Arbeitsmarkt: Behutsame Aufhellung unter den Wolken
Der deutsche Arbeitsmarkt zeigt zaghafte Anzeichen der Besserung, auch wenn der Himmel noch nicht vollständig aufklart. Das Arbeitsmarktbarometer des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) in Nürnberg verzeichnete im Mai einen erneuten Anstieg und erreichte 98,9 Punkte. Trotz dieses zweiten monatlichen Zuwachses ist der Indikator weiterhin unter der neutralen Marke von 100 Punkten anzusiedeln, was auf anhaltende Herausforderungen hindeutet.
Die Bewertung des Barometers liefert einen Frühindikator für die Arbeitsmarktlage der kommenden Monate, indem sie die Erwartungen aller deutschen Arbeitsagenturen berücksichtigt. Einen besonders optimistischen Ausblick würde ein Wert von 110 Punkten verheißen, während 90 Punkte auf deutlich schlechtere Zeiten deuten würden. Dies wird auch im Vorfeld der anstehenden Veröffentlichung der Mai-Statistik der Bundesagentur für Arbeit erneut Relevanz gewinnen.
Speziell die Prognosekomponente zur Arbeitslosigkeit verbesserte sich um 0,3 Punkte im Vergleich zum April. Enzo Weber, Arbeitsmarktexperte beim IAB, weist jedoch warnend darauf hin, dass ohne eine positive wirtschaftliche Entwicklung die Arbeitslosigkeit nicht zurückgehen wird. Währenddessen stieg die Beschäftigungskomponente um nur 0,1 Punkte auf 100,1 Punkte, knapp über dem Neutralwert - ein Lichtblick, der jedoch nicht als Durchbruch gewertet werden kann, so Weber.
Das Münchner Ifo-Institut vermeldet ebenfalls zarte Anzeichen einer Stabilisierung mit einem Anstieg im Ifo-Beschäftigungsbarometer auf 95,2 Punkte im Mai, nach 94,0 Punkten im April. Klaus Wohlrabe vom Ifo-Institut betont jedoch, dass die wirtschaftliche Entwicklung entscheidend für eine nachhaltige Trendwende ist. In der Industrie setzt sich ein Aufwärtstrend des Barometers bereits im fünften Monat in Folge fort, sogar entgegen der Fortsetzung von Stellenabbau. Bei den Dienstleistern hingegen wächst die Personalstärke leicht, und besonders in der Leiharbeitsbranche regt sich neuer Optimismus. Auf dem Bau verlangsamt sich der Stellenabbau immerhin.

