Börsen trotzen geopolitischen Spannungen: Märkte steigen trotz Fortdauer des Nahostkonflikts
Am Montag erholten sich die Aktienmärkte deutlich, während die Ölpreise Rückgänge verzeichneten – trotz der anhaltenden Spannungen zwischen Israel und Iran. Der S&P 500 stieg während des Mittagshandels um knapp 1%, gefolgt von einem Anstieg des Nasdaq Composite um 1,4%. Auch der Dow Jones Industrial Average legte um fast 1% zu.
Noch am Freitag hatten die Finanzmärkte mit einem schwierigen Tag zu kämpfen, ausgelöst durch stark steigende Ölpreise und eine erhöhte Volatilität auf dem Cboe Volatility Index. Das turbulente Marktgeschehen hatte Investoren dazu bewegt, in sichere Anlagen wie Gold zu flüchten. Doch trotz dieser ungewohnten Marktdynamik beobachteten Analysten nur eine geringe Risikoaversion bei den Investoren; so stiegen die Hochzins-Kreditspreads lediglich um 2 Basispunkte. Insgesamt überdauerte der MSCI Weltindex seinen Höchststand lediglich um 1%.
Ein solches Verhalten der Märkte, geopolitische Ereignisse rasch abzuschütteln, ist keine Seltenheit. Analysen von Deutsche Bank Experten zeigten, dass der S&P 500 durchschnittlich um 6% nach einem geopolitischen Schock sinkt, bevor die Verluste binnen drei Wochen wieder wettgemacht werden. Mit einem historisch niedrigen Aktienengagement und einer geringen Wahrscheinlichkeit für stärkere Abverkäufe, blicken Investoren gelassen in die Zukunft.
Längerfristige Auswirkungen geopolitischer Ereignisse auf die Börsen sind in der Regel nur dann relevant, wenn sie die Realwirtschaft direkt betreffen. Historische Beispiele wie das Ölembargo der 1970er Jahre oder die Invasion Kuwaits durch den Irak 1990 verdeutlichen dies. Auch Russlands Invasion in die Ukraine im Jahr 2022, die bereits bestehende Inflationsprobleme mit einer drastischen Verteuerung der Ölpreise zusätzlich verschärfte, bleibt in Erinnerung.
Seitdem hat sich die Inflation deutlich von ihrem 40-Jahres-Hoch im Juni 2022 zurückgebildet. Im Mai stiegen die Verbraucherpreise um 2,4% im Vergleich zum Vorjahr, nur geringfügig über dem Ziel der Federal Reserve. Doch drohende Preisanstiege durch die von Präsident Donald Trump eingeführten Zölle sowie weitere Eskalationen im Nahen Osten könnten erneuten Preisdruck erzeugen.
Henry Allen, Analyst der Deutschen Bank, betonte, dass Inflationsrisiken von Bedeutung seien, da höhere Inflationsraten die Zentralbanken daran hindern könnten, Zinssätze zu senken. Viele Investoren rechnen mit Zinssenkungen von mindestens 100 Basispunkten bis Ende nächsten Jahres. Doch hartnäckige Inflationsraten könnten der Fed nur begrenzten Spielraum für Zinssenkungen lassen, wenn Zölle und hohe Ölpreise das Wachstum oder den Arbeitsmarkt belasten.

