Computer-Geschichte

40 Jahre Commodore Amiga: Seiner Zeit weit voraus

17. Juli 2025, 06:00 Uhr · Quelle: dpa
Der Commodore Amiga, vor 40 Jahren vorgestellt, bot bahnbrechende Multimedia-Fähigkeiten und war seiner Zeit weit voraus. Doch trotz seiner Erfolge ging das Unternehmen schließlich in die Insolvenz.

New York (dpa) - Die Premiere des Commodore Amiga vor 40 Jahren in einem Theater des piekfeinen Lincoln Center in New York sollte unbedingt die Vorstellung des ersten Apple Macintosh anderthalb Jahre zuvor übertreffen. Der charismatische Apple-Mitbegründer Steve Jobs hatte damals die Präsentation des ersten Macs als großen Moment inszeniert und das Publikum durch den neuartigen Würfelrechner mit synthetischer Stimme begrüßen lassen. Das wollte Commodore am 23. Juli 1985 toppen.

Um die Macintosh-Premiere von Apple zu überbieten, hatte Commodore den Pop-Art-Künstler Andy Warhol und Debbie Harry, Sängerin und Songwriterin der New-Wave-Band «Blondie» engagiert. Warhol verwandelte auf der Bühne mit dem Amiga ein schnell geknipstes Digitalfoto der Sängerin in ein Kunstwerk - und demonstrierte damit die zu jener Zeit überwältigenden Multimedia-Fähigkeiten des neuen Commodore-Spitzenmodells.

Commodore hatte Anfang der 80er Jahre vor allem Erfolge mit Heimcomputern feiern können. Der 1980 eingeführte VC20 war der erste Heimrechner, der als «Volkscomputer» in großen Stückzahlen international verkauft wurde. Legendär wurde aber vor allem der Commodore 64, der 1982 auf den Markt kam: Mit mehr als 17 Millionen verkauften Geräten ist er bis heute der erfolgreichste Heimcomputer aller Zeiten.

Die guten Verkaufszahlen des C64 konnten allerdings nicht über firmeninterne Probleme hinwegtäuschen. Während Apple im Januar 1984 für die aufsehenerregende Premiere des Macintosh gefeiert wurde, verließ der legendäre Commodore-Gründer Jack Tramiel das Unternehmen im Streit und übernahm den Wettbewerber Atari. Mit oder ohne Tramiel: Commodore benötigte dringend einen neuen Verkaufsschlager.

Amiga das nächste große Ding

Auf der Suche nach dem «next big thing» prallten im Sommer 1984 das Commodore-Management und Ex-Chef Tramiel erstmals aufeinander. Beide Seiten lieferten sich einen Bieterstreit bei der Übernahme des Start-ups Amiga - bei dem der neue Atari-Chef Tramiel den Kürzeren zog.

Das kleine Amiga-Team hatte einen Prototyp eines neuartigen 32-Bit-Rechners entwickelt, der als Fundament für eine neue Erfolgsgeschichte taugen konnte. «Er besaß phänomenale Multimedia-Kapazitäten, besonders verblüffte die Animation eines springenden Balls», sagt Andreas Stolte vom Computermuseum HNF in Paderborn. Nach der Übernahme der kleinen Firma sollte aus dem Amiga-Prototyp bei Commodore ein verkaufsfertiger Rechner werden. Tramiel orientierte sich nach der Schlappe um und fokussierte sich auf die Entwicklung des ewigen Amiga-Konkurrenten Atari ST.

Der neue Rechner von Commodore verblüffte die Branche: Zu einer Zeit, als Nutzer eines IBM PCs sich mit einer Grafikdarstellung von 16 Farben begnügen mussten und Mac-User vor einem Schwarz-Weiß-Bildschirm saßen, konnte der Amiga bereits 4096 Farben darstellen. Der Rechner verfügte außerdem über spezielle Chips zur Beschleunigung der Videowiedergabe. Er hatte integrierte Videoausgänge für Fernseher. Der Amiga konnte zudem einen vierstimmigen Stereosound erzeugen, während viele Rechner von der Konkurrenz nur Pieptöne von sich gaben.

Voller Innovationen steckte auch das Betriebssystem des Amiga. Ähnlich wie der Apple Macintosh bot die «Amiga Workbench» eine grafische Benutzungsoberfläche, die mit einer Maus bedient wurde. Das hatten Mac und Amiga dem IBM PC und seinem DOS-System von Microsoft voraus. Im Maschinenraum des Betriebssystems verfügte der Amiga aber obendrein schon über eine modernere Variante des Multitaskings, also der Fähigkeit, mehrere Programme parallel laufen zu lassen. Sie war viel robuster als das ältere Verfahren («kooperatives Multitasking»), das damals noch im Mac oder dem IBM PC genutzt wurde.

Durchbruch mit dem Amiga 500 und Games

Der Verkauf des Amiga lief zunächst schleppend an. Auch wegen des hohen Preises hielten sich potenzielle Kunden aber zurück. Der erste Amiga kostete immerhin damals noch 5.595 D-Mark. Das entspricht inflationsbereinigt heute knapp 6.300 Euro. Den Durchbruch brachte 1987 das deutlich günstigere Modell Amiga 500, das ab 1.100 D-Mark zu haben war (inflationsbereinigt heute rund 1200 Euro).

Die technischen Eigenschaften sorgten dafür, dass der Commodore Amiga schnell von der Gaming-Szene entdeckt wurde. Die überlegene Grafik und seine Soundoptionen ermöglichten viele innovative Spiele, die die Amiga-User begeisterten. Einer der ersten Titel, die für den Amiga erschienen, war «Defender of the Crown» (1986), ein Rollenspiel, das mit einer beeindruckenden Grafik und seinem Gameplay, bei dem man England erobert, überzeugte.

Das populärste Spiel aller Zeiten für den Commodore Amiga ist «Lemmings», ein Puzzle-Spiel, das 1991 erschien. Es gilt als der ikonische Amiga-Titel schlechthin und nimmt in Bestenlisten regelmäßig den Spitzenplatz ein. «Lemmings» überzeugte durch sein innovatives Spielprinzip, in dem der Spieler eine Gruppe kleiner Figuren mit verschiedenen Fähigkeiten sicher durch tödliche Levels leiten musste. Es wurde millionenfach verkauft sowie auf zahlreiche Plattformen portiert. Zu Klassikern wurden auch Amiga-Games wie «Speedball 2», «Alien Breed», «Pinball Dreams» und «Worms - The Director’s Cut».

Verpasste Chancen

Der Commodore Amiga hätte mit seinem modernen Betriebssystem und seinen überragenden Grafikfähigkeiten auch Büros erobern können. Er war nämlich in der Textverarbeitung vielen Konkurrenzprodukten ebenfalls seiner Zeit weit voraus. Während monochrome Monitore Standard waren und Textprogramme ihre Benutzer mit langen Steuerzeichen und Sonderbefehlen verwirrten, bot der Amiga bereits eine grafische Darstellung des gesamten Dokuments. Der Bildschirm zeigte den Text in der passenden Typographie und dem Layout, wie er später auf dem Papier erscheinen würde.

Das Management von Commodore versäumte es allerdings, die bahnbrechenden Multimedia-Fähigkeiten in ihrem Marketing hervorzuheben, um den Amiga aus der Videospiel-Ecke herauszuholen. Zum Fall des Amiga trug auch eine undurchsichtige Modell-Politik bei. Ein Paradebeispiel dafür war 1992 der Amiga 600, der als kostengünstigere Konstruktion gedacht war, aber letztendlich ein teurerer Ersatz für den Amiga 500 wurde. Commodore hat weltweit etwa 7,2 Millionen Amiga-Computer verkauft, darunter knapp 1,7 Millionen in Deutschland. Das sollte aber nicht reichen.

Mit dem Absturz des Amiga ging die ganze Firma unter: Commodore meldete am 29. April 1994 offiziell Insolvenz an. Das Aus war aber nicht nur auf Managementfehler zurückzuführen, sondern auch auf Veränderungen im Markt. Der IBM PC und Klone von Compaq und anderen Herstellern eroberten den Markt, auch weil günstige Grafik- und Soundkarten die PCs multimedia-tauglich machten. Apple hatte mit den gleichen Problemen wie Commodore zu kämpfen und stand angesichts des Vormarschs der Windows-PCs zwei Jahre später auch kurz vor der Pleite. Doch im Gegensatz zu Commodore gab es bei Apple mit Steve Jobs einen Retter, der die Firma 1997 vor dem Absturz bewahrte und später zu einem der wertvollsten Unternehmen der Welt machte.

Computer / Geschichte / Spiel / Technik / zum 23. Juli / USA / International
17.07.2025 · 06:00 Uhr
[1 Kommentar]
Teile aus dem 3D-Drucker für die Ukraine
Berlin/Kiew (dpa) - Die Ukraine hat eine Armee, die auch in Deutschland aktiv ist: Drukarmija (Druckarmee) heißt eine Freiwilligenorganisation, deren Aktivisten mit 3D-Druckern massenhaft kleine Plastikteile herstellen. Sie drucken fast alles, was Soldaten und Rettungskräfte der Ukraine bei der Abwehr der russischen Invasion brauchen: Drohnenzubehör, […] (00)
vor 19 Minuten
Olaf Scholz (Archiv)
Berlin - Der ehemalige SPD-Bundeskanzler Olaf Scholz soll die Leitung einer Kommission zur Zukunft der Entwicklungspolitik übernehmen. Das berichtet der "Tagesspiegel" unter Berufung auf "Regierungskreise". Zwar müssten die letzten Details zur genauen Aufgabenbeschreibung und Zusammensetzung noch geklärt werden, die Personalie Scholz sei jedoch gesetzt. […] (00)
vor 14 Minuten
Nicholas Galitzine hat zugegeben, dass er sich wie ein 'kompletter Betrüger' fühlte, als er zum ersten Mal sein He-Man-Kostüm anzog.
(BANG) - Nicholas Galitzine fühlte sich wie ein "kompletter Betrüger", als er zum ersten Mal sein He-Man-Kostüm anzog. Der 31-jährige Schauspieler verkörpert Prinz Adam und dessen Superhelden-Alter-Ego im neuen Film 'Masters of the Universe', und vor seiner dramatischen körperlichen Transformation für die Rolle gab er zu, dass er sich "unwürdig" fühlte, […] (00)
vor 11 Stunden
MSI gewinnt mehrere COMPUTEX 2026 Awards
MSI, ein weltweit führendes Unternehmen im Bereich Gaming und High-Performance Computing, hat auf der COMPUTEX 2026 vier Best Choice Awards gewonnen. Den Höhepunkt bildet der Gold Award für die Flaggschiff-Grafikkarte GeForce RTX 5090 32G LIGHTNING Z. Die Auszeichnungen in den Bereichen Kernkomponenten, smarte Peripheriegeräte und ein Jubiläums- […] (00)
vor 9 Stunden
Tom Hardy steigt offenbar bei «Mobland» aus
Der Hollywoodstar soll nach Abschluss der zweiten Staffel nicht mehr zur Paramount+-Serie zurückkehren. Tom Hardy wird offenbar nicht mehr Teil von Mobland sein. Wie das US-Branchenmagazin „Variety“ unter Berufung auf Quellen berichtet, soll Hardy in einer möglichen dritten Staffel der Paramount+-Serie nicht mehr auftreten. Die Produktion der zweiten Staffel wurde bereits im März […] (00)
vor 7 Stunden
Alexander Zverev
Paris (dpa) - Bei seinem nächsten Anlauf auf den ersehnten ersten Grand-Slam-Turniersieg hat Tennisstar Alexander Zverev auch Unterstützung von Promi-Arzt Hans-Wilhelm Müller-Wohlfahrt erhalten. «Ich habe zwei wunderbare Behandlungen gehabt bei Dr. Müller-Wohlfahrt, die haben mir sehr geholfen», sagte der Weltranglistendritte. Wegen wieder aufgekommener […] (00)
vor 4 Minuten
kostenloses stock foto zu 4k wallpaper, anlagekonzept, bitcoin
Solana befindet sich weiterhin in einer vorsichtigen Konsolidierungsphase. Die Kursentwicklung deutet darauf hin, dass eine vorübergehende Erholung eintreten könnte, bevor der Markt seine nächste größere Richtungsentscheidung trifft. Während sich das kurzfristige Momentum stabilisiert hat, steht SOL immer noch vor wichtigen Widerstandsbarrieren, die […] (00)
vor 1 Stunde
KI auf IBM i: Warum Systemverständnis wichtiger wird als der nächste KI-Assistent
Ravensburg, 22.05.2026 (PresseBox) - Die Diskussion um Künstliche Intelligenz auf IBM i hat eine neue Phase erreicht. Während vor wenigen Monaten noch über Potenziale und Zukunftsszenarien gesprochen wurde, stehen heute konkrete Werkzeuge und praktische Einsatzmöglichkeiten im Mittelpunkt. Das zeigen aktuelle Gespräche mit Kunden sowie die Diskussionen […] (00)
vor 12 Stunden
 
Apple Intelligence in iOS 27: Die neue KI-Sprachsteuerung kommt
Apple hat kürzlich eine spannende Vorschau auf kommende Bedienungshilfen für Geräte […] (00)
Apple Sports expandiert in über 90 neue Länder zur WM 2026
Apple hat seine kostenlose iPhone-App Apple Sports massiv ausgebaut. Die Anwendung […] (00)
iPhone 19 Pro: Prototyp offenbar mit vierfach gebogenem Display im Test
Apple testet aktuellen Berichten zufolge einen Prototyp des iPhone 19 […] (00)
Hamburger Hafen (Archiv)
Berlin - Die Deutsche Industrie- und Handelskammer (DIHK) senkt ihre […] (00)
iPhone-Lieferungen in Lateinamerika steigen im ersten Quartal um 31 Prozent
Die iPhone-Lieferungen sind im ersten Quartal 2026 in Lateinamerika im Vergleich zum […] (00)
Finale von «The Late Show With Stephen Colbert» stellt Zuschauerrekord auf
Die Abschiedsausgabe der CBS-Show erreichte mehr Zuschauer als die eigentliche Premiere im Jahr […] (00)
Aufbruchstimmung in Nevada Der Bundesstaat Nevada ist zurzeit ein Zentrum für […] (00)
Polizei stellt in Brasilien gefälschte WM-Sammelbilder sicher
Nova Iguaçu (dpa) - Knapp drei Wochen vor Beginn der Fußballweltmeisterschaft hat die Polizei […] (00)
 
 
Suchbegriff