Analyse: Ein Besuch der Symbole

05. Juni 2009, 18:48 Uhr · Quelle: dpa
Weimar (dpa) - In das schwere eiserne Lagertor haben die Nationalsozialisten die zynische Inschrift «JEDEM DAS SEINE» eingelassen. Barack Obama passiert das Tor in der KZ-Gedenkstätte Buchenwald am Freitag mit einer weißen Rose in der Hand.

Zusammen mit Kanzlerin Angela Merkel (CDU) und dem ehemaligen Buchenwald-Häftling und Friedensnobelpreisträger Elie Wiesel betritt der US-Präsident einen Friedhof: 250 000 Menschen aus 36 Ländern haben die Nazis bis zur Befreiung am 11. April 1945 in das Terrorlager bei Weimar verschleppt. 56 000 von ihnen starben - an Hunger und Kälte, an Zwangsarbeit und medizinischen Experimenten. Oder sie wurden von der SS ermordet. «Der Ort ist immer noch voller Schrecken», sagt Obama.

Mit ihrem Besuch in dem ehemaligen Konzentrationslager, das für das finsterste Kapitel deutscher Geschichte steht, haben der US-Präsident und die Bundeskanzlerin ein Zeichen gesetzt: Gegen Diktatur und Terror, gegen das Vergessen, für Toleranz und Menschlichkeit. «Wir müssen wachsam sein, dass so etwas nie wieder passiert», fordert Obama nach dem Rundgang über das Lagergelände, bei dem er Elie Wiesel nicht von der Seite weicht.

Der US-Schriftsteller und Jude, der aus dem Martyrium von Buchenwald von US-Truppen befreit wurde, steht für den Kampf gegen das Vergessen der Millionen Holocaust-Opfer. Obama tritt Holocaust-Leugnern entgegen: «Dieser Ort zeigt das Gegenteil.» Es sei Sache der Lebenden, «dass diejenigen, die hier starben, nicht vergebens gehen mussten», sagt er bewegt von den Eindrücken im Krematorium des Lagers.

Ernst und fast verloren wirkten Obama, Merkel, Wiesel und der ehemalige KZ-Häftling Bertrand Herz zuvor auf dem großen, schotterbedeckten Appellplatz des Konzentrationslagers. Bedächtig näherten sie sich der Stahlplatte mit den eingravierten Namen der Nationen, aus denen die Opfer in Buchenwald kamen. Ein kurzer Moment der Stille, dann trat Obama vor und legte seine Blume ab, die anderen folgten.

An dem Ort des Grauens scheint es, als stellte der mächtigste Mann der Welt sein hohes Amt hintenan. Er wendet sich immer wieder den ehemaligen Häftlingen zu, spricht leise mit ihnen, hört zu. Buchenwald hat auch etwas mit Obamas Familiengeschichte zu tun. Der Präsident spricht von seinem Großonkel, der als 19-jähriger US-Soldat das Außenlager Ohrdruf mit befreit hatte und unter den schmerzhaften Eindrücken und Erinnerungen litt.

Lange verweilt die Gruppe im Kleinen Lager, das als Quarantänestation aufgebaut worden war und zur «Hölle von Buchenwald» wurde, weil dort besonders viele Menschen umkamen. «Hier haben wir auch ein Bild des 16 Jahre alten Elie Wiesel sehen können», erzählt Obama später. Immer wieder wendet er bei seiner kurzen Ansprache den Kopf nach rechts, in Richtung von Wiesel, der hinter ihm steht. Sein Blick geht ins Nichts, als er an die Gräuel des Nationalsozialismus erinnert, aber auch die Deutschen lobt für ihren Mut, in ihre dunkle Geschichte zu sehen.

Dann macht Obama überraschend Platz für Elie Wiesel - der für ihn die Hauptperson an diesem Ort ist. Der Friedensnobelpreisträger drückt dem Präsidenten lange die Hand, bevor er ans Mikrofon geht. Wiesel erinnert an seine Familie, die in der Vernichtungsmaschinerie der Nazis starb, an seinen Vater, der ihn im Todeskampf rief, doch er es nicht wagte, zu ihm zu kommen. Wiesel erzählt aber auch von den Hoffnungen nach der Befreiung. Dass die Welt im Angesicht des Grauens zu einem besseren, friedlicheren Platz werden würde. «Aber die Welt hat ihre Lektion nicht gelernt», sagt der 80-Jährige und mahnt eindringlich: «Es reicht, wir wollen nicht mehr auf Friedhöfe gehen!»

International / Deutschland / USA
05.06.2009 · 18:48 Uhr
[0 Kommentare]
Boris Palmer (Archiv)
Tübingen - Der für Tübinger Oberbürgermeister Boris Palmer steht auch zu seinen umstrittenen Äußerungen. "Ich bereue nichts, was ich gesagt habe", sagte Palmer dem "Spiegel". Allerdings ärgere er sich darüber, dass er es seinen Gegnern so leicht gemacht habe, ihn zu diskreditieren. Um Shitstorms zu vermeiden, lasse er seine Postings mittlerweile von […] (00)
vor 10 Minuten
Olivia Rodrigo
(BANG) - Olivia Rodrigo fällt es schwer, Songs zu schreiben, wenn sie glücklich ist. Die Sängerin steht kurz vor der Veröffentlichung ihres derzeit noch unbetitelten dritten Albums – das auf 'Sour' aus dem Jahr 2021 und dessen Nachfolger 'Guts' aus dem Jahr 2023 folgt – doch sie hat zugegeben, dass es ihr schwerfällt, melancholische Musik zu schreiben, […] (00)
vor 1 Stunde
ARD-Sendung "Immer wieder sonntags"
Baden-Baden (dpa) - Die ARD setzt die Schlagersendung «Immer wieder sonntags» ab. In diesem Jahr werden die letzten 13 Live-Ausgaben des Formats mit dem Traunsteiner Moderator Stefan Mross (50) produziert, wie der SWR in Baden-Baden auf Anfrage bestätigte. Die Sendung läuft seit rund 30 Jahren im Ersten und gehört zu den beliebtesten Volksmusik-Shows in […] (00)
vor 47 Minuten
Exodus zeigt im ersten Gameplay-Trailer, was das Sci-Fi-Rollenspiel draufhat
Archetype Entertainment hat sich Zeit gelassen – aber wer die Trailer-Dürre rund um Exodus geduldig ausgesessen hat, wird mit einem ersten Gameplay-Einblick belohnt, der Lust auf mehr macht. Das Sci-Fi-Rollenspiel aus dem Hause des Studios, das seine Liebe zu Mass Effect nie verbergen wollte, tritt endlich aus dem Schatten der Ankündigung heraus. Was […] (00)
vor 14 Minuten
Ryan Gosling
(BANG) - Ryan Gosling hat "einige Gespräche" darüber geführt, die Rolle des Ghost Rider im Marvel Cinematic Universe zu übernehmen. Der 'Der Astronaut – Project Hail Mary'-Darsteller hatte zuvor seinen Wunsch geäußert, den Stuntman und späteren Dämonenjäger Johnny Blaze zu spielen – der am bekanntesten durch Nicolas Cage in 'Ghost Rider' (2007) und der […] (00)
vor 1 Stunde
Bayern-Trainer Vincent Kompany
München (dpa) - Bayern-Trainer Vincent Kompany blickt in diesem Jahr mit einem nicht ganz so mulmigen Gefühl auf die anstehende Länderspielpause, in der fast alle Münchner Profis von Harry Kane bis Michael Olise international im Einsatz sind. Inklusive der beiden Neulinge Jonas Urbig und Lennart Karl sind allein sieben Bayern-Profis für die WM-Tests der […] (00)
vor 3 Stunden
Warum die Deutsche Bank trotz historischem Rekordgewinn brutal abstürzt
Ein Rekordgewinn schützt nicht vor einem massiven Kurseinbruch an der Börse Die Deutsche Bank präsentiert die stärksten Geschäftszahlen seit fast zwei Jahrzehnten. Mit einem Vorsteuergewinn von 9,7 Milliarden Euro und einem Nettogewinn von 7,1 Milliarden Euro übertrifft das Frankfurter Geldhaus sämtliche internen Prognosen seit der Finanzkrise 2007. […] (00)
vor 43 Minuten
Unternehmerinnenfrühstück mit dem Landrat an der FHM
Waldshut, 20.03.2026 (PresseBox) - Bereits zum dritten Mal hat die Fachhochschule des Mittelstands (FHM) Waldshut in Kooperation mit dem Landkreis Waldshut zum Format „Frühstück mit dem Landrat“ eingeladen. Im Mittelpunkt der aktuellen Veranstaltung stand erstmals eine reine Runde von Unternehmerinnen aus der Region. Vertreterinnen unterschiedlicher Branchen nutzten die Gelegenheit, um sich in […] (00)
vor 1 Stunde
 
Alexander Scheer (Archiv)
Berlin - Schauspieler Alexander Scheer hat Details über eine medizinische Diagnose […] (00)
Gerhard Schröder (Archiv)
Berlin - Altkanzler Gerhard Schröder (SPD) unterstützt ausdrücklich die Linie von […] (02)
Tod eines Jugendlichen in Eckernförde
Eckernförde/Kiel (dpa) - Im Fall eines in der Ostsee-Hafenstadt Eckernförde getöteten […] (00)
Euromünzen (Archiv)
Wiesbaden - 49 Prozent aller Beschäftigten in Deutschland sind im Jahr 2025 in einem […] (00)
Bericht: Apple verdiente 2025 rund 900 Millionen US-Dollar mit generativen KI-Apps
Einem aktuellen Bericht zufolge erzielte Apple im Jahr 2025 durch App- […] (00)
Biathlon-Weltcup in Oslo
Oslo (dpa) - Biathletin Lou Jeanmonnot folgt als Gesamtweltcupsiegerin auf Franziska […] (03)
AMC+ und Shudder setzen «The Terror» mit neuer Staffel fort
«Devil in Silver» startet im Mai und führt die Horror-Anthologie in ein düsteres Krankenhaus- […] (00)
Niall Horan
(BANG) - Niall Horan durchlief eine Gefühlsreise von "Schock über Trauer bis hin zu […] (00)
 
 
Suchbegriff