Dollar auf US-Exporte nach China, während chinesische Exporte in die USA einen Wert von fast 439 Milliarden Dollar erreichten. Das US-Handelsdefizit mit China stieg um 5,8 Prozent – ein rotes Tuch für Trump.
Doch auch China zahlt einen Preis. Das offizielle Wachstumsziel von „rund fünf Prozent“ wurde im vergangenen Jahr nur mit Mühe erreicht – möglicherweise mit Hilfe kreativer Statistik. Prognosen, etwa von der Macquarie Group, gehen davon aus, dass ein Zollsatz von 60 Prozent – wie von Trump im Wahlkampf in Aussicht gestellt – das chinesische BIP um zwei Prozentpunkte senken könnte. UBS warnt sogar vor einer Halbierung des jährlichen Wachstums.
Chinas Antwort auf diese Gefahr heißt Resilienz. Der innenpolitische Fokus verschiebt sich: Binnenkonsum statt Exportdominanz, Technologieoffensiven in Batterieproduktion, Robotik und grüne Energie sollen das Wachstum stabilisieren. Gleichzeitig baut Peking auf Künstliche Intelligenz als Impulsgeber – nicht zuletzt, um unabhängiger von westlicher Technologie zu werden.
Internationale Konzerne wie Apple geraten dabei zwischen die Fronten. Rund 160 Zulieferer des Unternehmens produzieren in China, über 90 Prozent der Fertigung läuft dort. Die neuen Zölle treffen nicht nur chinesische Exporteure, sondern auch US-Marken – und damit indirekt amerikanische Konsumenten, besonders aus der unteren Mittelschicht. Ausgerechnet Trumps Wählerschaft dürfte die Folgen zu spüren bekommen.
Peking kontert entschlossen, aber nicht blind. Der Fall Tiktok zeigt: Spielraum für Deals bleibt. Ein Verkauf der US-Sparte des chinesischen Konzerns Bytedance steht im Raum – als mögliches Verhandlungsobjekt in einem größeren geopolitischen Austausch. Doch dafür muss China weiter Druck ausüben. Und genau das tut es.

