Braubranche trotzt Absatzrückgang mit Innovation
Der deutsche Biermarkt sieht sich mit einem historischen Rückgang konfrontiert, der die Branche herausfordert, sich neu zu erfinden. Brauereien reagieren auf den mehr als sechsprozentigen Absatzrückgang, indem sie zunehmend alkoholfreie und innovative Geschmacksvarianten entwickeln. Veltins beispielsweise bringt ein alkoholfreies Hellbier auf den Markt, während Krombacher besonders im 'Dry January' neue Werbeimpulse setzen will.
Das Phänomen des rückläufigen Bierkonsums in Deutschland lässt sich auf eine alternde Gesellschaft und eine negative Konsumstimmung zurückführen. Der soziale Rückzug in der Gastronomie spiegelte sich im vergangenen Jahr deutlich wider, wie Veltins-Chef Volker Kuhl feststellt. Die Brauer müssen sich in dieser 'neuen Realität' zurechtfinden, wie Niklas Other, Herausgeber des Getränkemarkt-Fachmagazins 'Inside', erklärt. Er verweist auf die Abkehr vieler Menschen vom Alkohol, die auch die Wein- und Spirituosenhersteller betrifft, sowie auf die möglicherweise beeinflusste Nachfrage durch die Teillegalisierung von Cannabis und Trends wie Abnehmspritzen.
Trotz des begrenzten Platzes in den Getränkeregalen, der durch neue alkoholfreie Biere reduziert wird, sehen Branchenkenner in der Vielzahl der Produkte keine Bedrohung für die Vielfalt. Allerdings könnte dies zu einem Rückgang der Präsenz von Weizenbieren, Exportbieren oder anderen Spezialitäten führen, wie Veltins-Vertriebschef Rainer Emig anmerkt.
Die Frage der Preisanpassungen bleibt aktuell: Mehrere große Brauereien hatten bereits im Herbst Preiserhöhungen angekündigt. Veltins bestätigt, dass der Prozess erfolgreich abgeschlossen sei, was laut Branchenbeobachtern zur Verteuerung eines Kastens Bier um bis zu 1 Euro führte. Verbraucher könnten dennoch von Aktionsangeboten im Handel profitieren, die von Überkapazitäten in der Braubranche zeugen.
Langfristig ist es wahrscheinlich, dass trotz aller Bemühungen einige Braustandorte aufgrund notwendiger Investitionen aufgegeben werden müssen. Der Verlust lokaler Brautradition wird kaum zu verhindern sein, so Kuhl.

