Investmentweek

American Express trotzt der Konjunktur – Rekordumsatz trotz Zinsschock und Rezessionsangst

21. Oktober 2025, 16:00 Uhr · Quelle: InvestmentWeek
American Express verzeichnet elf Prozent Umsatzwachstum im dritten Quartal. Premium-Kunden treiben den Boom in Reisen und Erlebnissen, trotz wirtschaftlicher Unsicherheiten.

Konsumfreude auf Kredit

Während Einzelhändler über nachlassende Kaufkraft klagen, feiert American Express ein neues Rekordquartal. Von Juli bis September stieg der Umsatz um satte elf Prozent auf 18,4 Milliarden Dollar – so viel wie nie zuvor. Der Gewinn je Aktie kletterte auf 4,14 Dollar, die Risikovorsorge für mögliche Kreditausfälle sank leicht auf 1,3 Milliarden Dollar.

„Unsere Kunden geben wieder mehr aus – insbesondere für Reisen, Restaurants und Premium-Erlebnisse“, sagte CEO Stephen Squeri am Freitag. Währungsbereinigt legten die Ausgaben der Karteninhaber um acht Prozent zu. Eine Entwicklung, die im aktuellen Umfeld fast trotzig wirkt: Während die US-Notenbank mit hohen Zinsen die Nachfrage dämpfen will, scheint die Amex-Klientel weiter ungebremst zu konsumieren.

Quelle: Eulerpool

Das Luxussegment als Schutzschild

American Express lebt von einer Kundschaft, die selbst in unsicheren Zeiten kaum auf den Cent schaut. Etwa 60 Prozent der Umsätze stammen aus Premium- und Businesskunden, die hohe Bonität und stabile Einkommen aufweisen. Das schützt das Unternehmen vor Zahlungsausfällen, die andere Kreditkartenanbieter wie Capital One oder Discover derzeit stärker treffen.

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Zudem hat Amex die vergangenen Jahre genutzt, um seine Kundenbasis gezielt zu verschieben: weniger Masse, mehr Klasse. Neue Platinum- und Business-Produkte, Lounge-Partnerschaften und Bonusprogramme machen die Marke zunehmend zum Statussymbol – und sorgen für hohe Bindung. Der durchschnittliche Jahresumsatz pro Kunde stieg laut internen Daten auf über 23.000 Dollar.

Squeris Strategie: Wachstum mit Augenmaß

Vorstandschef Squeri verfolgt eine klare Linie: Premiumkunden ausbauen, Kreditrisiken kontrollieren, Gewinne stetig steigern. Im dritten Quartal zahlte sich dieser Kurs aus. Die Ausfallraten blieben mit rund 1,5 Prozent auf Branchenbestniveau, die operative Marge liegt bei über 25 Prozent.

Entsprechend hebt das Management die Prognose an. Für das Gesamtjahr 2025 erwartet American Express nun ein Gewinnwachstum auf 15,20 bis 15,50 Dollar je Aktie – leicht über der bisherigen Spanne. Beim Umsatz rechnet das Unternehmen mit einem Plus zwischen neun und zehn Prozent.

Analysten hatten nach den Zinsanhebungen der Fed und einer schwächeren Verbraucherstimmung mit einer Eintrübung gerechnet. Doch der Luxus-Konsument denkt offenbar anders.

„Unsere Kunden reisen, essen und investieren weiterhin in Erlebnisse – und das weltweit“, so Squeri.

Ein Konzern zwischen Stabilität und Risiko

Trotz glänzender Zahlen gibt es Schattenseiten. Die Kreditkartenschulden in den USA liegen laut Federal Reserve mit über einer Billion Dollar auf Rekordniveau, die Zinslast steigt. Zwar trifft das vor allem einkommensschwächere Verbraucher, doch selbst wohlhabende Kunden könnten bei einer anhaltenden Rezession vorsichtiger werden.

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Hinzu kommt der verschärfte Wettbewerb: Visa und Mastercard investieren massiv in digitale Bezahllösungen, Fintechs wie Revolut und Klarna greifen mit flexiblen Kreditangeboten an. American Express setzt dagegen auf Exklusivität – eine Strategie, die in Boomzeiten funktioniert, in Krisen aber an Grenzen stoßen kann.

Reiseboom als Wachstumstreiber

Ein Großteil des jüngsten Umsatzschubs kommt aus dem Reisesegment. Nach pandemiebedingtem Einbruch erholt sich der globale Tourismus weiter. Laut Amex stiegen die Buchungen über das eigene Reiseportal im Jahresvergleich um 12 Prozent, vor allem im Luxussegment. Hotels und Fluggesellschaften gehören zu den größten Partnern des Konzerns – und profitieren gleichermaßen vom Konsumverhalten der Amex-Kunden.

In den USA verzeichneten Premium-Karteninhaber Rekordausgaben für internationale Reisen. Besonders gefragt: Asien, der Nahe Osten und die Karibik. Gleichzeitig stieg das Transaktionsvolumen im Gastronomiebereich um neun Prozent.

Solides Fundament, aber steigende Abhängigkeit

American Express zeigt, dass sich Finanzstärke und Markenimage in schwierigen Zeiten auszahlen können. Der Fokus auf solvente Kundengruppen reduziert Ausfallrisiken – macht das Unternehmen aber auch abhängig vom Wohl der oberen Einkommensschichten. Ein Einbruch bei Aktien- oder Immobilienvermögen könnte sich daher direkter auf das Geschäft auswirken als bei Konkurrenten.

Analysten sehen Amex dennoch robust aufgestellt. Die Eigenkapitalquote liegt über 12 Prozent, die Kreditverluste sind im historischen Vergleich niedrig. Und die Marke gilt als eine der wertvollsten im globalen Finanzsektor.

Starker Schluss – Luxus auf Kredit bleibt gefragt

American Express gelingt, was vielen Banken derzeit nicht gelingt: Wachstum bei stabilen Risiken. Der Konzern profitiert von einer Kundenschicht, die Inflation und Zinsen besser wegsteckt als der Durchschnitt. Doch je länger der Konsumboom auf Kredit anhält, desto größer wird das Risiko einer Gegenbewegung.

Noch aber fließt das Geld – und zwar in Strömen. Der neue Rekordumsatz markiert nicht das Ende eines Zyklus, sondern möglicherweise erst den Beginn einer neuen Phase: der Verschmelzung von Luxus, Lifestyle und Kreditwirtschaft.

Finanzen / Quartalszählen / American Express / Kreditkarten / Lüxussegment
[InvestmentWeek] · 21.10.2025 · 16:00 Uhr
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