Barrick nutzt Reko Diq als geopolitisches Faustpfand – Kupfermine soll Pakistans Verhandlungsposition gegenüber USA stärken
Die geplante Reko-Diq-Mine im Südwesten Pakistans entwickelt sich zu einem strategischen Faktor in den Handelsgesprächen zwischen Islamabad und Washington. Der Betreiber Barrick sieht in dem Projekt nicht nur ein langfristig lukratives Rohstoffvorhaben, sondern auch eine mögliche Triebfeder zur Reduzierung der von den USA verhängten „reziproken“ Zölle von bis zu 29 Prozent.
Mit einer Investitionssumme von neun Milliarden US-Dollar zählt Reko Diq zu den weltweit größten Kupfer-Gold-Projekten in der Entwicklung. Der kanadische Bergbaukonzern Barrick hält 50 Prozent der Anteile, die restlichen Anteile verteilen sich auf den pakistanischen Staat und die Provinzregierung von Belutschistan. Der erste Förderstart ist für 2028 geplant, mit einer geplanten Laufzeit von 42 Jahren.
Barrick-Manager Tim Cribb verweist im Gespräch mit der Financial Times auf die enge Verflechtung mit den USA: Ein erheblicher Teil der Finanzierung – bis zu eine Milliarde Dollar – soll über die US-Exportkreditagentur Ex-Im Bank erfolgen. Weitere Mittel kommen vom IFC (Weltbank-Tochter), Kanada, Japan sowie dem saudischen Staatsfonds Manara Minerals, der über einen Einstieg zwischen zehn und 20 Prozent verhandelt.
Das Projekt könnte sich somit als geopolitischer Hebel erweisen. US-Außenminister Marco Rubio hatte in einem Telefonat mit Pakistans Außenminister Ishaq Dar die Bedeutung „kritischer Mineralien“ hervorgehoben. Washington versucht derzeit, sich Zugang zu strategischen Rohstoffen zu sichern – zuletzt auch über Abkommen mit Grönland, der Demokratischen Republik Kongo und Usbekistan.
Barrick plant, rund ein Fünftel des Minenbetriebs mit Solaranlagen zu versorgen – trotz günstigerer chinesischer Panels setzt man dabei auf US-Zulieferer. Der Kupferexport soll nicht über Chinas Gwadar-Hafen, sondern über das sicherere Port Qasim nahe Karachi erfolgen – auch dies ein geopolitisches Signal.
Ein Exportverbot für unverarbeitete Rohstoffe, das Premierminister Shehbaz Sharif am Dienstag ins Spiel brachte, lehnt Barrick derzeit ab. Eine lokale Raffinerie sei ökonomisch nicht darstellbar, da die prognostizierte Fördermenge von Kupferkonzentrat unter der wirtschaftlichen Mindestschwelle für ein Werk liege – hinzu kämen strukturelle Defizite bei Stromversorgung und Infrastruktur.
Barrick-CEO Mark Bristow betonte, dass ein Großteil der Produktion bereits durch Lieferverträge mit den Finanzierern gebunden sei – darunter Kreditgeber aus Europa und Asien, die im Gegenzug Kupfer beziehen wollen. Eine direkte Verwertung des Projekts für die Entschärfung von Zollkonflikten zwischen Pakistan und den USA scheint somit wahrscheinlicher als eine vollständige lokale Wertschöpfungskette.
Ein geplantes Rebranding von „Barrick Gold“ zu „Barrick Mining“ soll die strategische Neuausrichtung unterstreichen – weg vom reinen Edelmetallfokus, hin zur breiteren Positionierung im globalen Markt für strategische Rohstoffe.

