Zwölfter Verhandlungstag

Block-Prozess: Anwalt des Vaters spricht von «Schmutzwäsche»

23. September 2025, 17:12 Uhr · Quelle: dpa
Der Gerichtsprozess eskaliert mit Aussagen zu Familienkonflikten und Entführungsvorwürfen. Hensel schildert emotionale Momente und Pläne für Ermittlungen in Israel.

Hamburg (dpa) - Heftige Wortgefechte und gegenseitige Sticheleien: Am zwölften Tag des Prozesses um die Entführung zweier Block-Kinder aus Dänemark hat die Verteidigung den Vater Stephan Hensel viele Stunden zur langen Vorgeschichte des Sorgerechtsstreits befragt. 

Konflikte auf Familienfeiern, die Trennung von Hensel und Christina Block 2014 oder Berichte von Psychologen - all das kam noch einmal zur Sprache. Verteidigung, Nebenklage und Vorsitzende Richterin stritten dabei oft um einzelne Worte aus der Fragestellung.

Hensels Anwalt Philip von der Meden kritisierte einige Fragen zu angeblichen Vorfällen aus der Vergangenheit als «Schmutzwäsche, die Sie versuchen zu waschen». Das sei alles sei nur ein Spiel des Verteidigers Ingo Bott für die Presse im Zuschauerraum. Hensel sagte angesichts der vielen Fragen von Bott: «Ich komme mir ein bisschen vor wie in der Quizshow.»

Bott hatte vor Gericht erklärt, es gehe auch darum, die Glaubwürdigkeit des Zeugen infrage zu stellen. Denn Hensel hatte in den vorherigen Prozesstagen heftige Vorwürfe gegen seine Frau erhoben, die Block alle bestreitet. Sie habe den Kindern Gewalt angetan, behauptete er. Bott spielte in seinen Fragen wiederum auf Vorfälle an, bei denen der Vater angeblich gedroht haben soll, die Familie Block fertigzumachen.

Kinder wurden in der Silvesternacht 2023/24 entführt

Hensel hatte den Sohn und die Tochter widerrechtlich nach einem Wochenendbesuch im August 2021 nicht mehr zur Mutter zurückgebracht. Er selbst bestätigte auf Nachfrage eines Verteidigers, dass er damit gegen eine Entscheidung des Hanseatischen Oberlandesgerichts verstoßen habe. Doch es seien die Kinder gewesen, die wegen angeblicher häuslicher Gewalt nicht zur Mutter zurückwollten. 

Nach einem langen juristischen Tauziehen kam es schließlich zur Entführung der Kinder an Silvester 2023/24 aus Dänemark nach Deutschland. Dorthin wurden der damals zehnjährige Sohn und die 13-jährige Tochter mutmaßlich von Mitarbeitern einer israelischen Sicherheitsfirma verschleppt.

Die 52-jährige Christina Block - eine Tochter des Gründers der Steakhaus-Kette «Block House», Eugen Block - ist angeklagt, die Rückholaktion in Auftrag gegeben zu haben, was die Unternehmerin bestreitet.

Vater über Prozess: «Die Kinder wundern sich»

Ihr Ex-Mann berichtete im Gerichtssaal, dass seine Kinder sich über Medien über den Prozess informierten. «Die Kinder wundern sich, dass Frau Block immer noch nicht die Wahrheit sagt», sagte der 51-Jährige. Die Kinder würden nicht verstehen, dass sie nicht zu der Entführung stehe und «auch alle anderen hier» nicht.

Es gibt sechs Mitangeklagte, darunter Christina Blocks Lebensgefährte Gerhard Delling (66). Der frühere Sportmoderator bestreitet, etwas Unrechtes getan zu haben. Ein ebenfalls angeklagter Israeli (36) hat seine Beteiligung an der Rückholaktion zugegeben und dazu ausführlich ausgesagt.

Die Staatsanwaltschaft Hamburg fahndet nach sechs weiteren Beschuldigten, die sich in Israel aufhalten sollen. Einer von ihnen gab im September einem israelischen Fernsehsender ein Interview, in dem er über seine eigene Rolle bei der Entführung sprach.

Vater will Ermittlungen in Israel anregen

Der Vater der Kinder wollte nach Bekanntwerden der Äußerungen des Beschuldigten mit seinem Anwalt nach Israel fliegen und dort Ermittlungen anregen. Für den 19. September seien Flüge nach Israel gebucht worden, sagte Hensel auf eine Frage von Bott. Er habe die Strafverfolgungsbehörden in Israel treffen wollen.

«Es war einen Versuch wert, wenn die Leute nicht herkommen, dann muss man zu ihnen hinkommen», sagte Hensel. Aus nicht genannten Gründen fand die Reise nicht statt. Hensels Anwalt von der Meden sagte am Rande des Prozesses, es habe sich nur um Überlegungen gehandelt.

Vater schildert Wiedersehen nach der Entführung

Erstmals sprach der Vater vor Gericht über den Augenblick des Wiedersehens mit seinem Sohn und seiner Tochter auf einer Hamburger Polizeistation vier Tage nach der Entführung. «Sie sind mir in die Arme gelaufen», sagte Hensel über die Begegnung am 5. Januar 2024. «Das war ein sehr emotionaler Augenblick.» Die Kinder hätten angefangen zu weinen und zu schreien - vor Freude. 

Relativ schnell hätten der Junge und das Mädchen begonnen, von dem Erlebten zu erzählen. Doch er habe gewollt, dass sie das gleich direkt bei der Polizei in Deutschland aussagen. Daraufhin seien die Kinder vernommen worden. Blocks Verteidiger Bott fragte Hensel, ob der Sohn den Wunsch geäußert habe, seine Mama regelmäßig zu sehen und anzurufen. Das verneinte der Vater. «Meine Mandantin ist zutiefst getroffen», sagte Bott nach der Verhandlung darauf angesprochen. Es seien auch Tränen geflossen. Nach Überzeugung der Verteidiger hat Hensel die Kinder manipuliert und entfremdet.

Unangemeldeter Besuch der Großeltern

Immer wieder kamen Versuche der Familie Block zur Sprache, die Kinder in Dänemark zu besuchen. Seine Kinder hätten das aber nicht gewollt, schilderte Hensel seine Sicht. Außerdem hätten sich die Besucher vorher anmelden müssen, deshalb habe man sie nicht reingelassen. Hensel räumte aber auf Nachfrage ein, dass er die abgewiesenen Besucher nicht darüber informiert habe, wie sie sich beim nächsten Mal anmelden müssten.

Hensel erklärte erneut, dass seine fast 15 Jahre alte Tochter vor Gericht aussagen wolle. Die beiden Kinder sind als Zeugen vorgesehen. Unter welchen Umständen sie aussagen werden, ist noch nicht geklärt.

Die Erklärungen des Vaters wurden von Christina Block und einer mitangeklagten Verwandten von ihr mit sichtbarer Anspannung aufgenommen. Die Vorsitzende Richterin ermahnte die 49-Jährige, nicht während der Verhandlung zu sprechen. «Ich habe nichts gesagt, ich habe nur geweint», sagte die Verwandte, die selbst einmal vergeblich versucht hatte, die Kinder in Dänemark zu besuchen.

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23.09.2025 · 17:12 Uhr
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