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Big Mac, kleine Steuer: Warum die Gastronomie-Pläne der Koalition Ärger auslösen

31. März 2025, 18:00 Uhr · Quelle: InvestmentWeek
142 Millionen Euro Entlastung für McDonald’s – jährlich. Die geplante Mehrwertsteuersenkung für die Gastronomie stößt auf Widerstand. Kritiker werfen CDU und SPD vor, Konzerninteressen zu bedienen und Milliarden zu verschenken.

Wenn der Burger mehr spart als der Bäcker

Es ist ein Zahlenspiel mit politischer Sprengkraft: 142 Millionen Euro – so viel könnte allein McDonald’s durch die geplante dauerhafte Senkung der Mehrwertsteuer auf Speisen im Restaurant jährlich sparen.

Das rechnet die Verbraucherorganisation Foodwatch vor. Und sie warnt: Nicht die kleine Eckkneipe profitiert am meisten – sondern die großen Ketten, die längst ganz andere Hebel in der Politik bedienen.

Seit dem Ende der Pandemie kämpft die Gastronomie für eine Entfristung der 7-Prozent-Regelung für Speisen. Nun steht sie wieder im Koalitionspapier – durchgesetzt von CDU und SPD. Für die Branche ein Erfolg. Für Kritiker ein Milliardengeschenk ohne Zielgenauigkeit.

Wer bekommt wie viel – und warum?

Die geplante Maßnahme wirkt zunächst harmlos. Der ermäßigte Steuersatz von sieben Prozent, der bislang nur auf Mitnahmegerichte angewendet wurde, soll dauerhaft auch für den Verzehr vor Ort gelten.

In der Praxis bedeutet das: Rund 5 Milliarden Euro Entlastung pro Jahr – davon gehen laut Foodwatch knapp 500 Millionen an Fast-Food-Ketten, ein gutes Viertel davon allein an McDonald’s.

Die restlichen 3,9 Milliarden Euro entfallen auf die übrigen Gastronomen – von der Dönerbude bis zum Drei-Sterne-Lokal. Doch das Verhältnis wirft Fragen auf: Warum wird eine Branche pauschal entlastet, statt gezielt diejenigen zu fördern, die am stärksten unter hohen Kosten leiden?

Sponsoring, Lobby, Politik: Ein unguter Beigeschmack

Foodwatch geht noch weiter. Die Organisation verweist auf Spenden, Sponsoring und enge Verbindungen zwischen Teilen der Union und der Systemgastronomie.

So habe McDonald’s etwa den CDU-Parteitag unterstützt und sei beim Neubau der Mittelstandsvereinigung als Partner aufgetreten. Friedrich Merz selbst posierte im Wahlkampf in einer McDonald’s-Filiale.

Milliardengeschenk ohne Wirkungskontrolle: Bis zu 48 Milliarden Euro Steuerverluste drohen laut IW in zwölf Jahren – ob Preise sinken oder Jobs gesichert werden, ist unklar.

Der Vorwurf: Politik gegen Steuernachlass. Der Verdacht: Steuererleichterungen, von denen primär multinationale Unternehmen profitieren, werden mit öffentlichem Geld finanziert – bei gleichzeitigem Verweis auf die leere Kasse an anderer Stelle.

Die CDU weist alle Vorwürfe zurück. Spenden hätten keinen Einfluss auf Inhalte, Sponsoring sei gängige Praxis. McDonald’s selbst betont, man spreche „mit allen Parteien der demokratischen Mitte“ – was faktisch stimmen mag, aber die Grundsatzfrage nicht beantwortet.

Ein Geschenk mit langfristigen Folgen

Der Streit dreht sich nicht nur um die Frage, wer hier kurzfristig profitiert – sondern auch um die langfristigen Kosten. Das Institut der deutschen Wirtschaft schätzt die Steuerausfälle in den kommenden zwölf Jahren auf bis zu 48 Milliarden Euro.

Das entspricht fast einem Zehntel des geplanten Schuldenpakets der GroKo für Infrastrukturinvestitionen.

Geld, das an anderer Stelle fehlt – etwa für Schulen, für gezielte Klimainvestitionen oder für kleine Betriebe, die bei den Entlastungen am wenigsten durchdringen. Selbst Branchenvertreter räumen inzwischen ein: Die Steuerersparnis wird selten vollständig an Kunden weitergegeben. Oft fließt sie schlicht in den Unternehmensgewinn.

Alternativen liegen auf dem Tisch – doch bleiben ungehört

Foodwatch schlägt vor, den ermäßigten Steuersatz nur für kleine oder mittelständische Betriebe anzuwenden – oder gezielt pflanzenbasierte Angebote zu fördern. Das würde die Milliarden gezielter einsetzen und gleichzeitig Nachhaltigkeitsziele unterstützen.

Doch bislang gibt es kein politisches Momentum für Differenzierung. CDU und SPD setzen auf den pauschalen Entlastungseffekt – ein Schritt, der politisch wohlklingt, ökonomisch aber zunehmend umstritten ist.

Steuerpolitik ohne Kompass?

Was als Hilfe für eine gebeutelte Branche verkauft wird, könnte sich als teures Placebo entpuppen. Die Großen profitieren, die Kleinen hoffen – und der Steuerzahler zahlt. Dass es keine differenzierte Lösung gibt, ist aus Sicht vieler Ökonomen fiskalisch leichtfertig und strukturell rückwärtsgewandt.

Während Haushaltslöcher gestopft und Investitionen verschoben werden, fließen Milliarden mit der Gießkanne in eine Branche, in der nicht jeder Hilferuf gleich dringend ist. Der politische Preis für das Gastrogeld könnte höher ausfallen, als es die aktuelle Debatte vermuten lässt.

Finanzen / Unternehmen
[InvestmentWeek] · 31.03.2025 · 18:00 Uhr
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