Airbus trotzt Herausforderungen und beeindruckt mit starkem Start ins Jahr
Der europäische Luftfahrtgigant Airbus ist erfolgreich in das Jahr eingestiegen, trotz einer Reduzierung bei den Jet-Auslieferungen. Dabei erschweren die Auswirkungen des sich verschärfenden Handelskriegs, ausgehend von den USA, den bereits bestehenden Mangel an wichtigen Komponenten. Guillaume Faury, der Vorstandsvorsitzende von Airbus, behält allerdings optimistisch sein Ziel bei, in diesem Jahr 820 Verkehrsflugzeuge zu liefern und einen bereinigten operativen Gewinn von sieben Milliarden Euro zu erreichen. Die potenziellen Folgen neuer Zölle werden dabei vorerst ausgeblendet.
Am Freitagmorgen verzeichnete die Airbus-Aktie einen Anstieg um 4,5 Prozent auf etwa 154 Euro, was sie zu einem der Spitzenwerte im DAX machte. Nachdem der Markt am Vortag durch den Feiertag pausierte, konnten die Investoren nun endlich auf die Nachrichten reagieren. Analystin Milene Kerner von Barclays beurteilt den Quartalsbericht im Nachhinein als beruhigend und erwartet ein Wiederaufleben des Anlegerinteresses. Noch im März sanken die Aktien im Vergleich zu ihrem Rekordhoch um bis zu 27 Prozent, bevor sie sich kürzlich wieder bei etwa 147 Euro stabilisierten.
Anhaltende Unsicherheiten durch die Zollpolitik der USA beschäftigen die Marktbeobachter weiterhin. UBS-Analyst Ian Douglas-Pennant sieht den Einfluss der aktuellen Zölle auf Airbus jedoch als begrenzt an. Faury betont, dass neue Zölle die Situation für das Unternehmen komplexer machen würden, deren Umfang und Dauer aber unklar bleiben. Aktuell sind die Zölle, die US-Präsident Donald Trump erlassen hat, nicht direkt auf die Luftfahrtindustrie gerichtet, aber jede Änderung könnte unvorhersehbare Auswirkungen haben. So stornieren chinesische Airlines bereits Bestellungen beim amerikanischen Wettbewerber Boeing. Andere Fluggesellschaften, wie die Lufthansa, haben ihre Abneigung gegen die möglichen Mehrkosten deutlich gemacht.
Seit der Pandemie ringt Airbus mit Engpässen bei wichtigen Teilen wie Triebwerken und Sitzen. Der Nachfrage nach effizienten Jets kann Airbus kaum gerecht werden. Die geplante Steigerung der Produktion der A320neo-Jets auf 75 monatliche Einheiten ist auf 2027 verschoben, da die Zulieferer unter Druck stehen. Im ersten Quartal konnte Airbus 136 Passagierjets ausliefern, das sind sechs weniger als im Vorjahreszeitraum. Diese Verzögerungen verlagern Auslieferungen zunehmend in die zweite Jahreshälfte.
Finanziell übertraf Airbus die Prognosen trotz der Schwierigkeiten. Der Umsatz erhöhte sich um sechs Prozent auf über 13,5 Milliarden Euro, und das bereinigte EBIT stieg um acht Prozent auf 624 Millionen Euro. Der Bereich für Hubschrauber, Rüstung und Raumfahrt gleicht die schwächere Performance bei den Passagierjets aus. Ein geplanter Stellenabbau belastete das Ergebnis mit 105 Millionen Euro, doch die Neubewertung von Beteiligungen ließ den Überschuss um 33 Prozent auf 793 Millionen Euro ansteigen. Der Abfluss von Barmitteln vor Kundenfinanzierungen war mit 310 Millionen Euro ebenfalls geringer als erwartet.

