Bafin nimmt Zertifikatemarkt ins Visier: Licht und Schatten für Anleger
Die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (Bafin) hat sich intensiver mit Zertifikaten auseinandergesetzt, die von Sparkassen und Volksbanken angeboten werden. In einigen Fällen wurden Defizite festgestellt, jedoch keine systematische Fehlberatung durch diese Institute, wie Thorsten Pötzsch von der Bafin betont.
Seine Untersuchungen ergaben, dass Anbieter von Zins- und Express-Zertifikaten nicht immer sorgfältig festgelegt haben, für welche Kundengruppen diese Produkte geeignet sind. Etwa ein Fünftel der Käufer von Express-Zertifikaten hatte kein vollständiges Verständnis für deren Risiken und Funktionsweise. Die betroffenen Institute werden von der Bafin aufgefordert, entsprechende Mängel abzustellen.
Kritisch betrachten Verbraucherschützer die Zertifikate als komplex und teuer. Sie argumentieren, dass strukturierte Anleihen, obwohl verlockend durch ihre hohen Renditen, häufig an Personen verkauft wurden, die eigentlich simpler kalkulierte Zinsprodukte bevorzugen. Eine systematische Umleitung von Kundeninteressen weg von klassischen Einlageprodukten hin zu Zertifikaten fand laut Bafin jedoch nicht statt.
Thorsten Pötzsch äußerte sich besorgt über die Entwicklung bei Turbo-Zertifikaten. Diese haben zwischen 2019 und 2023 mehr als eine halbe Million deutsche Anleger mit herben Verlusten konfrontiert, wobei rund 75 Prozent der Investoren insgesamt über 3,4 Milliarden Euro verloren haben.

