Aufregung um Swift-Abkommen geht weiter

28. Juli 2009, 16:57 Uhr · Quelle: dpa
Brüssel/München/Kiel (dpa) - Die Aufregung um die Nutzung europäischer Bankdaten durch US-Terrorfahnder geht weiter. Die CSU forderte am Dienstag für die Verhandlungen der EU und der USA über ein entsprechendes Abkommen ein Veto-Recht für den Bundestag.

Dagegen warf die Europäische Kommission den Wortführern der parteiübergreifenden Kritikfront in Deutschland Desinformation und Wahltaktik vor den Bundestagswahlen Ende September vor. In einem Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur dpa bezeichnete der schleswig-holsteinische Datenschutzbeauftragte Thilo Weichert das geplante Abkommen als verfassungswidrig. Der Finanzdienstleister Swift hielt sich in der Debatte bedeckt.

«Die wiederholte und beharrliche Kritik an der Europäischen Kommission legt nahe, dass es hier mehr um parteitaktische Manöver im "Sommerloch" als um die Sache geht», sagte Kommissionssprecher Amadeu Altafaj der dpa in Brüssel. Die Europäische Kommission sei für die Kritik die falsche Adresse. Die Außenminister der 27 EU-Staaten hätten am Montag Schweden als amtierender EU-Ratspräsidentschaft das Mandat für die Verhandlungen erteilt, und nicht - wie unter anderem von Europa-Staatsminister Günter Gloser verkündet - der Kommission. «Deutschland hat diesem Beschluss ausdrücklich zugestimmt.»

CSU-Generalsekretär Alexander Dobrindt rief Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) auf, er müsse «schnellstens auf die Bremse treten» und einen Parlamentsvorbehalt verankern, «damit der Deutsche Bundestag das schlimmste noch verhindern kann».

Das geplante Abkommen hat im Gegensatz zu den meisten anderen EU-Ländern in Deutschland bei Datenschützern und Politikern einen Sturm der Entrüstung ausgelöst. Es soll US-Terrorfahndern auch dann noch Zugriff auf Millionen europäischer Bankdaten erlauben, wenn der Hauptserver des Finanzdienstleisters Swift in diesem Jahr aus den USA nach Europa verlegt wird. Schon seit dem 11. September 2001 nutzt der US-Geheimdienst CIA die Daten, aber ohne fixierte Rechtsgrundlage.

Der Finanzdienstleister Swift mit Sitz nahe Brüssel betonte, an den Verhandlungen nicht beteiligt zu sein. «Wir kennen die Details des Mandates nicht und wissen nicht, wie die Zukunft aussieht», sagte ein Sprecher. Solange der Swift-Server noch in den USA steht, könnten die USA weiter ungehindert auf die Bankdaten zugreifen. «So lange ändert sich gar nichts.» Ziel des Umzugs in die Schweiz war eigentlich, die US-Fahnder am Zugriff zu hindern. Dass dieser nun doch langfristig möglich sein soll, wollte der Sprecher nicht weiter kommentieren. «Das ist eine politische Entscheidung», sagte er und fügte hinzu: «Swift hält sich an die legalen Bestimmungen in den jeweiligen Ländern und wird sich natürlich auch an ein solches Abkommen halten.»

Nach den Worten des Datenschutz-Experten Weichert ist die Übermittlung der Swift-Daten ohne konkreten Verdacht gegen Betroffene datenschutzrechtlich noch heikler als die Speicherpflicht für Telefon- und Handy-Verbindungsdaten, die derzeit vom Bundesverfassungsgericht geprüft wird.

Kommissionssprecher Altafaj bezeichnete die «virulente Kritik» deutscher Politiker, die in erster Linie auf die Kommission abziele, als «erstaunlich». «Es zeigt sich hier einmal mehr, wie angebliche Europaverdrossenheit vor allem dadurch geschürt wird, dass nationale Entscheidungsanteile an Brüsseler Entwicklungen entweder bewusst oder aus Unkenntnis ausgeblendet werden», sagte er.

Die Kommission habe sich gegenüber den Ministern im Zusammenhang mit Swift «stets für die Rechte der Bürger und für einen glaubwürdigen Datenschutz eingesetzt». So habe die Behörde darauf bestanden, dass das Europäische Parlament eng in das Abkommen eingebunden wird. Deshalb werde es mit den USA zunächst ein Interimsabkommen geben und das endgültige Abkommen erst nach dem möglichen Inkrafttreten des neuen EU-Vertrages von Lissabon, der dem Parlament das Recht auf Mitentscheidung einräume.

Ein Teil der Kritik an dem geplanten vorläufigen Vertrag richtet sich gegen die fehlende demokratische Legitimation. Es sei ein «Skandal, dass so schwere Eingriffe in die Privatsphäre lautlos an den Parlamenten vorbei gemacht werden», klagte Dobrindt.   

EU / Datenschutz
28.07.2009 · 16:57 Uhr
[1 Kommentar]
Paralympics 2026
Tesero (dpa) - Biathletin Anja Wicker hat bei den Paralympischen Spielen in Italien auch in ihrem zweiten Wettkampf eine Medaille gewonnen und nur um 12,8 Sekunden Gold verpasst. Im schießlastigen Einzelrennen sicherte sich die 34-Jährige beim Sieg der Japanerin Yunji Kim die Silbermedaille. Bronze ging an die US-Amerikanern Kendall Gretsch.  Bei vier […] (00)
vor 5 Minuten
Bahar Kizil
(BANG) - Bahar Kizil spricht offen über ihre Zeit nach Monrose. Die 37-jährige Sängerin war neben Mandy Capristo und Senna Gammour Teil der erfolgreichen Girlband, deren Gründung sich dieses Jahr zum 20. Mal jährt. 2011 gaben die drei Frauen die Trennung von Monrose bekannt und obwohl immer wieder über ein Comeback der Truppe spekuliert wird, mussten […] (00)
vor 21 Stunden
Apple HomePad: Release des Smart-Displays wohl erst im Herbst
Wie ein bekannter Leaker berichtet, wird das neue Apple HomePad voraussichtlich erst im kommenden Herbst auf den Markt kommen. Das smarte Display, das eine Mischung aus iPad und HomePod darstellen soll, lässt damit weiter auf sich warten. Apple Store, Quelle: Pixabay Späterer Verkaufsstart für das Apple HomePad Laut dem Leaker Kosutami […] (00)
vor 21 Stunden
„Project Helix“-Leak: Nächste Xbox-Konsole soll PS6 deutlich übertreffen
Die nächste Xbox-Generation könnte einen gewaltigen Technologiesprung machen. Offiziell bestätigt ist Project Helix bereits, doch was steckt unter der Konsolenabdeckung?  Sollten sich die aktuellen Berichte bestätigen, könnte diese Hardware einen der größten Leistungssprünge der Konsolengeschichte liefern. Besonders beim Raytracing soll die neue Xbox […] (00)
vor 3 Stunden
Wenn das Licht ausgeht: Harald Lesch fragt nach der Blackout-Gefahr
Stundenlang kein Strom, ausgefallene Züge, lahmgelegte Netze – großflächige Stromausfälle sind längst kein fernes Szenario mehr. Wie stabil ist Deutschlands Energieversorgung wirklich? In Terra X Harald Lesch geht der Astrophysiker und Wissenschaftsjournalist Harald Lesch am Dienstag, 7. April 2026, um 22.45 Uhr im ZDF der Frage nach, wie sicher unser Stromnetz ist. Bereits ab dem 6. April […] (00)
vor 1 Stunde
VfL Wolfsburg - Hamburger SV
Wolfsburg (dpa) - Der VfL Wolfsburg hat im Abstiegskampf der Fußball-Bundesliga zu einer Radikalmaßnahme gegriffen. Nach dem 1: 2 (1: 1) gegen den Hamburger SV muss neben Trainer Daniel Bauer auch der Sport-Geschäftsführer Peter Christiansen gehen. Neuer Chefcoach soll nach übereinstimmenden Medienberichten ein alter Bekannter werden: Dieter Hecking. […] (02)
vor 35 Minuten
Vertrauensbeweis in Millionenhöhe: The Trade Desk zündet den Kurs-Turbo
Der Wind hat sich an der Wall Street für The Trade Desk (TTD) schlagartig gedreht. Hatte eine verhaltene Umsatzprognose Ende Februar die Anleger noch in die Flucht getrieben, sorgt nun der Chef höchstpersönlich für eine Trendwende par excellence. CEO Jeff Green hat zwischen dem 2. und 4. März 2026 ein deutliches Zeichen gesetzt: Für rund 148,1 Millionen […] (00)
vor 59 Minuten
Natürlicher Schutz für starke Zähne: Wie Zwiebeln, Tee & Kräuter antibakteriell wirken
Mörfelden-Walldorf, 07.03.2026 (lifePR) - Nur wenigen Menschen ist bekannt, dass es antibakterielle Nahrungsmittel gibt. Die natürlichen Wirkstoffe helfen gegen Bakterien, die sich gerne im Mund ansammeln und zur Entstehung von Karies beitragen. Erfahren Sie in unserem heutigen Blogbeitrag, wie Pilze und Zwiebeln die Zahngesundheit fördern und […] (00)
Gestern um 08:00
 
Raketenabwehrsystems Patriot
Washington/Tel Aviv/Teheran (dpa) - Eine Woche Krieg, 3.000 Ziele attackiert - «und […] (01)
Bahrain
Manama (dpa) - Iran hat bei seinen Angriffen in den Golfstaaten nun auch eine […] (00)
Erdbeben
Athen (dpa) - Ein Erdbeben hat die Region der beliebten griechischen Ferieninsel […] (01)
Landtagswahl in Baden-Württemberg - Wahlplakate
Stuttgart (dpa) - Klar, Landtagswahlen sind keine Bundestagswahlen. Sie sind aber […] (04)
1. FC Köln - Borussia Dortmund
Köln (dpa) - Die Dortmunder Profis feierten vor ihren Fans erleichtert den am Ende […] (04)
«The Night Agent»: Netflix verlängert Politthriller um vierte Staffel
Knapp zwei Wochen nach der Veröffentlichung der dritten Runde wurden neue Geschichten […] (00)
Michael Ballack
(BANG) - Der frühere Fußballnationalspieler Michael Ballack hat erstmals […] (00)
KI-Schock an der Wall Street: Warum selbst Datenriesen plötzlich zum Übernahmekandidaten werden
Der KI-Boom verändert die Machtverhältnisse im Softwaremarkt – und plötzlich wirken […] (00)
 
 
Suchbegriff