Aktivrente: Chancen und Risiken für den Arbeitsmarkt
Die von der Bundesregierung geplante "Aktivrente" könnte zu beträchtlichen Steuerausfällen führen, wie eine aktuelle Analyse des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) aufzeigt. Laut dem arbeitgebernahen Institut könnten allein bei den rund 600.000 Rentnern, die Ende 2023 weiterhin berufstätig sind, steuerliche Einbußen von 2,8 Milliarden Euro entstehen. Das IW hegt zudem Zweifel, inwieweit diese Reform tatsächlich dazu beitragen wird, ältere Arbeitnehmer länger im Berufsleben zu halten.
Im Koalitionsvertrag von Union und SPD verankert, verspricht die geplante "Aktivrente" neue finanzielle Freiheiten: Rentner sollen künftig bis zu 2.000 Euro monatlich beziehungsweise 24.000 Euro jährlich steuerfrei hinzuverdienen können. Sozialministerin Bärbel Bas (SPD) hat angekündigt, nach der Sommerpause einen entsprechenden Gesetzesentwurf vorzulegen — eine Maßnahme, die jedoch die öffentlichen Kassen spürbar belasten dürfte.
Die Untersuchung des IW wirft Licht auf das Erwerbsverhalten älterer Bürger: Von den beruflich aktiven Rentnern erwirtschaftet ein Großteil weniger als 24.000 Euro jährlich. Dennoch sticht die Gruppe der selbstständig tätigen Senioren hervor, von denen über die Hälfte im Durchschnitt rund 68.000 Euro pro Jahr verdient. Für diese Gruppe würden die Steuerfreibeträge der "Aktivrente" jährliche Steuerausfälle in Höhe von etwa 1,2 Milliarden Euro bedeuten.
Ein weiterer Punkt ist die Option, steuerliche Anreize auch jenen zu gewähren, die vorzeitig in den Ruhestand gehen möchten. Diese Möglichkeit könnte ab dem Alter von 63 zusätzlichen Anreiz bieten, den Renteneintritt vorzuziehen und gleichzeitig einer Beschäftigung nachzugehen. Die schwarz-rote Regierung sieht in der "Aktivrente" ein Instrument zur Verlängerung der Lebensarbeitszeit, um sowohl die Rentenversicherung zu entlasten als auch dem Fachkräftemangel entgegenzuwirken.

